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Kosten von 4,8 Milliarden EuroDie wichtigsten Fragen und Antworten zur Kölner Olympiabewerbung

10 min

Beim Informationsabend des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zur Olympiabewerbung im Rheinland beantworteten Torsten Burmester, Britta Heidemann und Niklas Börger die Fragen von Leserinnen und Lesern. 

Rund um die Idee, Olympische Spiele in Köln und der Region auszurichten, drängen sich viele Fragen auf. Wie würden die Spiele Köln-Rhein-Ruhr aussehen? Was würden sie kosten? Welche Nachteile brächten sie der Stadt und welche Vorteile? Um viele Fragen zu beantworten, holte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Mittwochabend im Deutschen Sport und Olympia Museum drei Experten aufs Podium: Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester, Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann und Niklas Börger, der die Olympia-Projektgruppe in der Düsseldorfer Staatskanzlei leitet.

Reine Briefwahl: Bis zum 19. April müssen die Stimmzettel beim Amt sein

In der kommenden Woche werden gut 800.000 wahlberechtigte Kölnerinnen und Kölner Post mit den Abstimmungsunterlagen erhalten. Dann gilt es zu entscheiden, ob sie mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen. In 16 weiteren am Konzept beteiligten Städten werden ebenfalls Bürgerreferenden durchgeführt, etwa in Leverkusen und Pulheim. Insgesamt werden nach Angaben der NRW-Landesregierung rund vier Millionen Menschen an der Entscheidung zur Olympia-Bewerbung beteiligt. Bis zum 19. April müssen die Stimmzettel wieder bei den jeweiligen Wahlämtern sein. Es handelt sich um eine reine Briefwahl, es wird am Stichtag keine Wahllokale geben. Dann wird lediglich die Auszählung vorgenommen.

11.03.2026 Köln. Olympia-Veranstaltung der Redaktion vor 300 Leuten mit OB Torsten Burmester, Britta Heidemann und weiteren Podiumsgästen. Foto: Alexander Schwaiger

v.l.: Moderatorin Lena Kesting, Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann, Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester und Niklas Börger beim Olympia-Informationsabend des „Kölner Sadt-Anzeiger“

Vor rund 250 Interessierten beantworteten Burmester, Heidemann und Börger am Mittwoch viele vorab von Leserinnen und Lesern des „Kölner Stadt-Anzeiger“ eingereichte Fragen, weitere aus dem Publikum vor Ort kamen hinzu. Ein Überblick:

Warum fokussiert man sich bei der Bewerbung nicht auf ein Jahr, sondern geht mit 2036, 2040 und 2044 ins Rennen?

Torsten Burmester: Ich kann das in einem Satz zusammenfassen: Um eine Chance zu haben, muss man zeigen, dass man sich für mehrere Ausgaben bewirbt, und deshalb haben wir die Jahreszahl bewusst offen gelassen.

Häufig ist die Rede von Knebelverträgen. Hätte die Stadt Köln als Host City gegenüber dem IOC überhaupt ausreichend Mitsprachemöglichkeit?

Burmester: Natürlich ist das IOC der Veranstalter, darüber müssen wir nicht diskutieren. Doch das IOC hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Das ist nicht zuletzt Thomas Bach zu verdanken, gerade, was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Die ersten Spiele, die nach einer von ihm initiierten Reform vergeben worden sind, waren die in Paris. Den Unterschied merkt man deutlich. Und ja, es gibt einen Host-City-Vertrag. In der Vergangenheit war der über 1000 Seiten lang, jetzt ist er deutlich kürzer. Früher hieß es, die Städte müssen sich den Spielen anpassen. Inzwischen herrscht die Philosophie: Die Spiele müssen sich den Städten anpassen.

„Die Spiele müssen sich den Städten anpassen“

Britta Heidemann: Mittlerweile ärgern sich eher die Länder über die Reformen des IOC, die eine andere Auffassung der Umsetzung von Olympischen Spielen haben als wir Deutschen. Denn die Knebelwirkung geht jetzt dahin, nicht zu viel ausgeben zu dürfen, nicht zu unnachhaltig zu sein. Also alles das, was wir jahrzehntelang für die Ausrichtung Olympischer Spiele vom IOC gefordert haben, ist jetzt vollends zu unseren Gunsten zur Geltung gekommen. Da kann man eher darüber diskutieren, ob es in Paris nicht schon zu weit ging, zum Beispiel mit fehlenden Klimaanlagen im Olympischen Dorf. Ich glaube, dass wir mit den jetzigen Vorgaben sehr gut werden umgehen können. 

