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Kommentar

Der WDR beerdigt Cosmo
Am falschen Ende gespart

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3 min
Ein Logo des WDR (Westdeutscher Rundfunk) leuchtet auf dem Dach des Senders.

Ein Logo des WDR (Westdeutscher Rundfunk) leuchtet auf dem Dach des Senders. 

Aus der Radiowelle Cosmo wird im April 2027 1Live Street. Diese Entscheidung ist das völlig falsche Signal in Zeiten des Rechtsrucks.

Es heißt ja, wenn etwas aussieht wie eine Ente, sich bewegt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es aller Wahrscheinlichkeit nach auch eine Ente. Was aber, wenn man die Ente vertreibt, durch ein anderes Tier ersetzt und das dann auch noch an einem anderen Ort ansiedelt? Dann würde vermutlich niemand mehr von einer Ente sprechen.

Der WDR sieht das anders. Am Mittwoch hat der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders mit knapper Mehrheit zugestimmt, dass die Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi umbenannt und neuausgerichtet werden, wie es heißt. Das von WDR, rbb und Radio Bremen produzierte Programm von Cosmo soll vom Frühjahr 2027 an als 1Live Street und 1Live Diggi als 1Live Lounge auf Sendung gehen.

Die neuen Namen spiegeln laut dem Gremium die neue inhaltliche Ausrichtung der Sender wider. 1Live Lounge sei als Angebot mit entspannter Musik und einem Fokus auf Abschalten und Entspannung geplant. 1Live Street solle die Hip-Hop-Kultur stärker in den Mittelpunkt rücken und insbesondere Menschen mit internationaler Geschichte ansprechen.

Eine Frechheit ist die Umbenennung in 1Live Street

Umbenennung und Weiterentwicklung, so heißt das oft beim WDR, wenn in Wahrheit etwas den Sparbemühungen der Anstalt zum Opfer fällt. Dass der WDR sparen muss, steht völlig außer Frage, aber die faktische Abschaffung von Cosmo ist der Beweis, dass der WDR wieder einmal am falschen Ende ansetzt – bei Angeboten, die den Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks betreffen.

Cosmo, das bis vor knapp zehn Jahren noch Funkhaus Europa hieß, spricht Migrantinnen und Migranten und Menschen mit Migrationsgeschichte an. Im Jahr 2024 lebten rund 5,69 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in NRW. Das entspricht ungefähr 31 Prozent der Bevölkerung. Bei den Menschen unter 30 liegt der Anteil sogar bei rund 40 Prozent. Cosmo bietet laut seiner Homepage für sie und alle anderen Angebote in mehr als zehn Sprachen. Mit der Abschaffung der eigenen Marke Cosmo und der Bündelung unter dem Markennamen 1Live ist auch für viele dieser Sprachen Schluss. Neben den WDRforyou-Angeboten in Arabisch und Farsi soll es „ein weiterentwickeltes digitales Angebot in türkischer Sprache geben“. Das war’s.

Auch der Protest vieler Prominenter brachte nichts

Eine Frechheit ist zudem die Umbenennung in 1Live Street. Der WDR denkt vermutlich, das sei eine hippe Anlehnung an die Hip-Hop-Kultur, die man dort ja nun abbilden will. Weil alle Menschen mit Migrationsgeschichte am liebsten Hip-Hop hören? Cosmo stand immer auch für eine Musikauswahl jenseits des Mainstreams, die sich eben genau nicht durch den Fokus auf eine Musikrichtung auszeichnete. Eine Verengung auf Hip-Hop unter dem Dach einer Mainstream-Jugendwelle konterkariert genau diese Vielfalt.

Und was soll bitte dieses „Street“? Straße, das weckt Assoziationen an Leute, die auf der Straße rumhängen, weil sie sonst nichts Besseres zu tun haben. Friedrich Merz’ Stadtbild lässt grüßen. Migrantisches Leben in Deutschland ausgerechnet darauf zu reduzieren, ist, wenn man es gut mit dem WDR meint, gedankenlos, man könnte es aber auch rassistisch und klassistisch nennen.

96.000 Menschen hatten bis Freitagnachmittag die Fortsetzung einer ersten Petition aus dem vergangenen Jahr unterschrieben, die die Rettung von Cosmo forderte, darunter Prominente wie Herbert Grönemeyer, Luisa Neubauer, Fatih Akin, Düzen Tekkal und die Kölner Musiker AnnenMayKantereit, Patrice, Gentleman und Querbeat. Umsonst war der Protest nicht. Eine für den Rundfunkrat ungewöhnlich hohe Zahl stimmte gegen die Reform. Retten konnten sie Cosmo dennoch nicht.

In Zeiten eines dramatischen Rechtsrucks, in denen die AfD gezielt Stimmung gegen Menschen macht, die zur Kernzielgruppe von Cosmo gehören, beweist der WDR einmal mehr, dass auf ihn nicht zählen darf, wer es ernst meint mit dem Einsatz für eine diverse Gesellschaft