Seit Mai 2025 retten Tierschützer Großmarktkatzen: 72 sind gesichert, viele vermittelt. Das Ziel ist nah – doch einige Tiere fehlen noch.
Endspurt bei der RettungKatzen am Großmarkt – 72 Tiere gerettet, doch einige fehlen noch

72 Katzen konnten die Tierschützer bislang vom ehemaligen Großmarktgelände retten. 65 davon konnten vermittelt werden, vier wurden ausgewildert.
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72 Katzen konnten die Tierschützer bislang vom Gelände des ehemaligen Großmarkts sichern. „Dass wir schon so viele retten konnten, ist ein großer Erfolg, über den wir uns sehr freuen“, sagt Mania Leveringhaus. Gemeinsam mit den Vereinen Straßenkatzen Köln e. V. und Katzenschutzbund Köln hatte die 31-Jährige im vergangenen Mai das Projekt „Rettung der Großmarktkatzen“ gestartet.
Ziel war es, die freilebenden Tiere sicherzustellen, medizinisch zu versorgen und zu kastrieren und sie anschließend auszuwildern oder zu vermitteln. Hintergrund ist das Ende des Großmarktbetriebs Ende 2025. Händler hatten in den vergangenen Jahren Katzen auf dem Großmarkt angesiedelt, um Ratten und Mäuse zu bekämpfen. Mit der Schließung drohten den oft kranken und geschwächten Katzen Verwahrlosung und Hungertod. Die Tierschützer gingen von mehr als 100 freilebenden Katzen aus.
Lange Suche nach Quarantäneort
Für diesen Erfolg haben die Katzenretter hart und mit viel Einsatz, Beharrlichkeit und Herzblut gekämpft, wobei sie manche Hürden überwinden mussten. Lange fehlte ein geeigneter Quarantäneort für die Katzen. Unterstützung durch die Stadt, diesen zu finden, blieb aus. „Es gab schon vor dem Start unseres Projektes einen bestätigten Fall von Katzenseuche, von dem die Stadt auch wusste. Von daher war ihr Verweis, die Katzen in Pflegeplätzen, Tierheimen oder Tierarztpraxen unterzubringen, völlig unsinnig“, kritisiert Leveringhaus.
Monatelang kamen die Ehrenamtlichen morgens und abends zum Großmarkt, fütterten die Tiere und gewöhnten sie an feste Stellen, um sie später einfangen zu können. Mit dem Sicherstellen konnten sie erst beginnen, als sie eine Unterbringung für die Quarantänezeit gefunden hatten. Das klappte zunächst kurzzeitig in einem Tierheim außerhalb von Köln, wegen neuer Seuchenfälle fiel diese Option jedoch weg.
Nach langer Suche fanden die Tierschützer schließlich ein leerstehendes Bürogebäude im Kölner Süden und bauten es in Eigenarbeit nach veterinärmedizinischen Vorgaben zur Quarantänestation um. „Wir sind dem Vermieter ungeheuer dankbar, dass er uns das ermöglicht hat“, so Leveringhaus.
Hier werden die Katzen versorgt und an Menschen gewöhnt. Täglich wird gefüttert, gereinigt, gebürstet, gespielt und gestreichelt. „In Hochzeiten hatten wir hier 20 Katzen gleichzeitig, aber es hat gut geklappt“, berichtet Leveringhaus. Die Stadt übernimmt die medizinischen Kosten – eine kommunale Pflichtaufgabe –, alles Weitere finanzieren die Tierschützer über Spenden. Allein die Fixkosten für das Gebäude liegen bei rund 3000 Euro im Monat.
65 Katzen vermittelt, vier ausgewildert
65 der 72 sichergestellten Katzen konnten in private Haushalte vermittelt werden. „Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, weil die Tiere frei auf dem Großmarkt gelebt hatten und sehr scheu waren. Aber in der Betreuung und durch den Menschenkontakt wurden sie erstaunlich zahm“, sagt Leveringhaus. Vier Katzen wurden in von Tierschutzvereinen betreute Gebiete ausgewildert. Aktuell leben noch drei Tiere in der Quarantänestation.
Aus den neuen Heimen der Katzen erhalten die Helfer regelmäßig Rückmeldungen und Videos. „Das ist total rührend und schön zu sehen, dass die Katzen so schöne Zuhause mit liebevollen Menschen gefunden haben. Das zeigt, dass es sich gelohnt hat, nicht aufzugeben“, erzählt Leveringhaus.
Doch es gibt auch eine traurige Seite. „Es fehlen 22 Katzen, die immer regelmäßig an die Futterstellen kamen. Sie kommen nicht mehr, und wir wissen nicht, was mit ihnen passiert ist. Dass sie abgewandert sind, ist eher unwahrscheinlich, wahrscheinlich sind sie tot. Darüber sind wir sehr traurig“, schildert Leveringhaus.
Noch sind nicht alle Tiere gesichert. Die Helfer gehen davon aus, dass etwa vier Katzen noch eingefangen, versorgt und vermittelt werden müssen. Der Mietvertrag für das Quarantänegebäude endet Ende April. „Damit kommen wir gut hin, wir befinden uns im Endspurt“, sagt Leveringhaus.
Auch danach werden die Tierschützer aktiv bleiben. Ihr Einsatz gilt auch anderen Tieren, die auf dem Großmarktgelände leben, wie Tauben, Schwalben und Fledermäusen, die durch Abrissarbeiten gefährdet sind. Erst im März haben sie Anzeige gegen einen ehemaligen Pächter erstattet, der an seiner Halle das Dach abgerissen hat, wobei viele Tauben verletzt und getötet wurden.

