Köln – Die Aufregung am Montag war groß: Nach Monaten der Schließung durften Friseursalons sowie die nichtmedizinische Fußpflege wieder öffnen. Besonders um die Friseure war eine große Debatte entbrannt. „Vor dem Hintergrund der Bedeutung für die Körperhygiene sind gerade ältere Menschen auf diese Dienstleistungen nach so langer Zeit dringend angewiesen“, heißt es in der Corona-Schutzverordnung NRWs. Andere nichtmedizinische, körpernahe Leistungen blieben allerdings verboten. Die „besonderen Ausnahmegründe“ für Friseure gelten explizit nicht für „Kosmetik-, Nagel- und Tattoostudios“.
Unterschiedliche Vorgaben ärgern Kosmetikerinnen
Kosmetikerin Julia Gaun, die ein Studio im Belgischen Viertel für Hautbehandlungen und Haarentfernung führt, kann das nicht nachvollziehen. „Es gibt genug Kunden, bei denen das Gesicht eine größere Rolle spielt als die Haare. Insbesondere nach einem Jahr mit Maske. Menschen mit Hauterkrankungen wie Akne und Rosacea müssen dringend behandelt werden“, sagt sie. Besonders ärgert die Kosmetikerin, dass in Arztpraxen weiterhin Gesichtsbehandlungen durchgeführt werden dürfen. „Kundinnen haben mir erzählt, dass ihnen medizinisch nicht notwendige Anwendungen wie ein 'Hydrofacial' (abgestorbene Hautzellen werden hierbei aus den Poren gesaugt, Anm. d. Red.) angeboten wurden. Diese Anwendungen führt in den meisten Fällen aber nicht der Arzt selbst durch“, so Gaun. „Ich frage mich daher schon: Warum dürfen die, und wir nicht?“

Kosmetikerin Julia Gaun mit ihrer Tochter in ihrem Kosmetkstudio im Belgischen Viertel.
Copyright: Julia Gaun
In guten Kosmetikstudios sei die Hygiene „immer 1A“. „Ich trage bei meiner Arbeit generell einen Mundschutz. Bei einigen Anwendungen, wie einer Narbenbehandlung, muss ich die Kundin nicht mal berühren.“ Dass in der Beschlussvorlage für die Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch eine Öffnungsperspektive für „körpernahe Leistungen“ vorgesehen ist, stimmt Julia Gaun optimistisch. „Wir hoffen, dass es endlich wieder losgeht. Die Kunden scharren schon mit den Hufen.“
Handwerkskammer Köln fordert Öffnungsperspektive
Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, fordert ebenfalls, den Lockdown für das „schwer angeschlagene Kosmetikhandwerk zu beenden, um irreparable Schäden zu vermeiden.“ Die aktuell geltende Regelung lasse „das Kosmetikhandwerk – wieder mal – außen vor“, heißt es in einer Mitteilung der Handwerkskammer. „In diesen Betrieben geht es bei Weitem nicht nur um die Schönheit, sondern auch um pflegende Anwendungen für die Hautgesundheit“, so Duin.
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„Ich sehe natürlich eine Ungerechtigkeit“
Kosmetikerin und Visagistin Christine Schaefer betreibt ein Kosmetikinstitut in Marienburg. Auch sie sieht den gesundheitlichen Aspekt ihrer Arbeit vernachlässigt. „Mein Schwerpunkt liegt bei hauterkrankten Menschen mit Akne oder Rosacea, die rund 80 Prozent meiner Kundschaft ausmachen. Diese Menschen haben einen hohen Leidensdruck“, erzählt Schaefer. „Ich sehe natürlich eine Ungerechtigkeit“, sagt sie. „Ich bemühe mich seit nunmehr vier Monaten um Geduld, auch wissend, dass es gerade viele Menschen trifft, die in vielfältiger Weise unter den Schließungen leiden. Unsere Branche ist ein Teil davon.“ Dass die Kosmetik im Vergleich zu den Friseuren übergangen wurde, hängt für sie mit einer fehlenden Lobby für den Berufsstand zusammen. „Unser Berufsbild wird leider nicht differenziert betrachtet“, sagt Schaefer.

Kosmetikerin und Visagistin Christine Schaefer führt ein Institut in Marienburg.
Copyright: Christine Schaefer
„Sicher – auf Anti-Aging-Behandlungen können wir gerade alle verzichten. Aber viele Kunden kommen auf den Tag genau alle drei bis vier Wochen zu mir, um sich behandeln zu lassen. Das ist ja das was ich an meinem Beruf liebe: Dass ich zur Lebensqualität beitragen kann“, so die Kosmetikerin. Täglich bekommt sie Nachrichten und Fotos von ihren Kunden, „aber das kann keine Behandlung ersetzen.“ Christine Schaefer versteht, dass eine gewisse Vorsicht gelten muss. In ihren großzügigen Räumlichkeiten habe sie jedoch beste Voraussetzungen, alle Hygieneregelungen einzuhalten. „Ich weiß natürlich, dass nicht alle mit diesen Gegebenheiten arbeiten können“, sagt Schaefer. „Doch grundsätzlich haben wir in der Kosmetik seit jeher sehr gute Hygieneregelungen – es handelt sich schließlich um einen körpernahen Beruf.“ Ihre Erwartungen an die neuen Beschlüsse am Mittwoch sind dementsprechend groß: „In diesen Tagen wächst meine Hoffnung, dass wir bald wieder öffnen dürfen, weil das in anderen Bundesländern schon möglich ist. Das ist gerade der Status quo meiner Zuversicht. Wenn es nicht so kommt, fände ich es schwierig, das zu akzeptieren“, sagt sie.