Welche Chance hätte Köln-Rhein-Ruhr im nationalen Vergleich mit den Städten München, Berlin und Hamburg, aber auch international, etwa mit Budapest oder Istanbul?

Börger: Ich bin zuversichtlich, was den nationalen Vergleich angeht. 95 Prozent der Athletinnen und Athleten wären bei uns im Dorf untergebracht. Der olympische Geist wird bei unserem kompakten Konzept deutlich, zusammen mit dem Sportgeist, der in der Region und den Stadien herrscht. Diese Kombination ist bei uns einzigartig. Auch Attribute wie Nachhaltigkeit können wir in einem derzeit sehr frühen Stadium schon mit Beispielen belegen. Wir haben Antworten auf Fragen – nicht auf alle, aber auf viele. Auch im internationalen Vergleich sind wir selbstbewusst. Wir hören aus der Sportwelt: Deutschland ist wieder dran. 

Heidemann: Bis vor ein paar Jahren haben noch die IOC-Mitglieder, etwa 100 an der Zahl, bei Sitzungen über die Ausrichterstädte entschieden. Jetzt gibt es eine Expertenkommission. Das sind etwa zehn Menschen, die sich wirklich mit den Bewerbungen auseinandersetzen, in die Bewerberstädte reisen, mit ihnen in den Dialog gehen. Berlin und München sind Weltstädte. Köln liegt international gesehen eine Kategorie darunter. Aber auch Brisbane, eine Stadt am Ende von Australien, ist zu einer Olympiastadt geworden. Weil sie zu dem Zeitpunkt der Bewerbung den Kriterien des IOC entsprochen hat. Und das sehe ich auch bei Köln-Rhein-Ruhr. Wir haben 14 Millionen Tickets, die wir verkaufen können, ein sportbegeistertes Publikum, ein großes Einzugsgebiet. Nachhaltigkeit ist hier ohnehin ein Thema, das können alle deutschen Städte wunderbar abbilden. Deshalb haben wir genauso gute Chancen wie andere europäische Metropolen. 

München hat sich mit 66 Prozent für die Spiele ausgesprochen. Ist die Prozentzahl ein maßgebliches Kriterium für den DOSB, wenn sich Köln-Rhein-Ruhr etwa gegen Bayern durchsetzen will?

Börger: Natürlich ist das Votum der Region entscheidend, die Haltung der Bevölkerung spielt eine wichtige Rolle. Wir gehen davon aus, dass wir diese Zahlen erreichen, vielleicht sogar übertreffen können. Wir werben daher für eine hohe Beteiligung. Das ist aber nicht der einzige Faktor. Es geht auch um das Konzept, darum, was die Fachverbände davon halten. Bei einem Nein der Bevölkerung wäre aber unmissverständlich klar, dass die Stadt nicht dabei ist. 

Durchführungskosten von 4,8 Milliarden Euro

Burmester: Eigentlich haben wir schon gewonnen, weil wir vier Millionen Menschen beteiligen. Das schafft keine andere Region, Berlin macht es gar nicht. Deshalb kommt es mir nicht so sehr auf 59, 66 oder 70 Prozent an. Wichtig ist, dass es eine Mehrheit für die Idee gibt.

Welche Kosten verursachen Olympische Spiele in NRW? 

Börger: Wir rechnen mit 4,8 Milliarden Euro Durchführungskosten bei zu prognostizierenden Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro. Der entscheidende Faktor, der bei Olympischen und Paralympischen Spielen immer – auch zu Recht – in der Diskussion steht, sind die Investitionen, die getätigt werden. Die schießen oftmals durch die Decke, wie bei der Bob-Bahn bei den Winterspielen in Mailand/Cortina. Die hätte man nicht gebraucht, um die Spiele umzusetzen. Wir brauchen nur das temporäre Leichtathletikstadion und das Olympische Dorf. Dadurch wären die Investitionskosten bei uns sehr überschaubar.

Im Deutschen Sport- und Olympia-Museum wurden Fragen von Leserinnen und Lesern, genauso wie die des Publikums diskutiert.

Im Deutschen Sport- und Olympia-Museum wurden Fragen von Leserinnen und Lesern, genauso wie die des Publikums diskutiert.

Warum braucht es Olympia für einen Schub beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur rund um den geplanten neuen Stadtteil Kreuzfeld – und könnten sich Projekte durch Olympia nicht sogar verzögern?

