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Kölner FestivalJiddische Lieder mit Sharon Brauner und den Toy Goys

4 min

Das Eröffnungskonzert von Shalom Music Koeln in der Kölner Flora

„Shalom Musik Koeln“ zeigt jüdische Kultur als selbstverständlichen Teil des Lebens in Deutschland.

Per Edikt hatte der römische Kaiser Konstantin 321 erlaubt, dass Juden Ämter im Kölner Senat übernehmen können, was als ältester schriftlicher Beweis für jüdisches Leben im Gebiet des heutigen Deutschland gilt. Seit den Feierlichkeiten „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gibt es nun alle zwei Jahre das Festival „Shalom Musik Koeln“, veranstaltet vom „Kölner Forum für Kultur und Dialog“. Der Verein will jüdische Kultur als selbstverständlichen Bestandteil des Lebens in Deutschland zeigen und nicht nur im Kontext von Verfolgung, Exil und Holocaust. Soeben erhielt er den Ehrenamtspreis für jüdisches Leben in Deutschland des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung.

Bei der Eröffnungsveranstaltung betonten Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Land und Kooperationspartnern, dass jüdisches Leben selbstverständlich zu Köln gehört, aber auch geschützt werden muss, wie die Polizeipräsenz vor der Synagoge in der Roonstraße täglich vor Augen führt. Abraham Lehrer von der Kölner Synagogen-Gemeinde bedankte sich beim Publikum, dass es gekommen sei und sich damit offen und solidarisch mit Jüdinnen und Juden zeige, statt ihnen auszuweichen.

Kölner Alpenverein führt zu Stolpersteinen

Die Leiterinnen Claudia Hessel und Ulrike Neukamm gaben dem Festival 2026 das Motto „Zuhören“. Das zielt ebenso auf Musik, Lyrik und Lebensgeschichten wie auf Dialog, der nun mal Zuhören voraussetzt. Zehn Tage lang gibt es an verschiedenen Spielstätten Alte und Neue Musik, Psalmen, Orgelmusik, Klassik, Jazz, Chanson, Comedy, Klezmer, Folk, Elektronik, Familienkonzerte, Gespräche, kostenlose Kurzkonzerte, und einen Rundgang des Kölner Alpenvereins zu ausgewählten Stolpersteinen des Künstlers Gunter Demnig für ehemalige jüdische Mitglieder.

Artist in Residence ist der Schofar-Spieler und Hornist Bar Zemach. Er hatte an der Universität der Künste Berlin studiert und ist seit 2022 Solohornist des zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikern bestehenden West-Eastern Divan Orchestra. Statt auf dem originalen Widderhorn, das kaum mehr als einen einzigen Ton erlaubt, bläst er das gewundene Langhorn einer afrikanischen Antilope mit fantastischer Varianz an Tonhöhen, Dynamik und Klangfarben. Einen einzigen Liegeton macht er zu einer lebendigen Geschichte von Werden, Aufblühen und Vergehen.

Gesänge mit dem Antilopen-Schofar

Durch den Abend führte die Berliner Sängerin und Schauspielerin Sharon Brauner mit der Lebensgeschichte von Hilde Domin. Die jüdische Dichterin wurde 1909 in Köln als Hildegard Dina Löwenstein geboren, musste 1933 ins Exil gehen, nach Italien, England, und Kanada, und fand schließlich Asyl in der Dominikanischen Republik, wo sie ihren Künstlernamen Domin annahm. Erst 1959 veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“, der schnell mehrere Auflagen erfuhr.

Als Uraufführung erklangen vier Lieder des israelischen Komponisten Shay Cohen für Männerchor, Klavier und Horn auf Gedichte von Domin, die sich bruchlos in den leichten Unterhaltungston des gesamten Abends einfügten. Das erste Lied „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“ tastete mit unruhig überlappenden Wiederholungen auf der Stelle, um sich plötzlich ganz gelöst zu einem weitgespannten Gesang aufzuschwingen. Zwischen den mehr oder minder beziehungsreichen biografischen Hinleitungen erklangen jiddische Lieder und Schlager-Arrangements von Brauner und The Toy Goys mit Klavier, E-Bass und Beatboxing.

Der Kammerchor des Kölner Männergesangvereins unter Leitung von Bernhard Steiner sang heitere Stücke allesamt jüdischer Musiker: Comedian Harmonists, Offenbach, Gershwin und Mendelssohns witzige Parodie „Liebe und Wein“ auf das Singen von Herz-Schmerz-Liebesqual. Auch als Backstage Boys legte der Männerchor sanfte Harmonien unter die Solisten. Zum Schluss gab es eine Zugabe zum Mitsingen für alle: „Unser Stammbaum“ von den Black Fööss feiert die Stadt am Rhein als einen zweitausendjährigen Melting Pot: „Ich bin Grieche, Türke, Jude, Moslem un Buddhist, mir all, mir sin nur Minsche, vür’m Herrjott simmer jlich.“

Erneut erlebte man den Schofar-Spieler im Gastspiel des Jewish Chamber Orchestra Hamburg beim uraufgeführten „Hineni – Here I am“ des New Yorker Kantors und Komponisten Gerald Cohen. Selbst das voll melodiefähige Antilopen-Schofar erwies sich dabei jedoch als ein Solitär, dessen Klangfarbe und Intonation keine andere musikalische Gesellschaft verträgt. Rein solistisch vorgetragen hätten die verarbeiteten traditionellen Synagogal-Gesänge ungleich größere Wirkung getan. Den Schluss- und Höhepunkt setzte Bar Zemach schließlich mit der „Chassidischen Rhapsodie“ des sowjetischen Komponisten Lev Kagan. Was man sonst nur von der Klezmer-Klarinette kennt, vermag hier dank des sagenhaften Musikers auch das Horn: weinen, lachen, strahlen, schnattern, jauchzen.