Rettungsdecken können gegen Hitze helfen. Entscheidend ist aber, wie und wo sie angebracht werden. Sonst drohen Schäden am Fenster.
Simpler TrickRettungsdecke am Fenster schützt vor Hitze – Glaser warnen vor einem Fehler

Menschen in Köln schützen ihre Wohnungen mit Rettungsdecken, die mit Aluminium beschichtet sind, vor der Hitze und der Sonne.
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Mit jedem heißen Sommertag verbreitet sich der Tipp aus den sozialen Netzwerken ein Stück weiter: Rettungsdecke ans Fenster kleben und die Hitze bleibt draußen. Das funktioniert tatsächlich – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Kölner Glaser und die Feuerwehr warnen vor einem Fehler, der Fensterscheiben beschädigen und im schlimmsten Fall sogar Brände begünstigen kann.
Ursprünglich wurde die metallisierte Folie für den Einsatz in der Ersten Hilfe entwickelt. Dort schützt sie Unfallopfer vor gefährlicher Unterkühlung oder Überhitzung. Ihr Prinzip ist einfach: Sie isoliert nicht durch dickes Material, sondern wirft Wärmestrahlung zurück. So hält sie entweder die Körperwärme eines Menschen oder schirmt äußere Hitze ab.

Auf dieser Bildkombo sind verschiedene Fenster in Köln zu sehen. Menschen schützen ihre Wohnungen mit Rettungsdecken, die mit Aluminium beschichtet sind, vor der Hitze und der Sonne.
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Der wichtigste Punkt beim Einsatz am Fenster lautet: Die Rettungsdecke gehört nach außen. Dort reflektiert die metallisierte Oberfläche die Sonnenstrahlen, bevor sie überhaupt auf das Fensterglas treffen. Die Hitze bleibt also draußen. Die silberne Seite der Rettungsdecke sollte dabei nach außen zeigen, da sie die Sonnen- und Wärmestrahlung etwas besser zurückwirft.
Nach Selbstversuchen in ihren Wohnungen berichten Menschen von einer Temperaturänderung von über zehn Grad, auch ohne Klimaanlage. Doch Vorsicht: Wird die Folie dagegen innen angebracht, kann sich die Hitze zwischen Glas und Folie stauen.
Feuerwehr Köln gibt Hinweise, worauf zu achten ist
Genau davor warnt auch die Feuerwehr Köln. Werde die Rettungsdecke innen angebracht, könne die gestaute Wärme die Fensterscheiben beschädigen. Denn Glas kann durch Hitze brechen. Neben mechanischer Belastung – also Druck durch beispielsweise einen gekickten Fußball – kann auch thermische Belastung sogenannte Hitzesprünge verursachen.
Außerdem bestehe die Gefahr, dass Vorhänge oder andere Fensterdekorationen durch die Hitze entzündet werden. Gegen außen angebrachten Hitzeschutz hat die Feuerwehr keine Bedenken. Allerdings könne sich eine Rettungsdecke bei starkem Wind lösen und etwa für Autofahrer zur Gefahr werden, heißt es aus der Pressestelle.
Glaser warnt vor Grills am Fenster – aber nicht vor Rettungsdecken
Auch Florian Scholz von der Glaserei Lessür in Köln-Nippes hält außen befestigte Rettungsdecken grundsätzlich für unproblematisch. Aus seiner Erfahrung heraus sei es kein Problem, wenn die Abdeckung gleichmäßig über der Scheibe hänge. Einen Anstieg gesprungener Fensterscheiben wegen Rettungsdecken habe sein Betrieb bislang nicht festgestellt.
Dass Glas durch Hitze springen kann, sei allerdings bekannt. Kritisch werde es immer dann, wenn sich das Glas ungleichmäßig erwärme – etwa, wenn Rollläden nur halb heruntergelassen werden oder ein Teil der Scheibe stärker aufgeheizt werde als der andere. Auch ein Grill direkt vor dem Fenster könne solche Spannungen auslösen. „Scheiben müssen sich möglichst gleichmäßig erwärmen oder abkühlen“, sagt Scholz.
Rettungsdecken oder Alufolie immer außen anbringen
Detlef Schonert von der Glaserei Schonert im Kwartier Latäng bestätigt diese Einschätzung. Von außen sei eine Rettungsdecke oder auch Alufolie ungefährlich. „Von innen sollte man es nicht machen“, sagt der Glaser. Moderne Isolierglasfenster sind nämlich auf der Innenseite beschichtet, wodurch thermische Spannungen entstehen könnten. Selbst Rollos oder Plissees auf der Raumseite könnten problematisch sein, wenn sie nur Teile der Scheibe beschatten.
Aus seiner Praxis kennt Schonert zahlreiche Fälle sogenannter thermischer Sprünge, nach seiner Einschätzung gehen etwa die Hälfte aller Glasreparaturen seines Betriebs auf solche Spannungen zurück. „Aber ich hatte noch keinen Fall wegen einer Rettungsdecke“, sagt Schonert. Hingegen können schon ein am Fenster angelehntes Kissen oder eine Einkaufstüte ausreichen, um einen charakteristischen fächerförmigen Glasbruch bei Sonneneinstrahlung auszulösen.
Auch Rollläden und Folien leisten außen mehr gegen die Hitze
Dass eine Verschattung außen deutlich wirksamer ist als innen, gilt nicht nur für Rettungsdecken. Auch Rollläden, Fensterläden oder außen montierte Sonnenschutzfolien halten die Sonnenenergie bereits vor der Scheibe zurück. Innenliegende Vorhänge oder Plissees erwärmen sich dagegen selbst und geben einen Teil der Wärme wieder an den Raum ab.

Bei einem Konzert der Band Kraftklub in Dresden schützen sich Fans unter Rettungsfolien vor der Sonne.
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Wie groß der Effekt einer äußeren Abschattung sein kann, zeigt auch ein Test des ADAC. Eine außen angebrachte Sonnenschutzfolie auf der Windschutzscheibe senkte die Temperatur im Fahrzeuginneren um acht Grad gegenüber einem ungeschützten Auto – im Test erreichte das geschützte Auto 45 Grad statt 53. Noch besser schnitten lediglich Halbgaragen ab. Dort stieg die Temperatur nur auf 43 Grad.
Rettungsdecken gibt es in Apotheken, Baumärkten oder im Internet
Rettungsdecken sind deshalb für viele Menschen eine günstige Alternative. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Ravensburg empfiehlt sie sogar ausdrücklich: „Sie eignen sich hervorragend als kostengünstiger und unkomplizierter Hitzeschutz für Wohn- und Geschäftsräume.“ Befestigt wird die Folie möglichst am Fensterrahmen.
„Rettungsdecken sind bereits für weniger als fünf Euro im Baumarkt, im Handel, in Apotheken oder online erhältlich. So bleibt der Inhalt des Erste-Hilfe-Kastens für Notfälle vollständig erhalten“, rät das DRK.
Für die Glaser bleibt dennoch klar: Wer dauerhaft etwas gegen Sommerhitze tun möchte, fährt mit außenliegenden Sonnenschutzsystemen langfristig besser. Der günstige Rettungsdecken-Trick kann helfen – solange er richtig angebracht wird. Und schon für Mittwoch gibt es die nächste Hitzewarnung in Köln.
Für ihren ursprünglichen Einsatz gilt übrigens: Gold nach außen gegen Kälte und zum Warmhalten, Silber nach außen gegen Hitze.
