Es könnte die letzte Landung der kalifornischen Country-Rock-Legenden Eagles auf europäischem Boden gewesen sein. Das jedenfalls gab Bandleader und Gründungsmitglied Don Henley vorige Woche in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Blick“ bekannt: „Wir nähern uns dem Ende unseres Weges.“
Glenn Frey starb 2016 – Deacon Frey übernahm
Immerhin begann der lange Weg der Eagles schon 1971 und hätte eigentlich bereits vor drei Jahren enden sollen, als 2016 Gitarrist und ebenfalls Gründungsmitglied Glenn Frey verstarb. Doch Eagles-Songs sind für die Ewigkeit geschrieben worden, und so darf Freys Sohn Deacon in die übergroßen Fußstapfen seines legendären Vaters treten. Nicht nur er allein beweist, dass die Musik der Ikonen Generationen überdauert: Auch zahlreiche junge Gesichter in der bis zur Decke gefüllten Kölner Lanxess-Arena beweisen am Dienstagabend, dass Musik, wenn sie großartig genug ist, in einem Universum unabhängig von der Zeit existieren kann.
Neben Deacon Frey ist auch der Gitarrist und Sänger Vince Gill neu zu der Band dazugestoßen. In seiner Heimat, den USA, gilt er als einer der größten Songwriter des Country-Rock, bis nach Europa schwappte sein Erfolg allerdings nie so recht über. Zwar können Frey Jr. und Gill auch gemeinsam nicht die merkliche Lücke füllen, die durch Glenn Freys Abwesenheit auf der Bühne prangt, tröstlich sind sie dennoch – Gill vor allem durch seine tadellose Performance und der Art, wie er sich selbst zurücknimmt, um die Musik sprechen zu lassen.
„Seven Bridges Road“ startet das Konzert
Um kurz nach acht beginnen die Eagles also ihren vielleicht letzten Kölner Konzertabend mit dem mehrstimmig gesungenen „Seven Bridges Road“ und tauchen die Arena mit Projektionen von einem sternenklaren Nachthimmel und flirrenden Feen auf den drei Leinwänden – in eine magische Welt fernab der Welt da draußen.
Setlist
Seven Bridges Road
Take it Easy
One of these Nights
Take it to the Limit
Tequila Sunrise
Witchy Woman
In the City
I Can’t Tell You Why
New Kid in Town
Peaceful Easy Feeling
Love Will Keep Us Alive
Lyin’ Eyes
Don’t Let Our Love Start...
Those Shoes
Already Gone
Walk Away
Life’s Been Good
The Boys of Summer
Heartache Tonight
Funk #49
Life in the Fast Lane
Zugabe: Hotel California
Rocky Mountain Way
Desperado
Best of My Love
Von da aus geht es direkt weiter mit „Take it Easy“, den Hauptgesang darf Deacon übernehmen. Hinter ihm taucht eine Strandpromenade auf, die Palmen nur schwarze Silhouetten, als die untergehende Sonne den vielleicht kalifornischen Himmel in ein leuchtendes Orange hüllt. Da glaubt man ihm alles, als er singt: „Take it easy, take it easy/ Don’t let the sound of your own wheels drive you crazy“ („Nimm es leicht, nimm es leicht/ Lass dich nicht vom Lärm deiner eigenen Reifen verrückt machen“).
Die Szenerie auf den Leinwänden wechselt zu jedem Song, die Realität verschwindet stetig ein Stückchen mehr. „Wir spielen heute zweieinhalb Stunden für euch,“ verspricht Henley, „das ist eine ganz schön lange Zeit in unserem Alter!“ Doch tatsächlich merkt man den drei mittlerweile über 70-jährigen Urgesteinen der Band ihr Alter gar nicht besonders an. Lediglich beim verwaschenen Gesang von Gitarrist Joe Walsh hört man dessen allzu alkohol- und drogenlastige Vergangenheit heraus. Mit seinem Gitarrenspiel wird er dennoch zum heimlichen Star des Abends. Denn wenn er seine Soli spielt, die Saiten beugt, das Griffbrett hoch und runter gleitet, dann scheint er jeden Ton bis tief ins Innerste zu fühlen, dann scheint er eins mit seiner Gitarre zu sein.
Joe Walsh hat zwei Gitarren um den Hals
Bei der zweiten Zugabe, dem von ihm geschriebenem „Rocky Mountain Way“ hat Walsh gleich zwei Gitarren umgehängt, um mitten im Song wechseln zu können. Überhaupt ist es dieses letzte Drittel des Konzerts, dass das Publikum im bestuhlten Innenraum wie auf den Rängen endgültig von den Sitzen reißt.
Bei Hits wie „Heartache Tonight“ oder „Life in the Fast Lane“ steht kein Fuß mehr still. Und dann kommt „Hotel California“ als erster Song des Zugabenblocks und man wünscht sich einfach nur noch, dass diese Musik niemals endet. Als sich die Eagles dann im Anschluss an die vorletzte Zugabe, „Desperado“, Arm in Arm vor ihren Fans verbeugen, lodert die Wehmut, die den ganzen Abend schon leise vor sich hingeglüht hat, dann doch noch auf. Es fühlt sich an wie ein Abschied, als die Band ins Dunkel hinter der Bühne verschwindet.
