In Köln bleiben tausende Stellen unbesetzt, gleichzeitig schließen ähnlich viele potenzielle Mitarbeiter ihr Studium in Köln ab und verlassen die Region. Der neue Talent Hub Cologne will diese Lücke schließen.
Start Ende JanuarWie der Talent Hub Cologne ausländische Fachkräfte für Köln begeistern will

Das Team des Talent Hub Cologne startet im Januar (v.l.): Elias El Tahiri, Leonora Fricker, Antje Lienert und Leonie Arndt.
Copyright: KölnBusiness
Im weißen Bürogebäude am Börsenplatz eins sitzen Antje Lienert und ihr Team eng beisammen und besprechen die nächsten Schritte. Das Projekt läuft seit dem 1. Januar, ab dem 27. Januar starten sie mit den Beratungen in voller Besetzung – und mit ihnen eine neue zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, die internationale Fachkräfte suchen.
Dass qualifiziertes Personal fehlt, ist nicht neu. Dass es immer schwerer wird, geeignete Bewerber zu finden, ebenfalls nicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass in Köln und der Region rund 6100 Stellen nicht mehr besetzt werden können, weil qualifizierte Arbeitskräfte fehlen.
Zum Start hat das Team des Talent Hubs bei einigen Firmen nachgefragt, welche Stellen besonders schwer zu besetzen sind: in Köln vorwiegend im Verkauf und in der Pflege, in der Region eher in der Produktion. Im Energiebereich fehlen Installateure, auch Ingenieure werden händeringend gesucht.
Alles zum Thema Einzelhandel Köln und Region
- Wiederholter Diebstahl Frau soll Parfüm für über 400 Euro im Kölner Hauptbahnhof geklaut haben
- Handel Hammer Raumstylisten GmbH meldet Insolvenz an
- Start Ende Januar Wie der Talent Hub Cologne ausländische Fachkräfte für Köln begeistern will
- Süß oder herzhaft Wesselinger Wochenmarkt hat nun einen Crêpe-Stand
- Teure Schokolade Kunden kaufen seltener Süßes – Branche angespannt
Angebot und Nachfrage passen auf dem Arbeitsmarkt oft nicht zusammen
Nach Prognosen der Bundesagentur für Arbeit wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in der Region Köln/Bonn bis 2037 um rund 118.000 sinken. „Das wäre so, als ob eine Großstadt einfach auf dem Arbeitsmarkt wegfällt“, sagt Lienert. Zwar gebe es einen lokalen Arbeitsmarkt, doch Angebot und Nachfrage passten nicht zusammen.
Gleichzeitig verlassen jedes Jahr rund 14.000 Absolventinnen und Absolventen die Kölner Hochschulen, viele von ihnen kommen von außerhalb der EU. Genau hier setzt der Talent Hub an: „Es ist ein erster Schritt, die Fachkräfte hierher zu holen. Ihnen die Attraktivität des Standorts klarzumachen und sie an die lokalen Unternehmen zu binden, ist ein zweiter“, sagt Lienert. Internationale Fachkräfte sollen durch sie und ihre Kollegen des Talent Hub früh in Kontakt mit der lokalen Wirtschaft kommen, idealerweise schon während des Studiums.

Antje Lienert leitet den Talent Hub Cologne.
Copyright: Charlotte Groß-Hohnacker
Der Talent Hub erweitert nun also das Angebot für Fachkräfte in Köln und der Region: Die städtische Wirtschaftsförderung Kölnbusiness und die Agentur für Arbeit organisieren gemeinsam diverse Veranstaltungen, wo Unternehmen und Fachkräfte zusammenkommen können, etwa in Gastronomie, Logistik, Einzelhandel und Medienbranche. Doppelstrukturen will Lienert vermeiden, vorhandene Angebote nutzen. Sie beschreibt die Rolle des Teams derzeit als koordinierende Drehscheibe: Was gibt es schon, wie passt es zusammen, wo fehlen Angebote?
Viele Hürden für ausländische Fachkräfte
Auf Landesebene existiert mit der NRW Fachkräfteagentur International bereits eine wichtige Struktur. „Die haben ähnliche Themen, können aber nicht so nah an den lokalen Unternehmen sein wie wir“, sagt Lienert. Ihr Team verfüge über spezifische Informationen vor Ort, kann beispielsweise Hinweise zu internationalen Schulen und Kitas geben.
„Deutschland ist nicht automatisch die beliebteste Station für Fachkräfte aus dem Ausland“, sagt die Leiterin des Talent Hubs. Sprache, Behördengänge und die deutsche Mentalität würden häufig als Gründe genannt. Lienert hofft, dass Köln mit seiner Offenheit punkten kann. Ihr Anspruch ist, dass Fachkräfte nicht nur als Arbeitskräfte kommen, sondern als Menschen, die sich integrieren und vielleicht einmal „Kölsche“ werden. Herausforderungen gibt es viele, sagt sie: Familiennachzug, Berufstätigkeit beider Eltern, Schul- und Kitaplätze.
Besonders belastend seien zudem die langen Wartezeiten für Termine bei Botschaften sowie die Dauer von Behördenverfahren. Auf Unternehmensseite gebe es ebenfalls Hürden. „Wie wird der Ramadan gehandhabt? Gibt es kulturell unterschiedliche Kommunikationsstrukturen?“, sagt Lienert.
„100 Beratungen im ersten Jahr, danach 200“
Zur Arbeit des Talent Hubs zählen Gespräche mit Hochschulen über internationale Absolventinnen und Absolventen, Kooperationen mit Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer und eine enge Abstimmung mit dem Ausländeramt. Eine Mitgliedschaft ist nicht nötig, alle Unternehmen können sich beraten lassen. Auf der Webseite sollen Fachkräfte künftig von einem KI-Chatbot unterstützt werden, der die Informationen so aufbereitet, dass sie genau zur Situation der Firmen passen. Der Schwerpunkt liege zunächst auf der Vernetzung: Wer braucht wen? Welche Angebote passen zusammen?
Außerdem will das Team verstärkt an die Hochschulen in Köln und Umgebung gehen. Vor allem private Hochschulen haben viele internationale Studierende, da sie häufig englischsprachige Studiengänge anbieten. Für den Erfolg hat der Talent Hub klare Kriterien: die Zahl der Beratungen, die Zahl der unterstützten Unternehmen, die Zahl der gewonnenen und gehaltenen Fachkräfte. „100 Beratungen im ersten Jahr, danach 200. Das ist unser Mindestziel“, sagt Lienert. An der TH Köln entstehe eine Promotionsstelle, die das Projekt wissenschaftlich begleiten soll. Wöchentliche Treffen zwischen Wissenschaft und Praxis seien geplant.
Das Projekt ist bis Ende 2028 befristet und umfasst ein Gesamtbudget von 2,7 Millionen Euro. Der Talent Hub wird zu 90 Prozent aus EU‑Mitteln finanziert. Die Bemühungen um eine Anschlussförderung laufen.

