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Art DüsseldorfSollte sich Daniel Hug Gedanken machen?

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Eine Besucherin geht am Kunstwerk Man and Fisch aus dem Jahr 2020 von Tamara Kvesitadze vorbei. Die internationale Kunstmesse Art Düsseldorf vom 17.-19.4.2026 präsentiert die Angebote von rund 120 Galerien.

Eine Besucherin geht auf der Art Düsseldorf am Kunstwerk „Man and Fisch“ von Tamara Kvesitadze vorbei. 

Die Art Düsseldorf wächst und bewährt sich mit neuen Großgalerien und kuratierten Eingriffen als vielstimmige Bühne der zeitgenössischen Kunst.

Dass ausgerechnet eine Künstlerin aus dem sonnenverwöhnten Málaga den Stand der Berlinerin Galerie Carlier/Gebauer am Preview-Tag mit einem launig spritzenden Brunnen unter Wasser setzte, sollte nicht als schlechtes Omen verstanden werden. Lenor Serrano Rivas war mit ihrem Hingucker wohl nur den Vorgaben von Gilles Neiens gefolgt. Der neue künstlerische Leiter, der seit 2021 zum Team der im ehemaligen Industrieareal Böhler beheimateten Art Düsseldorf gehört, hat die Sektion „Next“ mit 19 Galerien in die übrigen Sektionen „Main“, „Next“, „Solo“, „Friends“, „Paper“ und „Fragile Realities“ gruppiert, was zwar für Verwirrung sorgte, aber auch manch eine junge Entdeckung garantierte.

Außerdem hat er mit kuratorischen Leitthemen der Werkauswahl seinen Stempel aufgedrückt. Zur Wahl standen „Panic Attack“, „Cosmic Feel“ und der japanische Begriff „õjigi“ für eine respektvolle Verbeugung. Während die Galerie Ludorff auf Abwehr ging und ihr Heimspiel trotzig mit einer gefälligen Mischung bestritt, von Heinz Mack über Alex Katz bis zu 290.000 Euro teuren Hundeporträts der Hyperrealistin Karin Kneffel, hat sich die aus Wien zum zweiten Mal angereiste Galerie 3 mit der Soloschau von Maria Legat gleich auf alle drei „in der Luft hängenden“ Themen eingelassen.

Es gab viel Lob für Gilles Neiens, den neuen künstlerischen Leiter

Für Gilles Neiens hatte Galeristin Lena Freimüller ohnehin nur Lob übrig: „Die Messe hat sich seit letztem Mal deutlich verbessert. Wir hatten auch schon viele interessierte Sammler an unserem Stand.“ Nicht ohne Grund heißt eine von Legats Serien „Zur Lage der Welt“. Ihre so zarten wie vielschichtigen Gemälde entstehen unter Verwendung von Kohle und hochpigmentierter Tinte auf Leinen und handeln von Umweltzerstörung, Gewalt und Geschlechterspannungen. Noch kosten die Großformate „nur“ 25.000 Euro. Das dürfte sich im Herbst mit Legats erster großer Werkschau in der Neuen Galerie Graz ändern.

Die Anzahl der aus Österreich angereisten 17 Galerien war auffällig hoch, was wohl schlicht daran lag, dass die beiden Wiener Messen, Viennacontemporary und die Spark, abgesagt wurden. Die achte Ausgabe der Art Düsseldorf weiß davon zu profitieren und verzeichnet mit 119 Ausstellern einen Zuwachs von 32 Galerien. Der Fokus in den zwei lichtdurchfluteten Schmiedehallen liegt weiterhin auf Zeitgenossenschaft und der Region. Gleichzeitig hält der Zustrom der Hauptstadt mit 31 Berliner Galerien an, etwa die renommierte Galerie Esther Schipper mit Standorten in Paris, Seoul und New York.

Ihr Stand ähnelte mit knallbunten Arbeiten von Simon Fujiwara, Julius von Bismarck oder Norbert Bisky einem mittelhochpreisigen Spielplatz. Die Düsseldorfer Sies + Höke verkauften nach wenigen Stunden eine ganze Serie von Gerhard Richter an eine deutsche Sammlung, konnten aber auch mit einem gewagten Stand glänzen, der mit Daniel Richters ängstlich herumirrenden Schattenfiguren in einer energetisch aufgeladenen Landschaft die Aufmerksamkeit auf sich zog, flankiert von Hedda Romans ganzflächig mit blauen Vögeln tapezierten Kojenwänden.  

Wir haben gestrahlt wie zu den besten Zeiten der Art Cologne
Benden & Ackermann

In diese Überwältigungsdisziplin konnte sich auch die 1992 geborene Spanierin Raquel Algaba am Stand von Reiners Contemporary Art aus Marbella mühelos einreihen. Im Fall ihrer verletzlich skulpturalen Figuren, die japanisch angehauchte Masken tragen, stehen Begriffe wie „Spiel“, „Mimesis“ oder „Illusionismus“ im Zentrum. Den Kontrapunkt zu diesen ins Fantastische abhebenden Bühnen fand man in den Kojen der Galerie Dittrich & Schlechtriem, wo Julian Charrière mit Bildern von düsteren, mit Unterwasserdrohnen aufgenommenen Eisformationen punktete, oder bei Encounter aus Lissabon, wo apokalyptisch verdunkelte Großstadtfotografien von Antony Cairns für 5000 Euro zu haben waren.  

Das Oszillieren zwischen Stimmungslagen war als Reaktion auf die turbulente Gegenwart offenbar gut angekommen. Der Kölner Thomas Rehbein lobte die gute Stimmung und freute sich über den Verkauf von jüngeren und älteren Positionen aus seinem Programm. Katja Andreae von der Galerie Andreae aus Bonn zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Die Resonanz war außergewöhnlich. Bereits am Ende des ersten Abends konnten Arbeiten von Rosalie Becher und Lucia Kempkes im Preisrahmen von 900 bis 10.000 Euro verkauft werden.“

Das bestätigt sie darin, dass angesichts einer „zunehmend prekären Marktdynamik künstlerische Ansätze, die sich auf Handwerk und Materialität rückbesinnen, durchaus Abnehmer finden“. Auch die Kölner Debütanten Benden & Ackermann, die demnächst einen Raum in Düsseldorf eröffnen, haben kleinere Arbeiten verkauft und erwarteten den Verkauf eines Warhols. „Wir haben gestrahlt wie zu den besten Zeiten der Art Cologne“, so die Galeristen. Sollte das Daniel Hug zu denken geben?


Art Düsseldorf im Areal Böhler, Düsseldorf, bis 19.4.2026