Die Junge Deutsche Philharmonie beendete ihre Tournee in Köln – unter der Leitung von George Benjamin und mit der virtuosen Geigerin Kim Bomsori.
Nachwuchs beweist starke LeistungUmjubeltes Abschlusskonzert der Jungen Deutschen Philharmonie

Dirigent Sir George Benjamin zeigte sich in der Kölner Philharmonie einem präzisen Schlag verpflichtet
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Die Wendung von düsteren Moll- zu strahlenden Dur-Akkorden markiert Anfang und Schluss von Richard Strauss’ sinfonischer Dichtung „Tod und Verklärung“. Dazwischen rekapituliert das 1888 entstandene Frühwerk jedoch ein ganzes Leben voll Heroik, Kampf, Sieg und Niederlage, Liebe und Leidenschaft. Erst nach allen Irrungen und Wirrungen des durchwanderten Lebenskreises macht der imaginäre Held schließlich auch seinen Frieden mit der eigenen Sterblichkeit. Denn im Tod vollendet sich das Leben.
Die Junge Deutsche Philharmonie verhalf allen Affekten dieser Lebensrückschau unter Leitung des britischen Komponisten und Dirigenten George Benjamin zu starkem Ausdruck. Nach Konzerten in Berlin, Ferrara und Perugia beendete diese Bestenauswahl aus Studierenden deutscher Musikhochschulen ihre aktuelle Arbeitsphase und Tournee mit einem umjubelten Abschlusskonzert in der Kölner Philharmonie.
Kim Bomsori agierte als Akrobatin
Anstelle des Orchesters durchmisst in Karol Szymanowskis erstem Violinkonzert das Soloinstrument als lyrisches Ich verschiedenste Charaktere. Das 1916 geschriebene Werk des polnischen Komponisten verdichtet den üblicherweise mehrsätzigen Sonatenzyklus auf einen einzigen Satz. In schneller Folge durchdringen sich verträumte Kantilenen, impulsiv drängendes Vivace, spielerisches Scherzo, furiose Kapriolen. Die 1989 geborene Südkoreanerin Kim Bomsori agierte als Akrobatin auf diesem Hochdrahtseilakt zwischen weich strahlendem Kantabile, zupackender Virtuosität, großer Dramatik und feiner Lyrik. Auf zart gehauchte Flageoletts folgten urplötzlich lebhafte Sprünge, keckes Tändeln und ein überraschend verhaltenes Ende – mit umso stürmischerem Applaus für die großartige Geigerin.
Dirigat sachlich-kühl
Das Orchester vollzog alle Launenhaftigkeit des Soloparts sympathetisch mit. Dabei wirkte Benjamins Dirigat eher körperlos und steif. Sachlich-kühl, einem präzisen Schlag verpflichtet, griff er allenfalls punktuell zu größerer Geste und Emphase. Sein eigenes „Concerto for Orchestra“ von 2021 lässt alle Instrumentalgruppen verschiedene Gedanken einwerfen, ohne damit in Dialog zu treten. Der auf Sinfonietta-Stärke reduzierte Apparat einigt sich erst langsam auf gemeinsame Richtungen: geballtes Tutti, weicher Teppich der Violinen für die Soloklarinette, Marsch, Agitato, Trommelkaskade, Cluster-Verdichtung und Rennen der Geigen. Doch alle Ansätze bleiben episodisch und werden folgenlos durch neue Impulse ersetzt, bis das Stück plötzlich mit dramatisch erregten Geigen über profund ruhenden Bässen endet.
Seine Tour d’Horizon mit Musik vom späten 19. zum frühen 21. Jahrhundert krönte die Junge Deutsche Philharmonie mit den rauschhaften Klangwellen von Claude Debussys orchestralem Meisterwerk „La mer“ – gefolgt von tosendem Applaus.

