Viele Waldkäuze finden in Köln keine Baumhöhle zum Brüten. Die Greifvogelstation Gut Leidenhausen unterstützt sie bei der Wohnungssuche.
Projekt beginntGreifvogelstation bringt Nistkästen für Waldkäuze in Köln an

Die Greifvogelstation Gut Leidenhausen bringt Nistkästen für Waldkäuze in Köln an, hier auf dem Melatenfriedhof.
Copyright: Michael Bause
40 Zentimeter groß, beige-braunes Gefieder, Lieblingsspeise Mäuse: Das ist der Waldkauz, eine der häufigsten Eulenarten in Deutschland. Doch dem Waldkauz geht es wie vielen in Köln. Er leidet unter Wohnungsnot. Der Waldkauz gehört zu den Höhlenbrütern und bevorzugt dabei Baumhöhlen. Doch in Köln fehlt es immer mehr an passenden, möglichst großen Bäumen. Deshalb hat sich die Greifvogelstation Gut Leidenhausen mit dem Förderverein der Sparkasse Köln Bonn zusammengetan, um die Waldkäuze bei ihrer Suche nach Brutplätzen zu unterstützen. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Grünflächenamtes werden 23 Nistkästen als Baumhöhlen-Alternative an verschiedenen Standorten in Köln angebracht.
Erster Standort des Projekts ist der Melaten-Friedhof. Am Dienstag wurde in der Nähe des Nebeneingangs ein Nistkasten angebracht. Theo Pagel, Chef des Kölner Zoos und Leiter der Greifvogelstation, erklärt, warum der Melaten-Friedhof ausgewählt wurde: „Wir wissen bereits, dass hier Waldkäuze leben. Vor einiger Zeit haben wir außerdem einen verletzten Mäusebussard aufgenommen, der hier gefunden wurde. Friedhöfe sind als ruhige Orte oft Zuflucht für Greifvögel.“ Insgesamt sollen die 23 Kästen auf zehn Standorte in ganz Köln verteilt werden.
Echt kölsche Nistkästen
Während zwei Mitarbeiter des Grünflächenamtes den Hubsteiger in Position bringen, stellen Carl Caspar und Robert Amsler, zwei Ehrenamtler der Greifvogelstation, den Nistkasten vor: Er ist 18 Kilogramm schwer und aus massivem, witterungsbeständigem Roteichenholz. „Unsere Nistkästen sind echt kölsch“, erzählt Jürgen Biskup vom Förderverein der Sparkasse Köln Bonn. 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparkasse haben die Nistkästen nach Feierabend aus Stadtwaldholz gebaut, also nur mit Holz aus Kölner Wäldern. „Wir haben quasi den Schreibtisch gegen das Handwerk getauscht und es hat richtig Spaß gemacht“, sagt Biskup.
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Carl Caspar, Theo Pagel, Jürgen Biskup und Robert Amsler (v.l.) mit einem der Nistkästen
Copyright: Michael Bause
Der Nistkasten wird mit Laub und Zweigen als Nistmaterial gefüllt und dann auf etwa vier Metern Höhe angebracht. Mit einem Kompass wird die Ausrichtung nach Süd-Osten bestimmt. Amsler fotografiert den neuen Kasten. In einer App wird jeder Nistkasten dokumentiert: „Erfolgreich wären wir, wenn wir bei unserer jährlichen Sichtkontrolle Kotspuren unter dem Kasten finden. Alle drei Jahre säubern wir den Kasten dann auch und überprüfen, ob gebrütet wurde.“
Biete Wohnung für Zwei, Nähe Melaten
Sicherstellen, dass wirklich nur Waldkäuze die Nistkästen nutzen, könne man nicht, so Joachim Bauer, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln. Doch die Größe des Einflugloches sowie der Standort würden möglichst genau an die Lebensbedingungen des Waldkauzes angepasst. Außerdem achten die Mitarbeiter darauf, dass die Nistkästen nicht zu nah beieinander hängen: „Da sind die Waldkäuze territorial“, sagt Pagel.
Die Greifvogelstation kümmert sich normalerweise um verletzte und kranke Eulen und Greifvögel. Im vergangenen Jahr wurden 35 Tiere zehn verschiedener Arten aufgenommen, wovon 25 wieder ausgewildert werden konnten. Einige Tiere bleiben auch in der Aufnahmestation. Mit dem Waldkauz-Projekt möchte die Greifvogelstation einen weiteren Beitrag zum Artenschutz in Köln leisten: „Auch wenn der Waldkauz keine höchstbedrohte Art ist, fehlen ihm Brutplätze. Wir von der Greifvogelstation haben uns das Ziel gesetzt, nicht nur verletzte Tiere aufzufangen, sondern auch Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu schützen und zu fördern“, sagt Pagel. Außerdem hofft er, dass die Greifvogelstation dazu beitragen kann, Menschen für den Artenschutz zu begeistern: „Kleinere Nistkästen kann eigentlich jeder anbringen und damit den Tieren, die diese Höhen brauchen, Brutstätten anbieten.“ Fragen dazu könne man gerne an die Greifvogelstation richten.
Nach wenigen Minuten hängt der erste Nistkasten fest verschraubt an der Platane. Pagel legt den Kopf in den Nacken und blickt zufrieden Richtung Nistkasten. Wie auf Kommando fliegt plötzlich ein Mäusebussard über die Baumkrone. Die Gruppe lacht. Ein gutes Zeichen für einen baldigen Einzug eines Waldkauz-Paares auf Wohnungssuche.

