Kreisbrandmeister Thomas Weiler stellte sich den Fragen von Udo Beißel zu den Themen Einsparpotenzial bei Feuerwehrfahrzeugen sowie zur Bedeutung des Ehrenamtes im Rhein-Erft-Kreis.
Fragen an den KreisbrandmeisterAuch bei Feuerwehrfahrzeugen müssen sinnvolle Einsparmöglichkeiten geprüft werden

Kreisbrandmeister Thomas Weiler zur Fahrzeugbeschaffung bei den Feuerwehren.
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Die Anschaffung von Feuerwehrfahrzeugen erfolgt in Nordrhein-Westfalen bislang überwiegend durch die einzelnen Kommunen. Andere Bundesländer setzen dagegen auf landesweit einheitliche Beschaffungen. Halten Sie ein solches Modell, gerade in Zeiten knapper kommunaler Kassen, auch für NRW für sinnvoll – und warum?
Angesichts der schwierigen Haushaltslage müssen auch bei Feuerwehrfahrzeugen alle sinnvollen Einsparmöglichkeiten geprüft werden. Gemeinsame Beschaffungen können dazu einen Beitrag leisten. Bereits heute werden bestimmte Fahrzeugtypen – beispielsweise Löschfahrzeuge für den Katastrophenschutz – durch Bund oder Land zentral beschafft und den kommunalen Feuerwehren zur Nutzung überlassen. Bei den Bundesfahrzeugen werden zudem bestimmte Aufwendungen für Wartung und Instandsetzung erstattet. Das aktuelle Beispiel aus Baden-Württemberg zeigt, dass gemeinsame Beschaffungen die Kommunen entlasten können. Diese Entlastung entsteht jedoch nicht allein durch größere Stückzahlen und günstigere Beschaffungskonditionen, sondern in erheblichem Umfang durch die zusätzlichen Haushaltsmittel des Landes. Das Modell ist daher vor allem dann auf Nordrhein-Westfalen übertragbar, wenn auch hier eine entsprechend starke finanzielle Beteiligung des Landes vorgesehen wird.
Befürworter einer zentralen Beschaffung argumentieren, dass größere Stückzahlen die Preise deutlich senken und gleichzeitig Wartung, Ausbildung und Ersatzteilversorgung vereinfachen würden. Überwiegen aus Ihrer Sicht diese Vorteile oder sprechen die unterschiedlichen örtlichen Anforderungen dagegen?
Die bestehende Organisation im deutschen Feuerwehrwesen hat sich historisch entwickelt und wird maßgeblich durch die örtlichen Gegebenheiten sowie die kommunale Selbstverwaltung geprägt. Größere Beschaffungsvolumina können wirtschaftliche und organisatorische Vorteile bieten. Das steht außer Frage. Die örtlichen Gegebenheiten muss man in diesem Kontext etwas differenzierter betrachten. Denn für Standardaufgaben von Feuerwehr und Rettungsdienst gibt es auch genormte Standardausrüstung. Beispielsweise fordert ein Zimmerbrand in einem Mehrfamilienhaus, ein Szenario auf dem vielerorts die Bedarfsplanung der Feuerwehr basiert, die gleiche Ausrüstung, egal in welcher Stadt dieses Haus steht. Für spezielle Aufgaben sind dann die örtlichen Verhältnisse zu beachten: dazu zählen zum Beispiel die Topographie (Gebirge, Gewässer) aber auch die Finanz- und Wirtschaftskraft der einzelnen Kommune. Ergänzt wird die örtliche Vorhaltung durch spezialisierte Einsatzfahrzeuge und Gerätschaften für den Katastrophenschutz und den überörtlichen Bedarf, die von Kreisen, Land oder Bund beschafft werden. Insofern bleibt im Ergebnis die örtliche Leistungsfähigkeit der Feuerwehren erhalten.
Im Rhein-Erft-Kreis investieren zehn Kommunen mit rund 3.500 aktiven Feuerwehrangehörigen regelmäßig Millionenbeträge in neue Einsatzfahrzeuge. Wo sehen Sie heute das größte Einsparpotenzial bei der Beschaffung – bei Fahrzeugen, Ausstattung oder Ausschreibungsverfahren?
Der Bedarf an Feuerwehrfahrzeugen wird auf Grundlage der jeweiligen Brandschutzbedarfsplanung fachlich bewertet und durch die kommunalen Räte beschlossen. Dort wird festgelegt, welches Sicherheitsniveau erreicht werden soll und welche Fahrzeuge dafür notwendig sind. Das größte Einsparpotenzial sehe ich bei gemeinsamen Beschaffungen insbesondere bei genormten Standardfahrzeugen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes.
Wie groß ist aus Ihrer Erfahrung der Einfluss individueller Ausstattungswünsche einzelner Feuerwehren auf die Anschaffungskosten? Wird bei Feuerwehrfahrzeugen manchmal mehr individualisiert, als für den Einsatz tatsächlich notwendig wäre?
Das lässt sich nicht pauschal beurteilen. Entscheidend ist für mich, dass Beschaffungen fachlich erforderlich und wirtschaftlich sinnvoll sind. Die Einsatzkräfte benötigen sichere und geeignete Arbeitsmittel, aber nicht jede technisch mögliche Ausstattung ist für den Einsatzerfolg erforderlich. Deshalb muss klar zwischen fachlich notwendigen Anforderungen und zusätzlicher Ausstattung unterschieden werden.

Durch die Anschaffung von überörtlich benötigten Einsatzfahrzeugen können Kosten gespart werden.
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Viele Städte und Gemeinden stehen unter erheblichem finanziellem Druck. Könnten sich nicht auch zwei Städte zum Beispiel eine Drehleiter oder Rettungsbühne teilen?
