Abo

Peter Brings„Intimitäten will ich nicht wissen“

5 min

Peter Brings mag den direkten und oft auch hautnahen Kontakt zu seinen Fans.

KölnHerr Brings, auf der Facebook-Seite Ihrer Band haben sich derzeit mehr als 30 000 Fans als Freunde registriert. Wie viele kennen Sie davon persönlich?

Peter Brings: Oh, das können mehr als 100 sein, vielleicht aber auch gar keiner. Ich weiß das wirklich nicht. Allerdings ist dieses Medium, das hauptsächlich von unserem Büro und meinem Bruder Stephan und Schlagzeuger Christian gepflegt wird, für die Band eine gute Plattform, die Fangemeinde zu informieren, wenn ein Konzert zum Plan hinzugekommen ist oder mal eins ausfällt. Dazu haben wir ja auch noch unsere eigenen Seiten. Bei mir stehen derzeit mehr als 1500 Leute auf der Warteliste, die sich mit mir befreunden wollen. Dem kann ich doch gar nicht gerecht werden.

Wie sind denn Ihr Kontakt und Ihr Umgang mit den Fans?

Brings: Ich bin freundlich, aber auch ein Stück distanziert. Ich hab’ die Erfahrung gemacht, dass manche Leute mit uns nicht normal umgehen können. Reicht man den kleinen Finger, greifen die gleich nach der ganzen Hand. Das geht dann regelmäßig zu sehr ins Private. Und das wollen wir nicht. Ich hatte jetzt wieder eine Anfrage von einer Frau, die meinte, dass sie mich toll findet und dass sie schwanger sei und ich der Patenonkel von ihrem Kind werden solle. Das geht natürlich nicht. So etwas muss doch in der Familie bleiben. Aber manche denken halt, sie kennen mich und dann müsste ich sie auch kennen. Mit der Zeit hab ich aber so ein Fingerspitzengefühl entwickelt, wo mehr eingefordert wird als Fan-Liebe und kann damit umgehen.

Sie haben doch auch die negativen Seiten solcher Fan-Liebe kennengelernt.

Brings: Ich hatte zweimal ein richtiges Stalker-Problem. Das endete beide Male mit einer Einlieferung der betreffenden Person in die Landesklinik. Ein Fall war sogar richtig heftig. Das ging über sieben Jahre. Ich habe mich mit einem Rechtsanwalt und einstweiligen Verfügungen gewehrt. Die Frau hat sich bei Konzerten mit den Sicherheitskräften geschlagen, ständig vor den Hallen gesessen und versucht, in den Backstagebereich zu kommen. Das volle Programm. Die hat sogar einige Male bei mir vor der Haustür gesessen. So etwas hat dann Auswirkungen auf Familie und Privatleben. Aber das ist auch Berufsrisiko. Da musst du durch. Selbst wenn das unangenehme Geschichten waren. So viel Platz haben die in meinem Leben nicht eingenommen.

Wie weit geht denn dieses Berufsrisiko in den Karnevalssälen?

Brings: Im Karneval ist das noch mal eine ganz andere Abteilung. Für die Fans ist man dabei bis auf die Rückzugsmöglichkeit in den Bandbus fast ständig griffbereit und ansprechbar. Da wird man nicht nur angehimmelt, sondern da wird man angefasst. Gut, ich bin Rheinländer. Ich hab nichts gegen ein Bützchen und nehme auch gerne mal einen in den Arm. Aber wenn sichtlich betrunkene Fans mir an den Hintern grapschen oder mir in den Schritt greifen, kann ich schon mal was böse werden. Dann heißt es gleich, ich sei arrogant. Oder es umarmen mich Männer und flüstern mir ins Ohr, dass ihre Frauen ein Bild von mir überm Bett hängen haben. Das ist doch peinlich. So etwas Intimes will ich gar nicht wissen. Oder Frauen kommen an, ziehen ihre T-Shirts hoch und zeigen die Brüste: „Hey Pitter, luur ens.“ Ich sag dann meist „schön“. Aber was soll man da auch sonst sagen? Der Karneval ist halt eine Welt für sich mit ganz eigenen Gesetzen.

Ist der Kontakt zu den Fans außerhalb der Session anders?

Brings: Auf jeden Fall. Einige Fans fahren schon seit Jahrzehnten hinter uns her. Für die sind wir ein Stück ihres Lebens. Die kennen wir alle mit der Zeit. Dafür haben wir ein Stück Verantwortung. Diese Edelfans setzen wir manchmal auf die Gästelisten, damit sie zur Anreise nicht noch den Eintritt bezahlen müssen. Schließlich sind das die Leute, die uns dahin gebracht haben, wo wir heute sind. Sie sind irgendwie auch unsere Kunden und wir sind eine Art Bäcker. Man muss die besten Brötchen und den freundlichsten Verkauf haben, damit die Leute immer und immer wiederkommen.

Eine ständige Herausforderung.

Brings: Ja. Es muss alles stimmig sein. Ist es das nicht, merken die Fans das sofort. Man kann den Leuten nicht zwei Jahrzehnte etwas vormachen. Durch den Erfolg im Karneval haben wir nochmals einen richtigen Schub gekriegt. Wir sind nicht mehr die kleine Rockband von einst, auch wenn manche das gerne noch so sehen wollen. Brings ist inzwischen eine kölsche Allzweckwaffe. Natürlich gibt es Fans, die auf unser Programm Einfluss nehmen wollen und regelmäßig schreiben: Spielt noch mal das und das von früher. Aber das ist eine Handvoll. Das ist nicht der Querschnitt.

Wie hat sich Ihre Fangemeinde mit der Zeit verändert?

Brings: Sie ist nicht mehr so übersichtlich. Als wir anfingen, hatten wir bei unseren Konzerten fast ausschließlich ein Publikum in unserem Alter. Mehr als 20 Jahre später sind viele davon immer noch da. Die sind mit uns groß geworden. Einige haben uns auch verlassen. Aber viele sind dazugekommen. Und zwar – das liegt aber bestimmt an unseren Auftritten im Karneval – mittlerweile aus allen Altersschichten. Die Spanne reicht heute von Kindergarten bis Altenheim. Das kannte ich vorher eigentlich nur von den Bläck Fööss.