Der Kölner Dom soll künftig Eintritt kosten – Betende sollen dagegen umsonst reinkommen. Für Günter Wallraff wirft das Fragen auf.
„Wo fängt Beten an?“Günter Wallraff sieht Eintritt für Kölner Dom kritisch

Günter Wallraff stellt sich angesichts der Pläne für die Erhebung von Eintrittsgeldern für den Kölner Dom die Frage, wie man Touristen und Betende auseinanderhalten will. (Archivbild)
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Günter Wallraff hat gemischte Gefühle bei dem Gedanken, dass Touristen künftig Eintrittsgeld für den Kölner Dom bezahlen sollen. „Ich gehe manchmal spontan in den Dom, um innezuhalten“, sagte der in Köln lebende Enthüllungsjournalist und Schriftsteller der Deutschen Presse-Agentur. „Ich mache alles zu Fuß und wenn ich dann in der Innenstadt bin, mache ich Halt und nehme die Atmosphäre in mir auf.“
Günter Wallraff zum Kölner Dom: „Das ist dann kein klassisch touristischer Besuch“
„Manchmal gehe ich auch mit meinen Kindern in den Dom oder mit Freunden von auswärts. Das ist dann kein klassisch touristischer Besuch, aber es ist auch kein Beten im strengen Sinne“, so Wallraff. Insofern stelle sich ihm die Frage, wie man da die Grenze ziehen wolle: „Wo fängt Beten an?“
Das Domkapitel hat mitgeteilt, dass es Touristen ab Juli für den Besuch des Kölner Doms zur Kasse bitten will. Gottesdienstbesucher und Betende sollen dagegen nichts bezahlen müssen.
Wallraff sagte, er sehe ein, dass der Unterhalt des riesigen Denkmals viel Geld koste. „Und ich betrachte es auch als problematisch, wenn da Touristen reinschneien wie in jede andere Attraktion, zum Beispiel ins Schokoladen-Museum oder Disneyland.“
Der 83-Jährige betonte: „Der Dom hat ja schon eine andere Bedeutung. Aber der Eintritt schafft andererseits eine große Barriere. Ich selbst würde zum Beispiel niemals sagen: „Ich will beten, darf ich umsonst rein?“ Das heißt also, dass ich künftig immer etwas bezahlen werde, und das allein wird den Charakter des Dombesuchs für mich verändern.“ (dpa)


