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„Hall of Fame“ im RheinauhafenKöln hat jetzt eine legale Graffitiwand an der Südbrücke

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Jung und Alt dürfen an der neuen „Hall of Fame“ an der Südbrücke jetzt ganz legal sprayen.

Jung und Alt dürfen an der neuen „Hall of Fame“ an der Südbrücke jetzt ganz legal sprayen.

Am Kap 686 im Rheinauhafen gibt es nun eine legale Graffitiwand – ein Projekt von Kindern und Jugendlichen nach drei Jahren Planung.

Statt Betongrau leuchtende Schriftzüge, bunte Tiere und fantasievolle Figuren – so zeigt sich die Trennwand zwischen Skaterpark und KVB-Gleisen an der Südbrücke. Und das seit Kurzem ganz legal. Dass hier jetzt Jung und Alt erlaubt sprayen und gestalten dürfen, ist dem Engagement des Jugendzentrums Bauspielplatz Friedenspark, kurz „Baui“, zu verdanken, genauer gesagt der dortigen Graffiti-AG. „Es hat zwar drei Jahre gedauert, bis diese Idee der Kinder und Jugendlichen umgesetzt wurde, aber dass sie jetzt Wirklichkeit ist, ist ein großer Erfolg“, sagt David Becker von der Teamleitung des Baui.

Offiziell eingeweiht wurde die gut 200 Meter lange und rund 1,60 Meter hohe Wand als „Hall of Fame am Kap“ Ende März, freigegeben zum legalen Sprayen wurde sie schon vor etwa zwei Monaten.

Früher Frust und Kosten

Neu ist die Nutzung nicht: Schon seit Jahren wurde die Wand bemalt – allerdings unerlaubt. „Immer wieder rückte die AWB zum Reinigen an, kurz darauf war erneut alles voller Graffiti. Da haben wir uns gedacht: Warum erlaubt man hier das Sprayen nicht und macht es legal? Das erspart Frust und Kosten“, so Becker.

In dem Sinne schrieben die Kinder und Jugendlichen vom Baui an die Bezirksvertretung und stellten ihre Idee vor. Dort stieß das Projekt auf breite Zustimmung. Auch die Stadtentwässerungsbetriebe (Steb) als Eigentümerin der Wand gaben schnell grünes Licht. Ebenso hat Bezirksjugendpfleger Roman Weirich das Baui sehr bei dem Projekt unterstützt.

Spraydosen korrekt entsorgen

Als schwierig erwies sich zunächst aber das Thema der Müllentsorgung. Für Spraydosen sind spezielle Mülleimer erforderlich, die im KAP aber nicht aufgestellt werden konnten, da es im Hochwasserschutzgebiet liegt. „Wir hatten bestimmt fünf Ortstermine mit der AWB, die aber schließlich eine Lösung gefunden hat“, berichtet Becker. Die Lösung: Eigens aufgestellte Hinweisschilder fordern dazu auf, den Müll mitzunehmen und korrekt zu entsorgen, QR-Codes zeigen geeignete Stellen an. Auch das Baui nimmt zu seinen Öffnungszeiten gebrauchte Spraydosen an. „Das ist eine Super-Lösung, und wir hoffen, dass alle sich in diesem Sinne verhalten“, sagt Becker.

Bei der offiziellen Einweihung waren Vertreter der Stadt und der Bezirksvertretung dabei, die betonten: „Die Wand ist eine tolle Sache, und es ist eine gute Erfahrung von Selbstwirksamkeit für die Jugendlichen, dass ihre Idee zur Stadtgestaltung umgesetzt wurde“, Bezirksbürgermeisterin Julie Cazier, Bündnis 90/Die Grünen. Die Bezirksvertretung unterstützte das Projekt mit 2500 Euro.

Für die Sprayer selbst hat sich vorrangig eines geändert: die Atmosphäre. „Einen solchen Riesenunterschied zu vorher fühlt man eigentlich nicht, da hier schon immer gesprayt wurde. Aber dass es jetzt legal ist, ist schon besser und macht die Sache entspannter“, sagt der 18-jährige Marten aus der Baui-Graffiti-AG. Die Gruppe nutzt die Fläche regelmäßig: Jeden Mittwoch wird gemeinsam mit einem Graffiti-Lehrer an neuen Motiven gearbeitet – ganz offiziell.