Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB fällt die Entscheidung für die bayerische Landeshauptstadt.
Enttäuschung in KölnDOSB wählt München zum deutschen Olympiabewerber

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte ) mit Sportlern und DOSB-Präsident Thomas Weikert (Mitte hinten) am Rande des Olympia-Entscheids in Baden-Baden.
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Deutscher Kandidat für die Austragung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 und 2044 ist München. Die bayrische Landeshauptstadt setzte sich beim nationalen Entscheid gegen den Kontrahenten Köln/Rhein-Ruhr durch. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), verkündeten bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB am frühen Samstagnachmittag, 26. September, im Kurhaus in Baden-Baden das Ergebnis. Die Entscheidung war zu einem Duell geworden, da mit Hamburg und Berlin die beiden weiteren Interessenten im Bewerbungsprozess vorzeitig ausgestiegen waren.
Vor der Ergebnisverkündung hatte Steinmeier gesagt: „Nutzen wir den Schwung der Bewerbung und bringen wir unser Land nach vorn. Zeigen wir, dass wir ein Land der Möglichkeiten sind.“ Beide der verbliebenen Kandidaten hätten es seiner Ansicht nach verdient, zum deutschen Bewerber gekürt zu werden. Aber jetzt gelte es: „Machen wir die Bewerbung zu unserer gemeinsamen Sache. Ich bin überzeugt: Wenn wir als Team Deutschland an den Start gehen, haben wir beste Chancen, Gastgeber der Olympischen und Paralympischen Spiele zu werden.“
Eindringlicher Appell von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Steinmeier sagte außerdem: „Nutzen wir den Schwung der Bewerbung aber auch, um zu bekräftigen, wer wir sind und bleiben wollen: ein weltoffenes, liberales und demokratisches Land. Freundlich, zuversichtlich und zupackend. Ein Land, das die Erinnerung wachhält und sich der Verantwortung bewusst ist, die aus seiner Geschichte erwächst.“
Die achte deutsche Olympiabewerbung nach sieben Niederlagen sei bisher „ein langer, sicher nicht immer einfacher Weg“ gewesen, hatte DOSB-Präsident Weikert in seiner Rede zur Eröffnung der Versammlung gesagt. Ziel sei gewesen, „die Bewerbungswunden der Vergangenheit“ zu schließen und einen international konkurrenzfähigen Kandidaten zu küren. Gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hat man Interesse an mehreren Ausgaben bekundet, um auf jeden Fall bereit zu sein, wenn Europa als Ausrichter infrage kommt. Ob das 2036, 2040 oder 2044 sein wird, steht bislang nicht fest. Im kommenden Jahr will das IOC seine Gespräche mit Ausrichter-Interessenten intensivieren. Eine Entscheidung über mindestens den Bewerber 2036 soll nach heutigem Stand sieben Jahre vorher, also 2029 fallen.

Olympiasieger im Tennis-Doppel und im Schwimmen: Boris Becker (r.) und Michael Groß zu Gast beim Olympia-Entscheid in Baden-Baden.
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Vor der Abstimmung kam in Baden-Baden auch Boris Becker zu Wort und unterhielt mit einer Geschichte von seinem Olympiasieg 1992 im Tennis-Doppel zusammen mit seinem damaligen Erz-Rivalen Michael Stich: „Wir haben bis zum Halbfinale nicht miteinander geredet.“ Danach wurde gesprochen und zusammen gewonnen – aber nicht gemeinsam gefeiert. Vor dem von ihm organisierten Abendessen sei Stich bereits abgereist, sagte Becker. In diesem Jahr, fast 35 Jahre später, hätten sie das gemeinsame Essen aber nachgeholt. Über den Sieg von damals sagte Becker: „Im Alter bedeutet die olympische Goldmedaille mehr als die Wimbledonsiege.“ Das deutsche Vorhaben, Ausrichter Olympischer und Paralympischer Spiele zu werden, unterstütze er, sagte Becker: „Sport ist grenzenlos, Sport hat keine Religion, Sport bringt Menschen zusammen.“ Und das könne das Land aktuell gut gebrauchen.
Emotionale Worte fand zu Beginn der Versammlung Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe, der in seinem noch neuen Amt als Staatsminister für Sport und Ehrenamt als Vertreter der Bundesregierung vor Ort war. „Bevor Olympia für mich ein Erfolg war, war es eine Inspiration“, sagte der 44-Jährige: „Und das kann es für Kinder und Jugendliche in Deutschland wieder werden. Olympische und Paralympische Spiele können ein ganzes Land in Bewegung bringen, Menschen verbinden und Mut machen.“

Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe, inzwischen Staatsminister für Sport und Ehrenamt, unterhält sich in Baden-Baden mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).
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Bevor er sein Bundesamt übernahm, unterstützte Rauhe die inzwischen zurückgezogene Berliner Bewerbung. Am Samstag appellierte er an die stimmberechtigten DOSB-Mitglieder: „Richten sie ihren Blick nach vorn. Welche Geschichte wollen wir der Welt erzählen? Welches Konzept kann international überzeugen?“ Am Ende gehe es nicht darum, nur eine gute internationale Bewerbung zu schreiben. „Wir wollen Menschen begeistern, wir wollen die Spiele nach Deutschland holen.“

Kölns OB Torsten Burmester (SPD) in Baden-Baden zusammen mit Darja Varfolomeev, Olympiasiegerin der rhythmischen Sportgymnastik.
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Der DOSB hatte die Konzepte aus Köln und München in einer internen Evaluierung beide als „sehr gut“ bewertet. Köln-Rhein Ruhr bekam 85 Punkte, München 87. Die bayrische Metropole, Ausrichter der Sommerspiele 1972, punktete vor allem mit kurzen Wegen und internationaler Strahlkraft. Köln hatte die Nase vorn bei möglichen Ticketzahlen und Tageszuschauern. Außerdem bewertete der DOSB die vielen in den letzten 20 Jahren in der Region ausgetragenen Sport-Großereignisse positiv.
Baden-Baden hat eine olympische Vergangenheit
In Baden-Baden wurden nicht zum ersten Mal olympische Weichen gestellt. Hier fand vom 23. bis 28. September 1981 der 11. Olympische Kongress statt, bei dem unter dem damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch unter anderem die Voraussetzungen für eine zunehmende Kommerzialisierung der Spiele und die Teilnahme von Profisportlern geschaffen wurden. Das IOC hat über jenen Kongress festgehalten, dass Athleten zum ersten Mal eine führende Rolle gespielt hätten.
Auch eine Kölnerin hat sehr gute Erinnerungen an Baden-Baden: Hockeyolympiasiegerin Marion Rodewald wurde hier mit den deutschen Hockey-Frauen 2004 zur Mannschaft des Jahres gekürt. Die langjährige Kapitänin der Hockey-Nationalmannschaft ist heute Vizepräsidentin Leistungssport im Landessportbund NRW und war in dieser Funktion bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden dabei. Abstimmen durfte sie nicht, aber Daumendrücken für NRW schon. Sie war überzeugt: „Köln-Rhein-Ruhr hat einfach das spannendere Konzept.“
Eine andere Kölnerin durfte am Samstag zusammen mit Boris Becker auf der Bühne für die Spiele und den Sport insgesamt werben. Kathrin Marchand war zweimal als Ruderin bei Olympia und nach einem Schlaganfall als Pararuderin und Paralangläuferin einmal bei Sommer- und einmal bei Winter-Paralympics. „Ich bekomme selbst Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, was man mit Sport alles erreichen kann“, sagte die 35 Jahre alte Ärztin. Sie hatte ihre sportliche Karriere beendet, als sie den Schlaganfall erlitt. Seither lebt sie mit Einschränkungen in der Funktionalität ihrer linken Körperseite. Sie kehrte als Paraathletin zurück in den Sport und sagt: „Sport zu machen, hat mir so viel Kraft und Selbstvertrauen gegeben.“
Dressurreiterin Isabell Werth, die bereits acht Olympiasiege feiern konnte, stand in der bisherigen Bewerbungsphase fest an der Seite der NRW-Bewerbung. In Baden-Baden sagte sie, Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland würden „unglaublich viele Menschen inspirieren und motivieren“. Sie erklärte: „Wir haben es gerade sehr nötig, ein gemeinsames Ziel vor Augen geführt zu bekommen.“

