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Zwölf Arten vor dem AusKölner Experten wollen Schweine retten

Der Sulawesi-Hirscheber ist ein wildes Schwein, das im Kölner Zoo gerade erst Nachwuchs bekommen hat. Zwei Kölner Experten kämpfen dagegen, dass seine Art ausstirbt.

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Matthias Markolf und Johanna Rode-White vom Kölner Zoo haben beide mit am neuen Maßnahmenkatalog zum Schutz wilder Schweinearten geschrieben.

Matthias Markolf und Johanna Rode-White vom Kölner Zoo haben beide mit am neuen Maßnahmenkatalog zum Schutz wilder Schweinearten geschrieben.

Zwölf: So viele und damit alle wilden Schweinearten könnten in Asien durch die Afrikanische Schweinepest aussterben. Bei sechs Arten kam es durch das tödliche Virus bereits zu Massensterben. Eine internationale Arbeitsgemeinschaft der Weltnaturschutzunion (IUCN) möchte diese Arten retten. Aus Köln sind Johanna Rode-White, Kuratorin des Kölner Zoos, und Matthias Markolf, Artenschutzbeauftragter, dabei. Als zwei von 31 Wissenschaftlern haben über sechs Monate einen Maßnahmenkatalog geschrieben.

„Das Schreiben ging sehr schnell, denn wir haben den Druck gespürt: Während wir schreiben, sterben im Süden Schweine“, sagt Johanna Rode-White. Die Afrikanische Schweinepest wurde 2018 von Menschen in Asien eingeführt und breitet sich seitdem massiv aus. In 95 Prozent der Fälle ist das Virus tödlich. Viele Schweine waren schon zuvor durch Jagd und Verlust ihres Lebensraumes bedroht, und die Schweinepest bringt jetzt einige an den Rand des Aussterbens.

Es ist unklar, wie viele wilde Schweine es in Südostasien überhaupt noch gibt. Die Sulawesi-Hirscheber, die im Kölner Zoo leben, könnten in freier Wildbahn sogar bereits völlig ausgestorben sein. „Schweine sind nicht sexy wie Tiger, sondern gelten als nervig und zerstören manchmal die Ernte. Deswegen ist zu wenig Geld da und wir haben diese Datenlage gar nicht“, sagt Rode-White.

Infektion per Salami-Brot

Das Problem sei, dass sich die Schweinepest auf allen möglichen Wegen durch die Menschen verbreite, so die 44‑Jährige. „Ein Lkw-Fahrer hatte einmal ein infiziertes Salami-Brot dabei, hat es in den Niederlanden aus dem Fenster geschmissen und dort haben sich die Schweine infiziert“, erzählt sie. Außerdem verbreitet sich das Virus durch Oberflächen wie Autoreifen oder Turnschuhe von Wanderern.

Sollten die Schweinearten aussterben, hätte das weitreichende Folgen: Das Schwein ist wichtig für den Boden, weil es darin wühlt und ihn auflockert. Gleichzeitig ist es Nahrungsgrundlage für Raubtiere. „Auf Sumatra haben Tiger aus Hunger die Dörfer überfallen und die Nutztiere und Menschen dort angegriffen“, sagt Rode-White.

Ein Visayas-Pustelschwein ist auf den Philippinen an der Schweinepest gestorben.

Ein Visayas-Pustelschwein ist auf den Philippinen an der Schweinepest gestorben.

Die Roadmap der IUCN-Schweineexperten stellt einen Plan vor, um das zu verhindern. Am wichtigsten sei es, die Biosicherheit zu gewährleisten, also aufzupassen, dass sich das Virus nicht so schnell verbreitet. „Dazu gehört, Schuhe und Autoreifen zu säubern, bevor man die Naturschutzgebiete betritt“, so Rode-White. Schweinefleisch müsse auf das Virus getestet werden und im Falle eines Ausbruchs brauche es Notfallpläne und Frühwarnsysteme.

Noch kein Impfstoff

Auch die Zoos spielten eine wichtige Rolle. „Heutzutage gibt es viele Zoo-Gegner. Es ist aber so: Wenn die Schweine in Südostasien aussterben, dann ist die Art komplett weg. Nur wenn wir genügend Tiere in den Zoos und Zuchtstationen haben, gibt es eine Back-up-Population, die wir wieder auswildern könnten, wenn sich die Situation verbessert“, sagt die Expertin.

Hoffnungsvoll ist sie nur bedingt: „Wir versuchen gerade, dass es weniger schnell abwärts geht. Wir kaufen uns Zeit, um den Impfstoff entwickeln zu können.“ Rode-White wünscht sich, dass mehr Menschen und Institutionen das Problem erkennen und sich engagieren, mitarbeiten, forschen, Geld geben und Gesetze erlassen. „Aufhalten können wir die Afrikanische Schweinepest nicht.“