Nach einem eskalierten Polizeieinsatz ist Corona schwerstbehindert. Zunächst sah die Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte für ein polizeiliches Fehlverhalten. Ein Video hat das nun geändert.
Verdacht der Körperverletzung im AmtKölner Staatsanwaltschaft ermittelt nun doch im Fall Pedro Corona

Pedro Corona trug nach einem Polizeieinsatz irreparable Hirnschäden davon. (Archivbild)
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Die Staatsanwaltschaft Köln hat nun doch Ermittlungen im Fall Pedro Corona eingeleitet. Wie ein Sprecher der Behörde mitteilte, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine Polizistin und einen Polizisten sowie eine Notärztin wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung im Amt.
Auslöser für die Kehrtwende ist eine „erneute, detaillierte und umfassende Prüfung“ des Falls, nachdem Coronas Anwalt Simon Barrera Gonzalez vor rund zwei Wochen ein Video des Einsatzes veröffentlicht hatte. Die Aufnahme zeigt den Anfang des Polizeieinsatzes vom 8. April, aufgenommen von Corona selbst. Angehörige hatten es auf dem Handy von Corona entdeckt.
Einsatz in Köln: Eskalation mit schwerwiegenden Folgen
Zu dem Einsatz gerufen wurde die Polizei ursprünglich, weil sich Corona in einer psychischen Notsituation befand und in eine Klinik eingewiesen werden sollte. In dem Video ist zu sehen, wie Corona mit Polizisten und einer Sanitäterin spricht, die vor seiner Wohnungstür stehen und Eintritt verlangen. In nervösem, aber ruhigem Ton fragt er: „Warum soll ich rauskommen? Warum muss ich aufmachen? Können Sie mir bitte antworten, bevor Sie Gewalt anwenden?“ Ein Polizist klebt den Türspion zu. Corona öffnet darauf selbst die Tür.
Ein Polizist betritt die Wohnung und geht unmittelbar auf Corona zu. Er fordert ihn auf, mitzukommen, und greift nach seinem Arm. Corona weicht zurück, ruft „Hilfe! Gewalt!“ – dann endet die Aufnahme.
Nach Teilen der Vernehmungsprotokolle, die dieser Redaktion vorliegen, gaben die eingesetzten Polizisten an, sie hätten Corona bereits beim Öffnen der Tür den Grund ihres Erscheinens erläutert. Im Video ist ein solcher Austausch nicht zu erkennen.

Das Foto zeigt Pedro Corona Monate nach dem Polizeieinsatz gemeinsam mit seinem Freund.
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Der Einsatz eskalierte kurz danach. Laut Staatsanwaltschaft soll sich Corona „mit Händen und Füßen“ gegen die Aufnahme gewehrt, die Beamten geschlagen, getreten und bespuckt sowie eine Beamtin gebissen haben. Sechs weitere Beamte kamen hinzu. Corona wurde in Bauchlage fixiert, zwei Spuckhauben angelegt. Die Notärztin verabreichte offenbar das Beruhigungsmittel Midazolam über die Nase.
Kölner erlitt bei Polizeieinsatz irreparable Hirnschäden
Corona erlitt einen 23 Minuten andauernden Herzstillstand. Nach ärztlicher Einschätzung wurde dieser durch Sauerstoffmangel während der Fixierung verursacht und führte zu schweren, irreparablen Hirnschäden.
„Nach Durchführung dieser Prüfung besteht im Hinblick auf einen Polizeibeamten sowie eine Polizeibeamtin der Anfangsverdacht der Körperverletzung im Amt, da das auf dem Video nachvollziehbare Geschehen Anlass zur Überprüfung der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme gibt“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der Polizeieinsatz in Deutz eskalierte dramatisch – und hat nun auch juristische Folgen.
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Zur Polizei heißt es, dass „insbesondere die Umstände und Einzelheiten zum Geschehen zu Beginn und unmittelbar vor dem Polizeieinsatz“ geklärt werden sollen. Die Behörde wird Zeugen vernehmen – Freunde und Bekannte Coronas sowie vor Ort anwesende Rettungskräfte. Ergänzende medizinische Gutachten werden eingezogen.
Bei der Notärztin richtet sich der Fokus auf „die Anordnung von konkreten ärztlichen Maßnahmen sowie eine mutmaßlich erfolgte Medikamentenverabreichung“.
Anwalt beklagt den langen Weg bis zur Ermittlung
Coronas Anwalt hatte die Kombination aus Fixierung, Sedierung und Spuckhauben als „höchst fahrlässig“ kritisiert. Nach Einsicht in die Bodycam-Aufnahmen wirft er der Polizei zudem vor, sich über Corona lustig gemacht und ihn beleidigt zu haben.
Gonzalez und die gegründete Initiative „Justice for Pedro“ wiesen wiederholt auf den Fall hin und forderten Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft lehnte dies zunächst ab. Nach Anhörungen und Bodycam-Analyse sah sie keine Anhaltspunkte für rechtswidrige Polizeigewalt. Seit Ende Juni wurde der Fall neu geprüft – und führte zur Kehrtwende.
Ungeklärt ist derzeit die Rechtmäßigkeit weiterer polizeilicher Maßnahmen: das Anbringen der Spuckhauben, die Art der Fixierung sowie damit verbundene Handlungen werden „gesondert in den Blick genommen“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Die Staatsanwaltschaft betonte die Unschuldsvermutung für die beschuldigten Personen und kündigte an, weitere Ermittlungsdetails zum Schutz der Verfahren nicht öffentlich zu machen.
