Der Friedhof Steinneuerhof kämpft mit Verunreinigungen durch menschliche Exkremente. Ein umstrittener Bauzaun wurde mittlerweile entfernt.
Zaun-Provisorium entferntStadt reagiert auf Verunreinigungen am Friedhof in Köln-Rondorf

Der Unterstand, der auf dem Friedhof Steinneuerhof als Trauerhalle dient, wurde provisorisch eingezäunt.
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Ein Friedhof ist ein Ort der Würde. Diese ist dem Friedhof Steinneuerhof in Rondorf durch ein „Provisorium“, einen aufgestellten Zaun rund um die dortige „Trauerhalle“, im Januar abhanden gekommen. „Ohne Absprache mit den Bestattern, die aktuell die Reaktionen der Angehörigen auffangen müssen, ist diese würdelose Szenerie entstanden“, sagt der Weißer Bestatter, Michael Brodesser.
Was war passiert? Bereits seit Jahren wird dieser Bereich augenscheinlich von einem Obdachlosen genutzt, der dort offensichtlich seine Geschäfte erledigt. „Gerade im Sommer ist der Gestank unerträglich.“ Der Bestatter wandte sich an die Verwaltung, da der Wohnungslose für Gespräche nicht empfänglich war – das bestätigten auch Mitarbeitende des Bestattungsinstituts. Einen Bauzaun als Lösung sieht Brodesser allerdings nicht. „Das ist eher eine typische Stadt-Köln-Verwaltungslösung, die keine ist“, sagt der Bestatter, durchaus wütend, der keinen Ort für Trauern hinter Gittern wünscht, aber auch die sozialen Probleme rund um Obdachlosigkeit nicht infrage stellen möchte. „Aber dieser Zaun ist definitiv keine Lösung.“
Provisorium an Trauerhalle entfernt – Stadt reagiert auf massive Verunreinigungen
Zeitgleich mit einer Nachfrage dieser Zeitung wurde das Provisorium um die Trauerhalle nach Aussage der Stadt wieder entfernt. Für Beerdigungen können solche „Hallen“ von der Stadt für 198 Euro pro Stunde angemietet werden. In Rondorf wird auf diese Gebühr verzichtet. „Es handelt sich nicht um eine Trauerhalle, sondern um einen offenen Unterstand in Holzbauweise“, heißt es aus der städtischen Pressestelle als Korrektur.
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Dieser Unterstand sei durch „menschliche Exkremente wiederholt massiv verunreinigt worden, sodass zahlreiche Sonderreinigungen, insbesondere vor Trauerfeiern, beauftragt werden mussten“. Das Provisorium, so die Erklärung, sollte zumindest zeitweise Abhilfe schaffen und gegebenenfalls eine Verhaltensänderung herbeiführen. Parallel wird seitens der Friedhofsverwaltung durch begleitende Maßnahmen angestrebt, die Situation der regelmäßigen Verunreinigungen nachhaltig zu entschärfen.
Der Friedhof werde derzeit regelmäßig von Mitarbeitenden der Friedhofsverwaltung angefahren und kontrolliert, auch außerhalb der Öffnungszeiten des Friedhofes. „Wenn die obdachlose Person angetroffen wird, wird sie aufgefordert, den Friedhof zu verlassen.“ Es wird vermutet, dass die bekannte Person verantwortlich ist – auch wenn die Stadt einräumt, dass die Exkremente niemandem eindeutig zugeordnet werden konnten.
Provisorische Hallen sorgen für Unmut
Die städtischen Mitarbeiter hätten die Person auch auf verschiedene Hilfsangebote der Wohnungslosenhilfe hingewiesen, die nicht gewollt waren. Die Stadt hat eine entsprechende Einrichtung angesichts der kühlen Temperaturen auf die Person hingewiesen und gebeten, die Person vor Ort aufzusuchen.
Bereits vor vier Jahren hatte die Bezirksvertretung in Rodenkirchen die Verwaltung beauftragt, den Unterstand in eine würdige Trauerhalle umzugestalten. Nach Auskunft der Stadt sind derzeit Sanierungsmaßnahmen am Bestandsbau, also dem Unterstand, geplant. „Ob dieser künftig durch einen qualitätsvolleren Neubau ersetzt werden kann, ist Gegenstand eines internen Abwägungsprozesses“, heißt es.
Aufgrund der angespannten Haushaltslage ist der Abwägungsprozess abzuwarten. Auf dem Melatenfriedhof sorgt schon seit 2023 die provisorische Leichtbauhalle für Unmut, nicht nur unter Trauernden. Das Bestattungsunternehmen im Stadtteil Weiß empfiehlt derzeit den Angehörigen, erst einmal keine Feier an dem Unterstand zu veranstalten, und lädt in die eigenen Räumlichkeiten ein.
Kommentar
Ob Ausweichquartiere für Oper oder Schauspiel oder der nur für kurze Zeit vor 30 Jahren aufgestellte Musical Dome. In der Domstadt gilt oftmals der Spruch, dass nichts länger hält als ein Provisorium. Hier hat es sich die Stadt dann doch schnell wieder anders überlegt. Einen Obdachlosen einsperren oder eine Trauergemeinde aussperren? Das scheint beides zu keinem erleichternden Ergebnis zu führen. Dann ist es ja weder eine Notunterkunft noch ein notdürftig ausgestatteter Unterstand. Schon seit Jahren wurde diesem Friedhof eine kleine Friedhofskapelle versprochen. Vielleicht eine denkbare und gute Investition, um den tatsächlichen Sinn des Gebäudes zu verdeutlichen.

