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Formaldehyd, Wasserschäden, Löcher„Leben auf der Baustelle“ – Schulleiterin beklagt Zustände an Kölner Gymnasium

Lesezeit 4 Minuten
Ein Eimer steht in einer leeren Klasse, davor eine Pfütze.

Durch die Decke tropft das Wasser: Wegen eines Wasserschadens sind vier Klassen nicht nutzbar. Weitere vier sind wegen Formaldehyd nicht nutzbar.

Schule und Elternschaft wollen die Zustände am Maximilian-Kolbe-Gymnasium nicht mehr hinnehmen. Sie gehen in den Bildungsprotest.

Manchmal läuft das Fass über. Am Maximilian-Kolbe-Gymnasium in Porz haben sie immer engagiert ihre Arbeit gemacht und darum kein Aufheben gemacht. Sie habe ein hoch motiviertes, engagiertes Kollegium, schwärmt Schulleiterin Claudia Roche. Aber „das Leben auf der Baustelle“, wie sie den Schulalltag bezeichnet, und das Improvisieren wegen der Raumknappheit sorgt inzwischen für so viel Frust und Arbeitsunzufriedenheit, dass die Schulgemeinschaft nicht mehr schweigen möchte.

Den Tag des Bildungsprotests, der erstmals am 23. September bundesweit stattfindet, will die Schule getragen von der Elternschaft zum Anlass nehmen, den Finger in die Wunde zu legen und an ihrem Beispiel zeigen, wie mangelhafte äußere Bedingungen in Köln Bildung verhindern. Seit elf Jahren wartet die Schule auf die Fertigstellung des Erweiterungsbaus und wird immer weiter vertröstet. Eigentlich sollte 2020 alles fertig sein. Nach Angaben der Stadt ist die Inbetriebnahme jetzt für das letzte Quartal dieses Jahres geplant.

Da Gymnasialplätze in Köln Mangelware sind, wurde die Schule in diesem Jahr trotz des noch fehlenden Anbaus gegen ihr eigenes Votum um einen Zug auf vier Züge erweitert. Die Bedingung von Seiten der Bezirksregierung für die Genehmigung dieser Zügigkeitserweiterung waren zusätzliche Räume: Die wurden auch in Form von Containern für vier Klassenräume bereits im Mai geliefert. Nur: nutzen kann sie die Schule bis heute nicht, da sie wegen zu hoher Formaldehyd-Belastung immer noch gesperrt sind. Ganz davon abgesehen, dass es noch keine Stühle und Tische für diese vier Räume gibt.

Hinzu kommt, dass derzeit wegen eines massiven Wasserschadens vier weitere Räume nicht nutzbar sind. Bei acht fehlenden Klassenräumen sei die ständige Improvisation für alle – Kinder wie Lehrkräfte – eine Zumutung, betont die Elternpflegschaftsvorsitzende Susanne Chevalier. „Die Lehrerinnen und Lehrer geben wirklich alle ihr Bestes. Aber die Bedingungen sind so nicht haltbar und es ist echt zum Verzweifeln, weil die Kinder so nicht adäquat beschult werden können.“

Gymnasium in Köln: Loch in der Decke des Computerraums

Ganz zu schweigen davon, dass im Computerraum ein Loch in der Decke klafft und dadurch nur ein Teil nutzbar ist, der Kunstraum ein geflicktes Loch im Boden hat und die Zehntklässler im Oberstufenraum beschult werden müssen. An Räume für Differenzierung ist gar nicht zu denken.

Die Stadt erklärte auf Anfrage, dass der Auftrag gewesen sei, die vier Schulcontainer erst zum nächsten Schuljahresbeginn 2024/25 zur Nutzung bereitzustellen. Da sie früher verfügbar waren, seien sie früher aufgestellt worden. Dann seien die erhöhten Formaldehyd-Werte dazwischengekommen . Vor einer Inbetriebnahme müssten zudem noch baurechtlich geforderte Umbauten in den Containerklassen erfolgen. Trotzdem werde angestrebt, die Container vor dem nächsten Schuljahr in Betrieb zu nehmen.

Wann, darüber könne jetzt keine Aussage getroffen werden. Bezüglich des Wasserschadens seien schon Fachfirmen vor Ort gewesen. Aber eine Kamerauntersuchung der Rohre habe die Ursache nicht gefunden. Die Suche gehe weiter und auch die Trocknungsarbeiten seien inzwischen beauftragt.  

Mensa mit acht Jahren Verspätung in Betrieb genommen

Seit 2008 arbeitet die Schule im gebundenen Ganztag. Die Mensa, die zwingend zu dem Konzept dazu gehören sollte, sollte spätestens 2015 fertig werden wie damals versprochen wurde. Mit acht Jahren Verspätung konnte jetzt zu Schuljahresbeginn endlich in Betrieb genommen werden. „Dass jetzt aber zu wenig Teller und Besteck da sind und die auch vier Wochen nach Schulbeginn nicht geliefert sind, das versteht dann eben keiner mehr“, klagt Elternvertreterin Chevalier.

Einerseits erweiterte Anforderungen, die aber auf der anderen Seite nicht durch entsprechende Bedingungen auch fachlich ermöglicht werden – das zieht sich durch den Weg der Schulgemeinschaft. Neben der Zügigkeitserweiterung wurde die Schule nun auch von der Bezirksregierung als eines der Gymnasien bestimmt, das ab 2024/2025 als Schule des Gemeinsamen Lernens Inklusion realisieren soll.

Und zwar – wie es im Fachjargon heißt – nicht wie bislang nur zielgleich, sondern auch zieldifferent. Das heißt, es sollen auch Inklusionskinder hier unterrichtet werden, die nicht das Abitur anstreben. Für Schulleiterin Roche ist klar, dass sie und ihr Kollegium sich dieser Aufgabe engagiert stellen werden und sich auf den Weg machen. Der Protest richte sich ausdrücklich weder gegen die Vierzügigkeit noch gegen die Implementierung des Gemeinsamen Lernens, wie die Schulleiterin betont, sondern gegen die äußeren Bedingungen, betont sie.

„Beide Entscheidungen setzen voraus, dass wir genug Räume haben, um mit den uns anvertrauten Schülerinnen und Schülern inhaltlich und pädagogisch sinnvoll arbeiten zu können“, so Roche. Es brauche dringend adäquate Räume für die Vierzügigkeit und eine entsprechende personelle Ausstattung, um den zukünftigen Schülerinnen und Schülern im Gemeinsamen Lernen gerecht zu werden. Vor zwei Wochen hätten sie hier in der Schule für ein Fest die Ehemaligen empfangen, die vor genau einem halben Jahrhundert an der Schule ihr Abitur gemacht haben. Ihr einmütiger Kommentar: „Hier hat sich ja in den letzten 50 Jahren räumlich gar nichts geändert.“

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