Tom Buhrow im RundfunkratJetzt spottet niemand mehr über den WDR

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Tom Buhrow

Köln – Sag niemals nie, diese Weisheit kennt auch WDR-Intendant Tom Buhrow. Aber wenn er „seinem“ Rundfunkrat berichtet, wie viele Gremien und Instanzen die Geschäfte des WDR kontrollieren, hört man am Ende doch heraus, dass die RBB-Affäre beim WDR niemals hätte passieren können. „Unsere Kontrollnetze sind deutlich engmaschiger als bei anderen ARD-Sendern“, sagt Buhrow, weshalb, so lässt er durchblicken, die übrigen Intendanten manchmal etwas mitleidig geschaut hätten. „Jetzt sagt niemand mehr, beim WDR ist es aber kompliziert.“

Dem WDR-Rundfunkrat wird ein Kuschelkurs mit Tom Buhrow nachgesagt

Kompliziert ist die Lage jetzt beim gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber aus anderen Gründen. Seit der Affäre um mögliche Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme beim RBB stehen die ARD-Sender, wie Buhrow beklagte, unter Generalverdacht. Dieses Thema prägte auch die Sitzung des WDR-Rundfunkrats am Mittwoch in Köln, zumindest ein wenig und sofern es die dicht gedrängte Tagesordnung erlaubte.

Offiziell ist der WDR-Rundfunkrat das oberste Kontrollgremium des Senders. Er vertritt gegenüber dem WDR die Interessen der Allgemeinheit, setzt sich aus 55 ehrenamtlichen Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zusammen und ist gegenüber Buhrow weisungsbefugt. Allerdings wird dem Aufsichtsrat ein Kuschelkurs gegenüber dem WDR-Intendanten nachgesagt, im „FAZ“-Gastbeitrag eines ehemaligen Mitglieds fiel sogar das böse Wort vom „Abnick-Verein“.

Der Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats, Rolf Zurbrüggen, wies diese Unterstellung in seinen einleitenden Worten empört zurück, um sie dann ungewollt zumindest teilweise zu bestätigen. Sein Lob der „exzellenten Kontrollstrukturen“ beim WDR hätte Tom Buhrow nicht schöner formulieren können.

Eine Rundfunkrätin, Karin Knöbelspies, meldete sogleich Zweifel an der ihrer Meinung nach im Gremium weit verbreiteten Identifikation mit dem WDR an. Statt „Wir-Gefühl“ brauche es mehr kritische Debatte und eine Diskussion über das Selbstverständnis des Rundfunkrats, dem im neuen Medienstaatsvertrag noch größere Befugnisse zukommen solle. Überhaupt scheint es nach Knöbelspies mit der Streitkultur des Gremiums nicht weit her zu sein. Abweichende Meinungen würden regelmäßig mit Augenrollen quittiert, und in den informellen „Freundeskreisen“ werde, so Knöbelspies, vieles in kleiner Runde ausgekungelt. Andere Räte nahmen insbesondere die „Freundeskreise“ gegen diese Kritik in Schutz.

An seine Kontrolleure sendete Tom Buhrow eine gemischte Botschaft

Anschließend nahm Tom Buhrow Stellung zum Alltagsgeschäft des Senders und erläuterte aus seiner Sicht, was er abwechselnd als „ungewöhnliche Zeiten“, „turbulente Tage“ oder „dramatische Ereignisse“ bezeichnete: die RBB-Affäre. Für Buhrow liegt das Hauptproblem des östlichen Schwestersenders in zu grobmaschigen Kontrollinstanzen und mangelnder Transparenz. Sein Vorschlag, den er dem Rundfunkrat zur Krisenbewältigung der ARD vortrug, lautete, leicht verkürzt: Lernen vom WDR.

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Ansonsten sendete der WDR-Intendant eine gemischte Botschaft an seine Kontrolleure. „Eine kleinteilige Aufsicht“, sagte Buhrow, „ist oft genug anstrengend, aber sie macht uns besser und vor allem sicherer.“ Das war als Lob und Ermunterung gemeint. Später schickte er sicherheitshalber aber noch eine Ermahnung hinterher: „Nicht nur die Kontrolle, die ablehnt, ist eine gute Kontrolle.“ Merke: Beim WDR muss man auch gönnen können.

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