Zum ersten Mal in ihrer über 200-jährigen Geschichte haben die Roten Funken Kölns mit Oliver Kießig einen evangelischen Regimentspfarrer.
Amt auf LebenszeitZollstocker Pfarrer ist erster evangelischer Regimentspastor bei den Roten Funken

Pfarrer Oliver Kießig freut sich über seine neue Aufgabe als erster evangelischer Regimentspastor bei den Roten Funken.
Copyright: Achim Wenzel
Oliver Kießig ist seit 2019 Pfarrer der evangelischen Melanchthongemeinde in Zollstock. Seit November hat er eine weitere, ganz besondere Aufgabe: Der 40-Jährige ist der erste evangelische Regimentspastor der Roten Funken. Bisher besetzte das Traditionskorps dieses Ehrenamt stets mit katholischen Geistlichen.
„Erster evangelischer Regimentspastor bei den Roten Funken zu sein bedeutet mir sehr viel. Es ist ein starkes Zeichen für Ökumene in die Stadt hinein. Schon lange sind nicht mehr alle Karnevalisten katholisch. Und wir Protestanten können auch sehr gut Karneval feiern“, freut sich Kießig.
Das Amt ist auf Lebenszeit angelegt und umfasst weit mehr als die Session. Dazu gehören seelsorgerische Gespräche, Begleitung in Krisen sowie die Mitgestaltung zentraler Termine im Funkenjahr – etwa die Totengedenkfeier am 1. November auf dem Melatenfriedhof und die „Mess op Kölsch“ in St. Severin. Auch Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen zählen dazu. „Die Aufgaben ähneln denen in der Gemeinde“, sagt Kießig.
Alles zum Thema Römisch-katholische Kirche
- Amt auf Lebenszeit Zollstocker Pfarrer ist erster evangelischer Regimentspastor bei den Roten Funken
- Feuerinferno in Crans-Montana Ermittlungen in alle Richtungen – viele Veranstaltungen in der Schweiz abgesagt
- Großes Jubiläumsjahr Festmesse im Kölner Dom zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer
- Kirche Gemischte Gefühle der Gläubigen zum Zusammenschluss der Pfarreien in Oberbergs Südkreis
- Perfekt fürs Silvesterbild Darum leuchtet die Martinskirche in Euskirchen plötzlich wieder
- Um 3:23 Uhr geboren Sofia ist als erstes Neujahrsbaby in Troisdorf zur Welt gekommen
Mitglied bei den Roten Funken ist der Pfarrer seit 2020. Die Nähe zum Karneval begleitet ihn schon lange. „Ich bin in Koblenz aufgewachsen, aber meine Familie stammt aus Mainz, einer Fastnachtshochburg. Daher haben wir den Karneval im Blut“, erzählt er. 2014 kam Kießig nach Köln. „Mir war von Anfang an klar, dass ich, wenn ich eine feste Pfarrstelle in Köln bekomme, Mitglied einer Karnevalsgesellschaft werden möchte.“
Für ihn gehören Kirche und Karneval zusammen. „Schon terminlich hängt der Karneval mit dem kirchlichen Jahreskreis zusammen. Der Aschermittwoch läutet die Fastenzeit ein, die auf Ostern ausgerichtet ist. Auch die Gottesdienste der Karnevalisten zeigen den spirituellen Gedanken des Fastelovends“, erläutert Kießig.
Gelebte Ökumene
Die Roten Funken sind das älteste, mitgliederstärkste und bekannteste Traditionskorps Kölns. Regimentspastoren haben sie seit Ende der 1950er-Jahre. „Seit über 20 Jahren feiern wir die ‚Mess op Kölsch‘ bewusst ökumenisch“, sagt Boris Müller, Vizepräsident und Pressesprecher der Roten Funken. „Mit dem Eintritt von Oliver Kießig war es folgerichtig, neben zwei katholischen auch einen evangelischen Regimentspastor zu berufen. Damit leben wir ökumenische Verbundenheit nun auch innerhalb unseres Regiments.“ So trügen die Funken der gelebten Realität in Köln Rechnung und setzten ein Zeichen für Offenheit und Zusammenhalt, sagt Müller.
Kölsche Sprache ist Herausforderung
Eine besondere Herausforderung ist für Kießig die „Mess op Kölsch“. „Als ‚Imi‘ spreche ich Kölsch nicht von Kindesbeinen an. Deshalb ist es etwas Besonderes, einen Gottesdienst in dieser Sprache zu gestalten, die für Köln so viel Herz und Identität bedeutet“, sagt er. Im November sei ihm das schon ganz gut gelungen. „Ich musste allerdings nur eine Fürbitte und einen Segen sprechen. Dafür habe ich mit einem Funken-Urkölner geübt“, schildert er. Im kommenden Jahr soll die Predigt folgen. „Bis dahin ist noch viel Zeit zum Üben. Und es ist eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“, sagt der Zollstocker Pfarrer.

