Freier Zugang zum Kölner Dom entspricht seiner Wesensbestimmung als Haus des Gebets. Dass Touristen zum Bauerhalt beitragen, geht dennoch in Ordnung, kommentiert Joachim Frank.
Eintritt für Kölner WahrzeichenDer Dom ist kein Geschäftsmodell


Die Fassade des Kölner Doms spiegelt in einer Sonnenbrille
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Das kleinste Accessoire im Hohen Dom zu Köln macht gerade Karriere. So viel wie jetzt war selten von den Kerzchen die Rede, die Gläubige und Nicht-Gläubige im Dom anstecken, wenn sie dort an ihre Lieben denken oder in einem persönlichen Anliegen beten. Das, versichert Dompropst Guido Assmann, soll in der Kathedrale auch künftig möglich sein, ohne dass man dafür Eintritt zahlen müsse.
Das rührende Kerzen-Symbol steht zugleich für die wesentliche Bestimmung des Doms: Er ist ein Haus des Gebets und des Gottesdienstes. Dafür darf man von den Besuchern kein Geld verlangen – sonst würde die Kirche selbst zum Konsumtempel.
Kalkulationen sind keine Raketenwissenschaft
Es war Assmann als Hausherr bei seiner Ankündigung einer „touristischen Besichtigungsgebühr“ anzumerken, dass ihm ein Bezahlsystem für den Dom unangenehm ist. Die Dramatik der Abkehr von allem, was seine Vorgänger und er über Jahrzehnte für unumstößlich erklärt haben, wird dadurch abgefedert, dass die Verantwortlichen wohlweislich noch nicht gesagt haben, wie viel Geld sie denn nun verlangen wollen. Dabei sind die Kalkulationen keine Raketenwissenschaft: Das strukturelle Defizit zwischen gleichbleibenden Einnahmen und drastisch steigenden Ausgaben muss dauerhaft ausgeglichen werden. Aus den jetzt vorgestellten Zahlen und den Prognosen der Domverwaltung errechnet sich ein Finanzbedarf in mittlerer einstelliger Millionenhöhe. Und das bedeutet: Schon mit einer Eintrittsgebühr von – sagen wir – fünf Euro würden eine Million zahlende Besucher den Etat wieder ins Plus bringen.
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Es liegt auf der Hand, dass noch höhere Gebühren die Fantasien der Verantwortlichen beflügeln könnten. Das Erzbistum zum Beispiel könnte sich bemüßigt fühlen, seine in der Höhe bereits eingefrorenen Zuschüsse zu kürzen oder ganz zu streichen. Diese Form der Entsolidarisierung würde dann die weltlichen Geldgeber auf den Plan rufen, insbesondere das Land Nordrhein-Westfalen, die auf ähnliche Gedanken kommen könnten.
Dienst an den Menschen
In jedem Fall fatal wäre der Eindruck, die Kirche wollte mit dem Dom Reibach machen. Bisher war das Verständnis exakt gegenteilig: Der kostenlose und damit denkbar niedrigschwellige Zugang zum Dom mit seinem einzigartigen Flair (Assmann spricht gern von „Erhabenheit“) sollte ein Dienst der Kirche an den Menschen sein. Alle, ob gläubig oder nicht, sollten Gelegenheit zu einer Erfahrung oder wenigstens einer Ahnung von Transzendenz bekommen, auch dann, wenn sie eigentlich „nur“ aus touristischem, kunsthistorischem Interesse kommen oder „einfach mal einen Blick reinwerfen“ wollen. Wer schaut ihnen schon hinter die Stirn oder ins Herz?
Ein Eintrittsgeld rückt das Gebäude aus der Sphäre des Religiös-Spirituellen weg, schiebt es ins Museale – und schafft zugleich ein Stück Distanz zu den Menschen. Wer künftig – auch als Kölnerin oder Kölner – für einen Moment des Innehaltens, für eine kurze Auszeit vom Alltag in den Dom gehen möchte, wird sich erklären müssen.
Atmosphäre einer Bahnhofshalle
Assmann hat einen ideellen Gewinn dagegenzurechnen versucht: Mit seinen 20.000 Besuchern täglich erinnere der Dom zuweilen eher an eine Bahnhofshalle als einen Ort der Besinnlichkeit. Diese Klage dürfte sicher auch ein Echo des Unmuts unter den Dom-Gewaltigen sein.
Und das trifft den Kern, um den es bei der Einführung eines Eintrittsgelds geht: Was soll der Dom sein? Wofür steht er? Welchen Stellenwert hat er? Beantworten muss diese Frage nicht nur das Domkapitel. Sie geht an alle, die von „unserem Dom“ schwärmen und feuchte Augen bekommen, wenn sie ihn besingen oder aus der Ferne die Turmspitzen erspähen. Er ist mehr als nur Kirchenraum, erst recht mehr als ein Museum. Dass Touristen einen Beitrag zum Unterhalt leisten sollen, geht in Ordnung. Die Menschen in Köln und Region müssen ihre Wertschätzung neu – und anders – definieren.