Burmester: Wir haben Kreuzfeld 30 Jahre lang nicht angepackt. Wir haben es nicht geschafft, die Verkehrsinfrastruktur zu regeln. Bund und Land müssen das Projekt priorisieren: Wir brauchen den Anschluss zur A57 und wir müssen die S-Bahn mit der Deutschen Bahn ausbauen. Mit Olympischen und Paralympischen Spielen schaffen wir diese Anbindung, wir schaffen es schneller, solche Projekte zu entwickeln. Deswegen müssen wir den Katalysator nutzen. Wenn wir es nicht schaffen, den Realismus habe ich auch, dass wir in einem Wettbewerb sind, müssen wir Kreuzfeld trotzdem entwickeln. 

Heidemann: Wie lange wird hier in Köln jetzt an der Oper gebaut, Torsten? Neulich habe ich auch mal wieder auf der Brücke nach Leverkusen festgehangen. Wenn Investitionsprojekte, die sowieso in naher Zukunft geplant sind, durch Olympische Spiele einen festen Endpunkt erhalten, dann ist das ein Fakt. Das sehe ich positiv. 

Wer trägt das finanzielle Risiko?

Burmester: Diese Bewerbung ist eine Gemeinschaftsbewerbung des Bundes, des Landes und der Kommunen. Der Bund hat sich schon in einer ganz frühen Phase zu den finanziellen Pflichten bekannt. Deshalb ist das Risiko für die Stadt kalkulierbar. Natürlich werden wir Eigenbeiträge leisten müssen, die halten sich aber aufgrund der Zuschüsse von Land und Bund in Grenzen.

Heidemann: „Wir brauchen wieder mehr Bumms Richtung Sport“

Welchen Wert schaffen die Olympischen Spiele unabhängig von den Kosten?

Heidemann: Ich glaube ganz fest daran, dass wir in Deutschland wieder einen positiven Boost benötigen. Wir sind negativ, depressiv, auch was die Wirtschaft angeht. Man kann Sport nicht mehr in seiner Leichtigkeit erleben. Ich glaube, Olympische Spiele tun uns gut. ‚Uns‘ heißt: Unseren Jugendlichen, unseren Kindern, die es verdient haben, dass sie mit Begeisterung und Emotionen nach vorn blicken können. Ob wir die Olympischen Spiele kriegen oder nicht – allein das, was wir bis jetzt geschafft haben, löst so viel in Deutschland aus. Die Politik wirft endlich einen Blick auf den Sport, auch auf den Sportunterricht. Wir brauchen wieder mehr Bumms in Richtung Sport. Sport ist auch unsere größte Integrationskraft – das funktioniert einfach.

Der DOSB könnte sich für eine andere deutsche Stadt entscheiden, trotzdem ist schon Geld geflossen, zum Beispiel für den Bürgerentscheid. Waren die Ausgaben dann nicht umsonst?

Burmester: Aber nicht vergeblich. Wir haben offensiv kommuniziert, wie hoch die Bewerbungskosten sind. Für die demokratische Befragung von 800.000 Kölnerinnen und Kölnern setzen wir 275.000 Euro aus dem Kölner Haushalt ein, beschlossen vom Rat. 85 Prozent davon trägt das Land, 15 Prozent tragen wir. Für die gesamte Bewerbungsphase bis zum 26. September haben wir 300.000 Euro eingesetzt. Das ist zugegebenermaßen viel Geld. Aber ich finde, das ist es wert bei einem Haushaltsvolumen von 6,89 Milliarden Euro. Unser Haushalt ist so groß wie der des Saarlandes. Ich fühle mich manchmal auch wie ein Ministerpräsident. Viele hatten Zweifel und haben mir dazu geraten: Fang doch gar nicht erst an mit dem Projekt Olympia, das schaffen wir eh nicht. Mit dieser Einstellung können wir Köln in zehn Jahren abschließen. 

Noch kein fertiges Verkehrskonzept

Ein Alleinstellungsmerkmal wäre doch gut. Wie wäre es, Olympische Spiele und Paralympics zusammenzulegen? 

Burmester: Das ist vertraglich geregelt zwischen IOC und IPC. Viele Parasportlerinnen und -sportler wünschen sich eine engere Verzahnung. Bei einer gemeinsamen Ausrichtung würden wir allerdings an unsere logistischen Grenzen kommen, allein was das Olympische Dorf angeht. Ich weiß, der inklusive Gedanke ist eigentlich ein anderer. Uns stünde es aber gut zu Gesicht, die Paralympics zeitlich nach vorne zu schieben. 

Gibt es ein Verkehrskonzept? Wie steht es um die Auslastung von Flughäfen, Bahnhöfen und Straßen?