Gerade bei Drehleitern ist nicht die gemeinsame Nutzung entscheidend, sondern der jeweilige Einsatzbereich. Diese Fahrzeuge werden dann benötigt, wenn der zweite Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr sichergestellt werden muss. Sie müssen deshalb innerhalb kurzer Zeit am Einsatzort verfügbar sein, weil sie primär der Rettung von Menschen dienen. Ob und wo ein solches Fahrzeug erforderlich ist, wird im jeweiligen Brandschutzbedarfsplan geprüft und durch den Rat der Stadt entschieden. Sinnvoller kann es sein, gleichartige Fahrzeuge gemeinsam auszuschreiben und zu beschaffen. Dadurch können Preise gesenkt und Wartung sowie Ausbildung vereinfacht werden. Bei selten benötigten Sonderfahrzeugen bestehen dagegen deutlich größere Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Fahrzeuge des Kreises, des Landes oder des Bundes decken den überörtlichen Bedarf mehrerer Kommunen. Dadurch werden unnötige Doppelvorhaltungen vermieden. Gerade bei Spezialtechnik – unter anderem Messtechnik, Gefahrgutausstattung, Löschwasserversorgung über lange Strecken oder Atemschutzlogistik – ist eine überörtliche Organisation häufig wirtschaftlicher als eine eigene Vorhaltung in jeder Stadt.
Wie wichtig ist das ehrenamtliche Engagement für die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren – und was würde passieren, wenn sich künftig deutlich weniger Menschen freiwillig engagieren würden?
Das Ehrenamt ist die tragende Säule der Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis. Bei alltäglichen Bränden und Verkehrsunfällen ebenso wie bei größeren und länger dauernden Einsätzen stellt das Ehrenamt die notwendige Zahl an Einsatzkräften sicher. Ein deutlicher Rückgang ließe sich weder kurzfristig organisatorisch auffangen noch durch hauptamtliche Kräfte ersetzen. Deshalb ist es entscheidend, das Ehrenamt dauerhaft zu erhalten und verlässlich zu fördern.
Das Ehrenamt steht zunehmend in Konkurrenz zu beruflichen Belastungen, Familie und Freizeit. Spüren Sie bereits Nachwuchsprobleme oder Schwierigkeiten, tagsüber genügend Einsatzkräfte verfügbar zu haben? Welche Entwicklungen bereiten Ihnen dabei die größten Sorgen?
Eine einheitliche Nachwuchskrise im gesamten Rhein-Erft-Kreis sehe ich derzeit nicht. Die Situation unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen den Städten und einzelnen Einheiten. In einigen Bereichen bestehen bereits Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung und insbesondere bei der Verfügbarkeit von Einsatzkräften während der üblichen Arbeitszeiten. Entscheidend sind deshalb starke Kinder- und Jugendfeuerwehren, erreichbare Standorte, verlässliche Führungs- und Beteiligungsstrukturen sowie die Unterstützung durch Arbeitgeber. Allgemeingültige Lösungen gibt es nicht. Die Maßnahmen müssen jeweils zu den örtlichen Bedingungen und zu den Menschen passen, die sich dort engagieren.
Einige Städte und Gemeinden diskutieren oder bieten sogenannte Renten- oder Vorsorgemodelle für langjährig ehrenamtliche Feuerwehrleute an. Halten Sie solche Modelle für einen sinnvollen Anreiz – oder besteht die Gefahr, dass das Ehrenamt dadurch seinen Charakter verändert?
Solche Modelle können ein Baustein der Anerkennung sein. Ob sie tatsächlich zur langfristigen Bindung beitragen, hängt von ihrer konkreten Ausgestaltung ab. Ein Vorsorgemodell allein dürfte nur selten ausschlaggebend für eine langfristige Bindung sein. Entscheidend sind eine gute Gemeinschaft, verlässliche Führung, geeignete Ausrüstung und die Vereinbarkeit mit Beruf und Familie. Finanzielle Anreize können dies ergänzen, aber nicht ersetzen.
Was wünschen Sie sich von Politik, Arbeitgebern und Gesellschaft, damit sich auch künftig genügend Menschen im Rhein-Erft-Kreis freiwillig in der Feuerwehr engagieren? Reichen Anerkennung und Wertschätzung aus, oder braucht es konkrete Anreize und bessere Rahmenbedingungen?
Anerkennung allein reicht nicht aus. Ehrenamtliche Einsatzkräfte brauchen vor allem verlässliche und funktionierende Rahmenbedingungen. Dazu gehören geeignete Feuerwehrhäuser, sichere Fahrzeuge, Schutzkleidung und Geräte, eine gute Aus- und Fortbildung sowie die Freistellung und Unterstützung durch Arbeitgeber. Diese Grundlagen sind Voraussetzung für ein leistungsfähiges und zugleich finanzierbares Feuerwehrsystem, von dem sowohl die Bevölkerung als auch der Wirtschaftsstandort profitieren.
Wenn Sie den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Rhein-Erft-Kreis einen konkreten Wunsch zur Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren mit auf den Weg geben könnten: Welcher wäre das und warum?
Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, der Landrat, die kommunalen Räte und die Verwaltungen ermöglichen bereits sehr viel für Feuerwehr und Rettungsdienst. Dafür bin ich ausdrücklich dankbar. Mein konkreter Wunsch ist, notwendige Investitionen gemeinsam frühzeitig zu priorisieren. Einheitliche Standards und gemeinsame Beschaffungen sollten überall dort genutzt werden, wo sie wirtschaftliche Vorteile bringen. Eine leistungsfähige Feuerwehr und ein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln sind kein Widerspruch. Beides muss gemeinsam gedacht werden.