Beim Start in die ArbeitsweltTiere helfen Menschen mit Behinderung

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Steichelzoo Projekt

Menschen und Tiere des Projekts „Aktiv im Streichelzoo“ auf dem Gelände von Rolf Effenbergers Tierpark

Köln-Zündorf – Die Kängurus in Rolf's Streichelzoo haben sich in den Schatten gelegt. Während die Tiere eine kleine Pause einlegen, ist Martin Becker hingegen fleißig. Einen Teller mit frischem Grünzeug hat er für die Kängurus vorbereitet. Darunter auch ein paar Möhrchen. Die hat Martin Becker etwas kleiner geschnitten als beim letzten Mal. Dicker mögen sie es anscheinend nicht so sehr, sagt er. An einer anderen Stelle im Streichelzoo ist auch Fütterungszeit angesagt. Hylia Öztürk versorgt die Meerschweinchen. Hilfe bekommt sie von Bernhard Rathemann, der mit einer Gießkanne, die Trinkschalen der Tiere mit Wasser wieder auffüllt.

Martin Becker, Hylia Öztürk und Bernhard Rathemann sind alle Teilnehmer eines Projektes, das Anfang Januar begonnen hat. „Aktiv im Streichelzoo“ heißt es und ist eine Kooperation der Zündorfer Institution und dem Alexianer Krankenhaus.

„Projekt ist eingeschlagen wie eine Bombe“

Sieben Menschen mit psychischer Beeinträchtigung oder auch einer Suchtkrankheit werden durch das Projekt an eine regelmäßige Arbeit herangeführt. An zwei Tagen die Woche lernen sie gemeinsam mit einer pädagogischen Fachkraft und einem Tierpfleger die aktive Arbeit im Streichelzoo kennen. Ziel ist es, ihnen zu helfen, in die Rolle eines Arbeitnehmers hineinzuwachsen. „Das Projekt ist eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Astrid Hagedorn von den Alexianern. Vor allem, weil es der Wunsch der Menschen ist, die im Bereich mit dem sperrigen Namen „Externe Tagesstruktur“ Arbeits- und Beschäftigungsangeboten nachgehen, im Freien und vor allem mit Tieren arbeiten zu wollen, so Projektleiterin Beata Weber.

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Streichelzoo Projekt 2

Martin Becker füttert die Tiere gerne.

Auf die Alexianer zugekommen ist aber Rolf Effenberger. „Wir arbeiten mit Schulklassen und mit Altenheimen zusammen, auch mit der Diakonie Michaelshoven. Warum nicht auch mit den Alexianern, was ja auch durch die Entfernung naheliegend ist.“ Es gab immer mal Anfragen seitens der Alexianer, mit Gruppen den Streichelzoo zu besuchen. Da habe er die Idee einfach weiterentwickelt.

Streicheleinheit dürfen nicht fehlen

Sehr zur Freude von Dannika Ernst. Die 32-Jährige ist von Anfang an dabei und kommt gerne in den Streichelzoo, um zu arbeiten. Dabei genießt sie die Zeit mit den Tieren. Zwischendurch darf bei all der Arbeit eine kleine Streicheleinheit nicht fehlen. Die tut beiden gut – Mensch und Tier. Das merkt man, findet Rolf Effenberger. So seien ein paar der Projektteilnehmer anfangs sehr still gewesen, hätten kaum oder gar nicht gesprochen. „Das hat sich geändert.“ Auch, dass die Teilnehmer nun selbstständig arbeiten können. „Jeder weiß, was zu tun ist, welches Futter welches Tier bekommt.“ Die Menschen seien einfach offener geworden.

Tiere verurteilen nicht

Dabei hilft, dass die Tiere, die Menschen einfach so annehmen, wie sie sind. Krankheit oder Behinderung – das interessiert Ziege, Esel, Lama, Känguru und Co. nicht. Und weil sie so eingebunden sind in die Tätigkeit wie jeder andere Mitarbeiter auch, „können die Teilnehmer daran wachsen“, sagt Beata Weber. Das schenkt nicht nur Glückserlebnisse, sondern eröffnet auch neue berufliche Perspektiven. Einziger Haken: Das Projekt ist außerhalb der sogenannten Regelförderung. Das heißt, es braucht finanzielle Unterstützung von außen. Förderer haben die Alexianer jedoch in der Caritas-Stiftung, der Porzer Bürgerstiftung und dem Verein Porzer Bürger für psychisch Kranke gefunden.

Projekt könnte auf lange Sicht bestehen bleiben

Wenn es nach Rolf Effenberger geht, könne man das Projekt langfristig ausdehnen. Er geht sogar so weit, einen Blick auf die nächsten zehn Jahre zu werfen. Dann, so sagt der 58-Jährige, wisse er nicht, was mit dem Gartencenter sein werde, an den der Streichelzoo grenzt, aber zu dem er nicht gehört.

Rolf Effenberger

Rolf Effenberger

„Ich sehe hier so viel Potenzial, das weiterzuentwickeln“, sagt Effenberger. So könnten ein Restaurant oder Café entstehen, aber auch Schulungsräume. Eine Idee, die Astrid Hagedorn gerne mitnimmt und der Geschäftsleitung der Alexianer vortragen will.

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Was in zehn Jahren ist, darüber macht sich Martin Becker vorerst keine Gedanken. Er ist froh, dass er zwei Mal die Woche hier sein darf und sich körperlich auspowern kann, wie er selbst sagt. „Das ist meine Motivation hierhin zukommen.“ Die Arbeit mit den Tieren mache einfach Spaß. Und er freue sich auch schon, wenn die drei Eier bei den Nandus bald schlüpfen werden. Aber zunächst müssen noch die Ziegen gefüttert werden.

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