Börger: Wir sind vom DOSB aufgefordert, bis Anfang Juni eine konkrete Idee zu präsentieren. Da können wir natürlich kein fertiges Verkehrskonzept einreichen, wir arbeiten derzeit mit Experten an einem Rohentwurf, auch in Absprache mit dem Verkehrsministerium. Es geht um die Verbindung mit den Flughäfen, die Verbindung aus dem Olympischen Dorf hinaus, Fahrtzeiten. Natürlich wollen wir so viel es geht mit dem ÖPNV regeln und nicht mit einer Olympic Lane, auf der jeder mit dem eigenen Auto fährt. Wir wollen nachhaltig sein. Das ist die DNA dieses Konzepts. Der Verkehr ist aber auch die Achillesferse des Projekts, das ist uns bewusst. 

Gerald Selch (Mitte), Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Austausch mit Museumsdirektor Andreas Höfer (rechts) und Rainer Virnich, Vorstand der Sparkasse Köln-Bonn.

Gerald Selch (Mitte), Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Austausch mit Museumsdirektor Andreas Höfer (rechts) und Rainer Virnich, Vorstand der Sparkasse Köln-Bonn.

Heidemann: Wir müssen aber auch die Kirche im Dorf lassen. Die Kritik am Transport ist berechtigt. Aber im Welt- und auch im Deutschlandvergleich gibt es kaum andere Regionen, die so gut vernetzt sind wie das Rheinland. Da müssen wir uns nicht verstecken.

Es stehen in Köln noch Brückensanierungen sowie der Ausbau der Ost-West-Achse an. Wie passt das mit Olympischen Spielen zusammen?

Burmester: Neben der Mülheimer Brücke sind seit Jahren keine nennenswerten Sanierungen an den Kölner Brücken durchgeführt worden. Ich werde in den kommenden Wochen eine Gesamtschau der Brücken vorstellen und darüber informieren, welche in den nächsten Jahren saniert werden müssen. Es ist kein Geheimnis, dass wir gerade an der Mülheimer Brücke bauen, die voraussichtlich in zwei Jahren fertig ist. Danach werden wir die Severinsbrücke angehen, dann kommt die Deutzer Brücke – derzeit für 3,5-Tonner gesperrt – und dann steht die Zoobrücke an: das wirtschaftliche Herz der Stadt. Wir erschließen damit unter anderem die Messe. Wenn wir es nicht schaffen, die zentrale Verkehrsader in Köln aufrechtzuerhalten, dann sieht es für die Kölner Wirtschaft schlecht aus. Daher haben die Brücken Vorrang in der Planung.

Könnten die Mieten durch die Ausrichtung Olympischer Spiele noch teurer werden?

Burmester: Das ist ein Problem, das nicht durch Olympische Spiele verursacht wird. Wir haben seit Jahren zu wenig gebaut in Köln, vor allem zu wenig öffentlich geförderten Wohnraum. Den Mietmarkt versuchen wir im Moment zum Beispiel über eine Mietpreisbremse zu regeln. Aber wir müssen bauen. Mit Kreuzfeld und Olympischen Spielen hätten wir den Effekt, ein Viertel für 10.000 Menschen auf einmal zu schaffen. 

Sanierung von Sportstätten kostet Milliarden

Es ist immer die Rede davon, dass der Breitensport durch die Ausrichtung Olympischer Spiele gestärkt wird. Inwiefern?

Burmester: Frankreich hat im Rahmen der Olympia-Bewerbung 275 neue Schwimmbäder gebaut, 27.000 Kinder haben kostenlosen Schwimmunterricht bekommen. Die haben in der Grundschule eine tägliche Sportstunde – 30 Minuten – eingeführt. In Köln sind 80 Prozent der Sportstätten sanierungsbedürftig. Der DOSB hat die Kosten für ganz Deutschland vor zehn Jahren auf 31,5 Milliarden geschätzt. Mit einer Milliarde vom Land und einer Milliarde vom Bund machen wir uns jetzt auf den Weg. Denn wir benötigen natürlich auch Trainingsstätten für die Athletinnen und Athleten. 

Die Abstimmung und das Konzept werden kaum beworben. Warum wird bei dem Aufwand ein so hohes Risiko eingegangen, dass die Menschen mit „Nein“ stimmen? 

Börger: Wir geben viel Geld dafür aus, müssen das aber eben auch mit Augenmaß tun. Es ist vollkommen richtig, man könnte viel mehr informieren. 

Burmester: Ich muss auch aus politischen Gründen einen Mittelweg finden. 275.000 Euro – das ist zugegebenermaßen für eine Kampagne sehr wenig. Aber ich muss eben auch rechtfertigen, warum ich diese Mittel aus dem Haushalt nehme. Wir wollen wahrgenommen werden, aber die Kosten müssen vertretbar sein.