Abo

Kommentar

Preisschild am Kirchenportal
Der Eintritt für den Kölner Dom sendet das falsche Signal

Ein Kommentar von
3 min
ARCHIV - 05.03.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Touristen fotografieren den Kölner Dom. Der Kölner Dom wird Touristen in Zukunft Eintritt kosten. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, wie das Domkapitel mitteilte. (zu dpa: «Von Ablehnung bis Verständnis - Promis zum Dom-Eintritt») Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Touristen fotografieren den Kölner Dom.

Das Eintrittsgeld für den Dom sendet ein falsches Signal. Eine Kirche, die kostet, verliert einen Teil ihrer Wesensbestimmung.

Entweltlichung. Dieses Programm zur geistlichen Erneuerung empfahl Papst Benedikt XVI. auf seinem Deutschlandbesuch 2011. Die Kirche in seinem Heimatland sah er allzu sehr verstrickt in Strukturen und ein Netz institutioneller Verbindungen mit dem Staat. Was aber gibt es Weltlicheres, als für den Besuch einer Kirche Eintritt zu verlangen? Das Kölner Domkapitel schafft mit dieser Entscheidung nicht nur deutschlandweit einen Präzedenzfall aufseiten der katholischen Kirche. Es setzt das Zeichen, dass nichts auf dieser Welt der Macht des Geldes und den Logiken des Marktes entzogen bleibt.

Löcher im Etat lassen sich nicht mit Gebeten stopfen

Das ist und bleibt das Bittere am künftigen Ticketsystem – trotz aller erkennbaren und anerkennenswerten Bemühungen um eine sozial verträgliche Preisgestaltung, um Ausnahmen für Kinder und den freien Zugang zu einem – allerdings begrenzten – Areal der Kathedrale für Menschen, die im Dom beten oder zur Ruhe kommen wollen. Ihrem Selbstverständnis nach will die Kirche offen sein, zugänglich, einladend. Wie soll das gehen, wenn am Portal das Preisschild klebt? Eine Kirche, die kostet, verliert ein Stück ihrer Wesensbestimmung als Freiraum nicht nur für Gebet und Andacht, sondern auch für die Urerfahrung einer höheren, transzendenten Wirklichkeit. Ohne Zweifel ist es genau das, was ein Großteil der Besucher im Dom sucht oder aus ihm mitnimmt. Wer dafür zahlen muss, wird den Sakralraum eher als Kulturtempel oder gleich als Museum mit frommen Relikten erleben.

Vielleicht ist das Schwarzmalerei. Wahrscheinlich stimmt es, dass Globetrotter es gewohnt sind, für die Besichtigung herausragender touristischer Attraktionen zu bezahlen. Vermutlich bekommt es der Atmosphäre im Dom-Inneren sogar, wenn künftig nicht mehr jeder einfach so hineinlatschen kann. Und ganz sicher muss irgendwo das Geld für Bauunterhalt und Betrieb des Doms herkommen. Löcher im Etat lassen sich nicht durch Gebete stopfen. Und auch Symbole wollen finanziert sein. Deswegen können die Dom-Gewaltigen die Warnung vor der negativen Signalwirkung ihres Dom-Ticketing auch locker abtropfen lassen – verbunden mit dem angemessenen Ausdruck von Bedauern, versteht sich.

Keine Bürgerbewegung unter dem Banner „Der Dom gehört (uns) allen“

Eine Suche nach alternativen Geldquellen habe nichts gebracht, versichern die Zuständigen. Sponsoren – selbst wenn sie den Dom im Firmenlogo haben – hätten sich nicht gefunden, schon gar nicht im erforderlichen Maße. Und tatsächlich ist auch eine Bürgerbewegung ausgeblieben, die unter dem Banner „Der Dom gehört (uns) allen“ die notwendigen Millionen beschafft hätte. Um die vier Millionen Menschen leben im Großraum Köln. Wenn ein Prozent von ihnen bereit gewesen wäre, dem Dom 100 Euro zu spenden, hätte sich für 2026 das Eintrittsgeld erledigt.

Es ist bezeichnend, dass der Kölner Oberbürgermeister zu den Ersten gehörte, die im März Verständnis für die Einführung eines Dom-Eintritts bekundeten. Die Stadt, die zu 100 Prozent vom Dom als Weltkulturerbe, als Wahrzeichen und Identitätsmarker profitiert, trägt zur Deckung der laufenden Kosten etwas mehr als ein Prozent bei. In dieser Schieflage ist leicht reden vom Dom als Allgemeingut.

Zu denken wäre an das Erzbistum. Es könnte das Interesse an einem frei zugänglichen Dom mit einer Finanzierungszusage hinterlegen. Sage keiner, in einem Milliarden-Etat sei das Geld dafür nicht vorhanden! Aber auf Sympathien für Investitionen in eine solch niederschwellig-unverbindliche Nähe der Kirche zu den Menschen ist bei einem Erzbischof, der von neuen Formen eines „Church planting“ und einer Start-up-Kirche auf Wachstumskurs fabuliert, nicht zu hoffen. Und – ganz ehrlich – es wäre auch nicht fair, wenn die Katholiken mit ihrer Kirchensteuer dort einspringen müssten, wo alle anderen sich einen schlanken Fuß machen.