Abo

„Gefährlich für die Allgemeinheit“Angeklagt in 25 Missbrauchsfällen – Prozess gegen Ex-Erzieher in Köln gestartet

Lesezeit 3 Minuten
Der mutmaßliche Missbrauchstäter sitzt am ersten Prozesstag mit seinen beiden Rechtsanwälten auf der Anklagebank.

Der Angeklagte und seine Verteidiger im Prozess um sexuellen Kindesmissbrauch.

Vor dem Kölner Landgericht ist ein Mann angeklagt, der in sich in 25 Fällen an Kindern vergangen haben soll. Nun hat der Prozess begonnen.

Offenbar verstand Jonas H. in Vorstellungsgesprächen zu überzeugen, denn immer wieder wurde er als Babysitter oder Springer in Kindertagesstätten engagiert. Unter anderem nahm er über eine Online-Plattform, die der Vermittlung von Kinderbetreuern dient, Kontakt zu den Eltern auf.

Mutmaßlicher Missbrauchstäter: Angeklagt in 25 Fällen

In anderen Fällen kam er durch einen Familienservice, der unter anderem Kitas und Krippen unterhält, an den Job oder durch private Empfehlung. Was lange Zeit verborgen blieb: H. nutzte den Umgang mit den Kindern, um sie sexuell zu missbrauchen.

Seit Montag wird dem 33-Jährigen vor dem Kölner Landgericht der Prozess gemacht; er ist auf 29 Verhandlungstage angelegt. Zahlreiche Anwälte und Anwältinnen nehmen als Vertreter und Vertreterinnen der Nebenklage teil.

Alles zum Thema Amts- und Landgericht Köln

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann aus gutbürgerlichem Hause, der seit Juni 2022 in Untersuchungshaft sitzt, zur Last, sich von November 2019 bis 2022 an sieben Jungen und 16 Mädchen im Alter zwischen eineinhalb und sieben Jahren vergangen zu haben. 25 Fälle sind angeklagt.

Mann aus Zollstock soll auch Kinderpornos hergestellt haben

Hinzu kommt der Vorwurf, er habe in elf Fällen kinderpornografische Fotos und Videos hergestellt. Überdies soll der Angeklagte eine große Menge kinder- und jugendpornografisches Material besessen haben, das bei Durchsuchungen seiner Wohnung entdeckt wurde, etwa auf einem Laptop, einer externen Festplatte, einem USB-Stick und anderen Datenträgern.

Die Tatserie begann den Ermittlungsergebnissen zufolge damit, dass sich der Angeklagte im Herbst 2019 an eine Elterninitiative in der Südstadt wandte, die über das Portal „betreut.de“ einen Springer für ihre Spielgruppe suchte.

Ein Mitglied der Initiative habe ihn als privaten Betreuer beauftragt; später soll es zum ersten Kindesmissbrauch gekommen sein. Später sei Jonas H. (Name geändert) wiederholt von der Firma „pme Familienservice GmbH“ engagiert worden.

Angeklagter half in Kitas und anderen Einrichtungen aus

Als geringfügig beschäftigter Betreuer hab er in Riehl, Junkersdorf oder Lindenthal in Kitas oder sogenannten Back-up-Einrichtungen ausgeholfen, die in Sondersituationen für Ersatzbetreuung sorgen.

Für ihn sprach, dass er, wie es in der Anklage heißt, Empfehlungsschreiben und ein makelloses Führungszeugnis vorlegen konnte. Die Taten, die ihm vorgeworfen werden, soll er unter anderem in den Betreuungseinrichtungen, den elterlichen Wohnungen und auch oft bei sich zu Hause begangen haben.

Mehrfach heißt es in der Anklageschrift, deren Verlesung knapp eine Stunde dauerte, das betreffende Kind habe seinen Widerwillen gegen den Übergriff zu verstehen gegeben.

Staatsanwaltschaft: „Für die Allgemeinheit gefährlich“

In manchen Fällen soll der Missbrauch bis zum Eindringen in den Körper gegangen sein. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sagte am Ende der Verlesung, wegen seines „Hangs“ sei der Angeklagte „für die Allgemeinheit gefährlich“.

Christoph Kaufmann, Vorsitzender der 2. Großen Strafkammer, machte deutlich, mit „erklärenden Worten“ könne Dietmar H. den ohnehin belasteten Eltern und Kindern die Aussage vor Gericht ersparen: „Je früher, desto besser“.

Verteidiger Jürgen Schüttler kündigte für den Mittwoch, an dem die Hauptverhandlung fortgesetzt wird, eine „umfassende“ Einlassung an.

KStA abonnieren