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Stationsbericht fürs RheinlandFünf Bahnhöfe des Grauens liegen in Köln

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Die Deutsche Bahn hat ihren Qualitätsbericht 2025 für 200 Stationen im Rheinland vorgestellt und berichtet von einer erheblichen Verschlechterung. Einer der schlimmsten Bahnhöfe ist Köln-Ehrenfeld.

Die Deutsche Bahn hat ihren Qualitätsbericht 2025 für 195 Stationen im Rheinland vorgestellt und berichtet von einer erheblichen Verschlechterung. Einer der schlimmsten Bahnhöfe ist Köln-Ehrenfeld. Foto: Alexander Schwaiger

Kaputte Aufzüge, Vandalismus und Graffiti führen zu einer deutlichen Verschlechterung der Ergebnisse im Vergleich zu 2024.

Rund 12.400 Bahnkunden müssen an Werktagen den Bahnhof Köln-Ehrenfeld nutzen. Notgedrungen, denn ein Vergnügen ist das nicht, weil er trotz der hohen Nutzerfrequenz und aller Bemühungen um mehr Sauberkeit zu den vier schlechtesten im Rheinland gehört. Graffiti, Schmierereien, Vandalismus und kaputte Aufzüge: Das sind die häufigsten Mängel, nicht nur an dieser Station. Köln-Ehrenfeld ist auch ein Beispiel dafür, dass der Versuch, mit künstlerischen Graffiti die Aufenthaltsqualität zu verbessern, gründlich misslingen kann.

Ehrenfeld zählt zu den vier Schlusslichtern des Qualitätstests von 195 Bahnhöfen für das Gebiet des Verkehrsverbands go.Rheinland. Das geht aus dem Stationsbericht 2025 hervor. 45 Prozent erhielten die Note „noch akzeptabel“ oder „inakzeptabel“. Sechs Stationen konnten wegen der Schäden nach der Flutkatastrophe in der Eifel nicht bewertet werden. Dabei handelt es sich um den Haltepunkt Stolberg Altstadt und die Stationen, die an der Strecke zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel liegen.

Nur noch zehn von 195 Bahnhöfen gelten als „sehr gut“

Das Gesamtergebnis des 13. Stationstests liegt damit deutlich unter dem Niveau von 2024. Mit der Note „sehr gut“ wurden zehn Bahnhöfe ausgezeichnet. Ein Jahr zuvor waren es noch 22. Als „ordentlich/akzeptabel“ wurden 98 Haltepunkte eingestuft. 2024 waren es noch 126.

Hingegen stieg die Zahl der Stationen in der schlechtesten Kategorie von neun auf 16 und damit von vier auf acht Prozent. Von ihnen liegen gleich fünf Halte auf Kölner Stadtgebiet. Neben Ehrenfeld sind das die Stationen Airport/Businesspark, Chorweiler, Longerich und Frankfurter Straße. Schlusslichter sind Quadrath-Ichendorf und Duckterath.

Die Deutsche Bahn, die für die meisten Bahnhöfe (143) verantwortlich ist, hat nach eigenen Angaben mit Unterstützung von go.Rheinland und dem Land an allen NRW-Bahnhöfen für die Reinigung rund 22 Millionen Euro ausgegeben. Die Beseitigung der Schäden, die durch Vandalismus und Graffiti entstanden sind, habe einen einstelligen Millionenbetrag gekostet, heißt es auf Anfrage. Die Reinigungstrupps mussten Graffitis auf einer Fläche von 18.000 Quadratmetern entfernen, das entspricht der Größenordnung von drei Fußballplätzen. Der Einsatz von Sicherheitspersonal sei um 60 Prozent erhöht worden.

Frühjahrsputz am ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn

Frühjahrsputz am ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn. Die Station zählt zu den gepflegtesten im Rheinland. Foto: Andreas Helfer

„Viele unserer Bemühungen werden jedoch dadurch wieder zunichte gemacht, weil sich die Zahl der Vandalismus-Fälle im Gebiet von go.Rheinland 2025 nahezu verdoppelt hat“, sagte ein Bahnsprecher. Die anderen Stationen gehören der Ruhrtalbahn (41) und der EVS Euregio (19).

Trotz dieser frustrierenden Erfahrung wollen beide Seiten, also Bahn und go.Rheinland, ihre Kooperation fortsetzen. „Wir schauen uns die inakzeptablen Stationen zusammen mit der DB InfraGo an, gegebenenfalls mittels Vor-Ort-Terminen. Dann werden Maßnahmenpakete geschnürt. Hierfür ist es notwendig, die genauen Zuständigkeiten zu identifizieren und alle Beteiligten ins Boot zu holen“, sagt Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland. Der Abstimmungsbedarf sei hoch. Deshalb könne es an einigen Stationen durchaus passieren, dass die Gesamtnote mangelhaft ist, obwohl sich einzelne Elemente in einem guten Zustand befinden.

Gute Noten für neue Automaten

Das gilt für die Bahnhöfe, an denen go.Rheinland im vergangenen Jahr 330 neue Ticketautomaten aufgestellt hat. Die bekommen ähnlich wie die Entwerter auf dem Bahnsteig gute Noten. Und die Gefahr, dass ihnen das gleiche Schicksal wie ihren Vorgängern droht, ist relativ groß. Aber was hilft das, wenn die Aufzüge, mit denen die Bahnkunden die Bahnsteige erreichen sollen, immer verdreckter sind? Auch die Fahrstühle haben 2025 deutlich schlechter abgeschnitten. Gleiches gilt für die Zugangsbereiche.

Wir fordern die Stationsbetreiber, Städte und Gemeinden zum Gegensteuern auf
Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland

„Wir fordern die Stationsbetreiber, Städte und Gemeinden zum Gegensteuern auf. Auch wenn uns bewusst ist, dass Ausstattungselemente nach einer Instandsetzung leider oft sofort wieder mutwillig zerstört oder mit Graffiti verschmutzt werden, schauen wir nicht weg. Gerade an den Stationen im nicht mehr akzeptablen Zustand werden wir gemeinsam mit den Infrastruktureigentümern die Probleme angehen“, sagt Reinkober weiter.

Auch die Bahn will daran arbeiten, die Situation zu verbessern. Das gerade beschlossene Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit werde an den Bahnhöfen zu „einer höheren Präsenz von Sicherheitskräften, zusätzlichen Reinigungen und schnelleren Reparaturen“ führen, sagte der Bahnsprecher. 200 Stationen in NRW sollen bis Ende Mai bei der Aktion Frühjahrsputz aufgemöbelt werden. Bundesweit sind es 1400.

Den Abwärtstrend stoppen: Das ist gemeinsame Ziel von go.Rheinland und der DB InfraGo. Als Vorbild sollen der ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn und die Station Heinsberg-Porselen dienen, die unterschiedlicher nicht sein können. In Siegburg/Bonn steigen an Werktagen rund 7820 Menschen im Schnitt ein und aus, in Porselen sind es gerade mal 40.