Die Türme des Kölner Doms gehörten Jahrzehnte zu den drei höchsten der Welt Bis jetzt – das weltbekannte Wahtrzeichen ist aus den Top 3 geflogen.
Kathedrale wird überholtKölner Dom nicht mehr unter den Top 3

Die Türme des Kölner Doms gehören nicht mehr zu den drei höchsten weltweit.
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Gerüste. Kräne. Metallene Schläge. Nicht anders kennt María Jesús Tomé in ihrer Heimatstadt Barcelona die Sagrada Família, die Sühnekirche des Architekten Antoni Gaudí. Doch der Baulärm spielt für die 51-Jährige Journalistin keine Rolle, denn: „Jedes Mal, wenn ich die Sagrada Família sehe, beeindruckt sie mich wie am ersten Tag.“
Tomé ist eng mit dem Mammutbau verbunden. Viele Jahre hat sie nebenan gewohnt und vom Schlafzimmer auf die Türme geblickt. Ihr Sohn hat in der Krypta, wo Gaudí begraben liegt, Taufe und Kommunion empfangen. Dass die Kirche nach mittlerweile über 140 Jahren Bauzeit jemals fertig wird, will sie seltsamerweise nicht: „Dann würde sie für mich ihren Reiz verlieren. Ich kenne sie nur als Baustelle.“

Blick auf die Basilika Sagrada Familia, die am Donnerstag nach der Anbringung des ersten Kreuzsegments auf dem Turm Jesu Christi den höchsten Kirchturm der Welt hat.
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Bald schreibt die Sagrada Família ein neues Kapitel ihrer Geschichte. Am 10. Juni 2026, pünktlich zum hundertsten Todestag von Gaudí, steht die Einweihung des Turms Jesus Christus an. Besetzt mit einem Kreuz aus einer Werkstatt aus dem süddeutschen Gundelfingen, steigt er mit 172,5 Metern zum höchsten Kirchturm der Welt auf. Zum Vergleich: Der Ulmer Münster ist 161,5 Meter hoch und die Basilika Notre-Dame de la Paix in der Elfenbeinküste 158 Meter. Der Kölner Dom kommt auf 157 Meter.
Die Sagrada Família war von Schließung bedroht

Die berühmte Kirche Sagrada Familia in Barcelona bei Nacht.
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Das Volk - nicht die öffentliche Hand - sollte die Sühnekirche finanzieren, deren Vorhaben Gaudí 1883 im Auftrag der „Geistlichen Vereinigung von Verehrern des Heiligen Josef“ übernahm. Laia Vinaixa, die 51-jährige Leiterin des Dokumentationszentrums der Sagrada Família, weiß: „Er suchte Sponsoren im Großbürgertum, aber während der Zeit des Ersten Weltkriegs gingen die Spenden zurück.
5 Millionen Besucher pro Jahr sichern Fortbestand
Die Sagrada Família war von der Schließung bedroht. Deshalb nahm man ab 1915 Eintrittsgelder: je eine Peseta für den Zugang zu den Entwurfsmodellen und den unvollendeten Türmen.“
Heute garantieren die Einnahmen von knapp fünf Millionen Besuchern pro Jahr den Fortgang des Projekts, für das Chefarchitekt Jordi Faulí verantwortlich zeichnet. Als Kind, erinnert sich der 66-Jährige, spielte er im Park vor der Sagrada Família und sah die Türme heranwachsen. „Wir arbeiten absolut getreu nach den Plänen und Modellen Gaudís“, versichert Faulí.
Obgleich die Originale im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39 vernichtet wurden, gab es genügend Beschreibungen und abfotografierte Skizzen von vorher. Gaudí, oft als „Architekt Gottes“ apostrophiert, plante ein Bauwerk mit 18 Türmen.
„Jedes Element des christlichen Glaubens sollte vertreten sein: der zentrale Turm Jesus Christus, der Turm Mariens, die Türme der zwölf Apostel und die vier Türme der Evangelisten, ohne die wir nichts vom Leben Christi wüssten“, sagt Faulí. Er würdigt Gaudí als vollendeten Architekten: „Er bedachte alles: die Struktur, das Material, den Bau und die Menschen, deren Herzen er füllen wollte.“
Fertig ist die Kathedrale noch lange nicht
Regelrecht prophetisch war des Meisters Aussage, die Faulí wie folgt zitiert: „Es werden Leute aus aller Welt kommen, um zu sehen, was wir hier machen.“ Und das wird noch einige Zeit dauern. Es fehlen vier weitere Türme. Faulí wagt kaum Prognosen: „Vielleicht haben wir in zehn Jahren damit angefangen. Oder erst 2040. Die Zukunft kennt nur Gott.“
Märchenhaft wirkt im Innern der Sagrada Família der geneigte Säulenwald. Fast unwirklich flutet das Licht durch die Buntglasfenster. „Es gibt keine dunklen Winkel“, sagt Führerin Christina Hartman. Wer in der Weihnachtszeit anreist, die in Spanien bis zum Dreikönigstag 6. Januar dauert, erlebt die abendliche Illumination der Geburtsfassade. Besonderen Messen oder Konzerte sind nicht geplant. (dpa)

