Die Musiker brachten am Mittwochabend in der Philharmonie unter anderem Werke von Rachmaninow und Brahms zu Gehör. Ein souveräner Auftritt, der aber Spielfreude vermissen ließ.
Borodin-Quartett in KölnNahtloser Fluss ohne spielerische Leichtigkeit

Eines der am längsten existierenden Streichquartett-Formationen der Welt: Das Borodin-Quartett
Copyright: Nikita Sharpan
Das 1945 gegründete Borodin-Quartett gehört zu den dienstältesten Streichquartetten der Zunft. Aber was besagt das eigentlich? Das russische Ensemble hat sich an allen Positionen schon mindestens zweimal erneuert; an der Primgeige sitzt bereits der vierte Sachwalter. Was ist noch da vom Geist jener legendären Truppe, die schon 1953 auf dem Begräbnis von Josef Stalin gespielt hat?
Im Rahmen der philharmonischen Quartett-Reihe waren vier Herren mittleren Alters zu erleben, die man in Stil, Klang und Präsentation in der Tat nicht gerade zur vitalen Avantgarde der Szene rechnen würde. In zwei Meisterwerken der russischen und deutschen Romantik entfalteten Nikolai Sachenko, Sergei Lomovsky (Violine), Igor Naidin (Bratsche) und Vladimir Balshin (Cello) ein technisch gediegenes, klanglich ausgewogenes Quartettspiel alter Schule.
Den Anfang macht das erste Streichquartett des Namenspatrons
An den Anfang des Abends hatten die Musiker das erste Streichquartett A-Dur ihres Namenspatrons Alexander Borodin gestellt; ein hierzulande eher selten gespieltes Stück, das durch hohen Formsinn und ausgefeilte Satzkunst besticht. Fast könnte man den beständigen Gang der Themen und Motive durch die vier Stimmen ein wenig akademisch finden – aber das Borodin-Quartett begegnete den Symmetrien des Stückes mit subtiler rhythmischer Freiheit, löste seine stabile Architektur in nahtlosem Fluss und gewandter Kommunikation auf.
Aus den raffinierten Flageolett-Wirkungen des Scherzo-Trios entwickelten die vier Streicher ein schwebendes Klang-Hologramm, die Anmutung einer entfernten Glasharmonika. Man hätte daraus ein effektvolles Kabinettstückchen machen können – aber das wäre der nachdenklich-diskreten, jede Selbstinszenierung auf sympathische Weise meidenden Spielhaltung des Quartetts wohl denkbar fremd gewesen.
Souverän durchgearbeitetes Brahms-Quartett
Das zweite Großwerk des Abends, Johannes Brahms’ B-Dur-Quartett Opus 67, hätte dagegen ein wenig mehr Oberflächenreiz durchaus vertragen können. Auch diese Darstellung war souverän durchgearbeitet und im Detail gut ausgeleuchtet, aber in den wechselnden Charakteren doch zu wenig pointiert. Es fehlte an spielerischer Leichtigkeit; der ironisch gebrochene Klassizismus des Stückes vermittelte sich nicht so recht.
Zwischen die beiden Hauptwerke hatte das Borodin-Quartett eine Romanze von Sergej Rachmaninow gestellt, den man als Streichquartett-Komponisten nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Im Programmablauf war das duftige, stimmungsvolle Stück nicht sehr zwingend, es wirkte eher wie eine vorgezogene Zugabe, von denen es am Ende des sehr beifällig aufgenommenen Abends noch weitere gab: Zwei bissig-bizarre Nummern aus Sergej Prokofjews „Visions fugitives“ sowie die besonnen ausgesungene Romanze aus Brahms’ c-Moll-Quartett.

