Das Finale soll zugleich der Höhepunkt sein. Dann kommt der Abschied nach 25 Jahren Bühnenkarriere und acht Studioalben. Die vier Musiker der Kölner Kinderband Pelemele wollen am 8. November im Gloria für ihre letzten beiden Konzerte noch einmal alles auffahren, was sie im Laufe der Jahre im Repertoire hatten: die Roboter-Figur Arnold, die Groove-Hummel, ihre Gründungsmitglieder, zusätzliche Bläser wie Trompete und Saxofon. Wenn man schon geht, dann bitte mit Pomp und Gloria. „Es fühlt sich gut an, aufzuhören, wenn es groß und wenn es erfolgreich ist“, sagt Picco Fröhlich, Sänger und Frontmann von Pelemele. „Das wird traurig und schön.“
Die Band macht Musik, deren Sound anspruchsvoll ist und den auch Eltern der meist fünf- bis zehnjährigen Fans mögen – funkig, poppig, zwischen Disco und Hiphop – mit Texten, die Kinder ansprechen und sich mit ihrer Gedankenwelt auseinandersetzen.
Die Gründe für den Abschied von Pelemele
In „Stinkefüße“ geht es darum, wer am besten stinkt. Der Song „Wecker“ soll die Schlafmützen aus den Betten holen: „Woohoo! Wir sind der Wecker, also werdet jetzt mal wach!“ Doch warum hört Pelemele jetzt auf? Es gebe nicht nur den einen Grund, erzählt Fröhlich bei einem Espresso in einem Eiscafé nahe des Humboldt-Gymnasiums in der Südstadt. Der 40-Jährige hat hier eine volle Stelle als angestellter Musiklehrer. Er ist Quereinsteiger, denn eigentlich hat er Tontechnik studiert – und ist mit Pelemele eben viel auf Tour gewesen.

Picco Fröhlich ist Frontmann und Sänger der Band.
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„Es muss sich die Waage halten: Was verdiene ich und was muss ich dafür erbringen? Wenn man keine Kinder oder andere Verpflichtungen hat, kann man besser damit umgehen. Da kann man auch nachts mal aufstehen, fünf Stunden fahren und dann Gigs spielen.“ Familie, Termine, Stress: Die Ansprüche an die Bandmitglieder wachsen, die Zeit wird knapp. „Da bleibt die Kreativität auf der Strecke. Man möchte gerne etwas Schönes und Gutes machen, findet aber nicht mehr die Ruhe.“
Und das Geld stimme eben nicht, so der Musiker, und geht offen mit dem ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg der Band um. „Die Corona-Jahre waren wahnsinnig schwierig, 2024 war dann ein super Jahr. Wir haben sehr viel gespielt. Aber 2025 war schwer, und 2026 noch schwerer. Das hat unserer Entscheidung, aufzuhören, noch mehr Feuer gegeben.“

Pelemele bei „Loss mer Weihnachtsleeder singe för Pänz“ im Dezember 2025
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Auch die wachsende Konkurrenz setzte die Musiker zunehmend unter Druck: Etablierte Karnevalsbands wie Kasalla und Planschemalöör haben den Kindermusik-Markt für sich entdeckt und preschen mit lauten Kinderkonzerten vor – und die bringen ein gewaltiges Stammpublikum mit. Anders als Pelemele: Da erneuern sich die Fans alle fünf Jahre, auf der weiterführenden Schule gilt die Musik dann nicht mehr unbedingt als cool. „Es hat uns nicht geholfen, dass viele Karnevalsbands ein Kinderprogramm entwickeln. Was wir machen, ist explizit für Kinder: Das ist etwas anderes, als Karnevalslieder mit Animation für Kinder zu spielen. Das kann man gut machen, ist aber trotzdem ein Unterschied.“
Dabei haben Pelemele und Karneval auch eine gemeinsame Geschichte. Einige Jahre waren sie Hausband der Kinderstunksitzung, die es bis 2010 gab. Gegründet hatte sich die Band jedoch schon davor. Fröhlich selbst ist seit 18 Jahren dabei und kein Gründungsmitglied. Aber den Entstehungsmythos kennt er natürlich trotzdem: „In einem Hinterhofkonzert für Erwachsene waren viele Kinder, die mitgetanzt haben. Daraus ist die Idee entstanden, dass man Musik macht, die auch Erwachsene cool finden.“
Dann ging es allmählich los mit eigenen Konzerten. Pelemele waren aber auch oft auf Stadtfesten oder auf Festivals, wo sie Teil des Programms waren. Eingebrannt haben sich aber vor allem die eigenen Gigs, erzählt Fröhlich.
Lehrer und Musiker: Picco Fröhlich von Pelemele sieht viele Parallelen
„Ein frühes Konzert war in Berlin im Roten Salon in der Volksbühne. Wir mussten durch die Menge reingehen und uns richtig kleinmachen, weil es so voll war. Dieses Konzert hat mir zur Vision verholfen, eigene Konzerte machen zu können.“ Die Band gestaltete auch immer eine visuelle Welt auf der Bühne, mit Figuren wie der Groove-Hummel oder Arnold: Zum passenden Song kam der Roboter dann auf die Bühne.
Eine Stunde, dann sind die Kinder meist leergepowert. „Kinder sind eine ehrlichere Variante von Erwachsenen. Die wollen auch springen, klatschen, ausrasten und headbangen und gleichzeitig: Wenn sie müde sind und keinen Bock haben, gehen sie. Sie sind ein unfassbar tolles, ehrliches Publikum und es macht wahnsinnig Spaß, ihnen die Gepflogenheiten eines Rockkonzerts näherzubringen.“
Die Freude der Kinder an Musik wird Fröhlich zum Glück weiter erleben. Als Musiklehrer hat er gut zu tun, er leitet unter anderem eine Bigband am Gymnasium. Auch das Musikmachen wird nicht aufhören. Aber auf die Pause und die Ruhe freut er sich. „Als Lehrer steht man jeden Tag auf der Bühne. Es ist wie ein 45-minütiges Konzert und davon sechs Stück, mit einem Intro, einer Phase für individuelles Arbeiten, um dann wieder zusammenzukommen. Ich sehe sehr viele Parallelen.“
Pelemele-Konzert am Sonntag, 8. November um 11 Uhr. Das Konzert um 15 Uhr ist bereits ausverkauft. Tickets für Kinder kosten 18 Euro, für Erwachsene 22 Euro.
