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Radfahren in KölnDer Club der „Bromptonauten“

3 min

Bromptonaut Zander mit seinem Helm, natürlich in den britischen Nationalfarben, auf dem Weg durch die Südstadt.

  1. Immer mehr Pendler setzen auf Falträder - zum Beispiel die der Firma Brompton aus Großbritannien.
  2. Bromptonauten nennen sich die Besitzer der englischen Klapp-Räder.
  3. Erfunden hat die Falträder 1975 der Brite Andrew Ritchie. 1982 gingen sie in Serie.

Köln – Die S-Bahn verspätet und der Bus ist weg? Rolf Zander ist das leidlich egal. Pedale ausgeklappt, Steuerrohr hoch, erstes Scharnier festgezogen, Sattelstange hoch, Vorderrad rum, zweites Scharnier gespannt und den Hinterbau nach vorne geschwungen. Schon ist der 54-Jährige mobil und fährt ebenso lässig an jedem Stau vorbei.

Das Ganze rückwärts und er ist mit dem wieder gefalteten Gefährt wieder in der KVB drin. Hoch, rum, ran und runter. Die Sattelstütze versenkt, die das ganze System verriegelt. Und in zehn Sekunden ist aus Rolf Zanders Fahrrad ein Gepäckstück geworden.

Rolf Zander mit seinem roten Brompton-Rad auf der Treppe in die U-Bahn-Station Chlodwigplatz.

Problemlos hebt er das Zwölf-Kilo-Gerät in die S-Bahn, parkt es zwischen zwei ICE-Sitzreihen oder stellt es im KVB-Waggon ab. Ohne dass er dafür – wie für herkömmliche Räder – einen Fahrschein lösen müsste. Und nicht nur mit dieser Eigenschaft liegen Falträder voll im Trend.

Eine eingeschworene Gemeinschaft

„Autofahren macht ja keinen Spaß mehr“, sagt der Pendler, der als Zweiradmechanikermeister täglich von Leverkusen-Opladen in die Kölner Südstadt und zurück muss. „Da steht man sich ja die Räder eckig. Mit Fahren hat das nicht mehr viel zu tun.“

Mit seinem Faltrad der Firma Brompton gehört er einer eingeschworenen Gemeinschaft an. Bromptonauten nennen sie sich. Erfunden 1975 vom Briten Andrew Ritchie, hatten die Falträder schon damals mit den umständlichen und unkomfortablen Klapprädern der 60er Jahre nicht viel zu tun. Trotzdem dauerte es bis 1982 ehe seine ersten Falträder in Serie gingen.

Seit 22 Jahren hat Peter Dedenbach, Inhaber von „Stadtrad“ auf der Bonner Straße, das Kult-Gefährt im Sortiment. Doch erst mit dem zunehmend kollabierenden Stadtverkehr entdeckt auch eine breitere Mehrheit die Vorzüge des „Fahrrad to go“ in ihrer Alltagsmobilität. Das Fahrrad löse zunehmend das Auto als Statussymbol ab, beobachtet der 60-Jährige. Was nicht zuletzt zur geschäftlichen Zufriedenheit führt. Gekauft werde der Hingucker „auch als Accessoire passend zum Lippenstift“.

Steigende Nachfrage

Immer häufiger sind Menschen in der Stadt mit faltbaren Fahrrädern anzutreffen. Geklaut werden sie kaum, da sie die Besitzer meistens bei sich führen. Falträder der Marken Brompton und Birdy (Letztere sind auch vorne gefedert, aber größer und schwerer) haben die größten Fangemeinden.

„Die Nachfrage steigt“, freut sich Dedenbach. Ab etwa 1200 Euro ist ein Brompton-Faltrad bei ihm zu haben. „Ich habe sogar Kunden, die den Jakobsweg damit bestritten haben.“

Immer innovativer werden die Falttechniken und die Materialien, inzwischen gibt es gar Falträder aus Titan oder mit Elektromotor. Wer will, kann 3000 Euro und mehr für den flexiblen und robusten Untersatz mit den 16-Zoll-Rädern ausgeben, der ebenso mühelos in einem Kofferraum neben Gepäck, Haustier oder Kinderwagen transportiert werden kann.

Für Rolf Zander ist das Faltrad längst alternativlos. „Ein Segen“, sagt der Bromptonaut. Sein Arbeitsweg auf zwei Rädern zunächst bis zum S-Bahnhof Leverkusen-Opladen und wieder vom Deutzer Bahnhof über die Hohenzollernbrücke und am Rheinufer entlang bis in die Südstadt ist für ihn nun Genuss, nicht Ärgernis. „Eine Dreiviertelstunde brauche ich im Berufsverkehr von Tür zu Tür. Das schaffen Sie mit dem Auto nicht.“