Köln – Es brennt coronamäßig an allen Ecken und jetzt auch am Bahnhof: Durch die Folgen der Pandemie sind die Presseumsätze im Bahnhofsbuchhandel in den Monaten März bis Mai um bis zu 60 Prozent eingebrochen, die Buchumsätze um bis zu 75 Prozent, meldet der Vorsitzende des Branchenverbands. Ihrer langen Öffnungszeiten und der prominenten Lage wegen fallen Personal- und Mietkosten der Bahnhofsbuchhandlungen besonders hoch aus. Kosten, die normalerweise durch den ebenso hohen Publikumsverkehr ausgeglichen werden.
Klar, das wird schon wieder. Irgendwann. Aber bis dahin muss konsolidiert werden, und das wird hoffentlich nicht zu Lasten des breitgefächerten Sortiments gehen, so dass Bahnhofsbuchhandlungen am Ende so vergleichsweise reizlos wie die entsprechenden Geschäfte in Flughäfen aussehen könnten.
Denn in ihrer nahezu aberwitzig erscheinenden Auswahl von bis zu 6000 Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen – geschuldet dem Umstand, dass diese nur hier direkt von den Verlagen bezogen werden dürfen –, sind die Bahnhofsbuchhandlungen auch einmalige Kulturorte.
So haben sie in den 50er Jahren wesentlich dazu beigetragen, das Taschenbuch durchzusetzen. Wo sonst wäre es möglich, an einem einzigen Ort von früh bis spät einen umfassenden Überblick über die Interessen und Leidenschaften seiner Mitmenschen zu erhaschen? Und auch darauf, was derzeit möglich ist, in der Kunst der Blattgestaltung? Also, besuchen Sie Ihre Bahnhofsbuchhandlung, frönen Sie Ihrer Leidenschaft.


