Der Ludwigshafener Rapper und Sänger ist in der Mitte des Mainstreams angekommen: In Köln werden 90.000 Menschen seine fünf Shows in der Lanxess-Arena erleben.
Fünf Konzerte in KölnHier tanzt Apache 207 auf seinem Privatjetflügel

Apache 207 am Sonntagabend (10. 1. 2026) in der Kölner Lanxess-Arena
Copyright: Dirk Borm
„Fliegen, schweben, fallen.“ Die Stimme einer unsichtbaren Flugbegleiterin beschwört Träume, so alt wie die menschliche Kultur. Sie seien alle aus derselben Sehnsucht geboren, ergänzt die Stimme: dem Tanz zwischen Aufstieg und Kalkül. Zwischen dem Hochgefühl des Kontrollverlusts, möchte man ergänzen, und der Allmachtsfantasie, sämtliche Hindernisse schwerkraftlos überwinden zu können.
In „Komet“, seiner gemeinsamen Erfolgssingle mit Altrocker Udo Lindenberg, vergleicht sich der Ludwigshafener Rapper-Sänger Apache 207 mit einem Kometen, „der zweimal einschlägt“. Obwohl nichts und niemand zweimal einschlagen kann (und der Komet dann ein Meteorit wäre). Aber es ging ja schließlich um einen prinzipiell unmöglichen Wunschtraum. Die Menschen verstanden das genau und lauschten dem Lied so lange und intensiv, dass es sämtliche Rekorde brach und sich 21 Wochen lang an der Chartsspitze hielt – länger als jedes andere in der deutschen Musikgeschichte.
Als Pilotenuniform trägt Apache einen Zweireiher mit dicken Goldknöpfen
In Köln tut es jetzt einen Knall, der schwarze Vorhang fällt und gibt den Blick auf einen Bombardier-Privatjet frei, Flügelspannweite 21 Meter, der mitten in der Arena gelandet ist. Die obere Hälfte des Flugzeugrumpfs hebt sich, zugleich fährt der Mann, der uns in den folgenden zwei Stunden durch sämtliche Turbulenzen steuern wird, aus dem Cockpit nach unten. In aller Ruhe erhebt sich der Zwei-Meter-Mann, beugt den Rücken durch, lässt sich von 18.000 Fans feiern. Als Pilotenuniform trägt Volkan Yaman, wie der türkisch-rheinland-pfälzische Fantasie-Indianer bürgerlich heißt, einen glitzernden schwarzen Zweireiher als Pilotenuniform, mit extradicken Goldknöpfen.
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Jeden einzelnen davon hat er sich redlich verdient. Obwohl der nach Karl Lagerfeld prominenteste deutsche Zopfträger gerade erst sechs Shows in Dortmund und Oberhausen ausverkauft hat, füllt er die Lanxess-Arena gleich fünfmal hintereinander, 90.000 Menschen werden dann erlebt haben, wie die Apachenträume vom absturzlosen Fliegen in Erfüllung gehen, ganz ohne Kerosin, nur mit ein paar Gaskartuschen für eindrückliche Feuerstöße von der Bühne.

Apache 207 in der Kölner Lanxess-Arena
Copyright: Dirk Borm
Gleich im ersten „Lied für Dich“ verrät Apache, wo die Reise hingeht: „Im vollen Tourbus als Schlagersänger chillen, war schon immer mein Traum“, singt er da, und die implizierte Ironie kann man guten Gewissens streichen, er steuert die Mitte des Mainstreams an, womöglich ist er dort längst angekommen. „Mama, schau her, Dein Sohn hat es endlich geschafft, Du wurdest eine Millionärin über Nacht“, heißt es in „Fame“, dem zweiten Song des Abends. Der ist schon von 2019. Die Fliegerbühne wippt, das Publikum wippt mit. Zum ersten Mal hat sich Apache eine vierköpfige Band geleistet, das ist nur konsequent, denn längst singt er häufiger, als dass er rappt – und das kann er ja auch besser.
Wenn Helene Fischer mal nicht mehr will, wollen wir im ZDF die Apache-Weihnachtsshow sehen. Nur gelegentlich greift er noch mal auf Hip-Hop-typische Macho-Themen zurück – Bitches, Beine brechen, Betäubungsmittelmissbrauch –, und auch das nur mit knuffigem Augenzwinkern wie der späte Snoop Dogg. Er ist ein sympathisches Schlitzohr, einer, der selbst vor vollen Rängen einfach sagt, was er gerade denkt, der Hände schüttelt, aufgedrehte Fans auf die Bühne holt, für Selfies posiert, die Nase putzt und zwischendurch immer mal wieder gemütlich an einer Zigarette zieht.
Und wenn er auf einer Hebebühnen-Wolke durch die Menge gefahren wird und der Song, den er dazu singt (logischerweise „Wolken“), nicht ganz für eine Arena-Umrundung ausreicht, lässt er einfach Reinhard Mey vom Band spielen – „Über den Wolken“ ist seit der Haftbefehl-Doku ohnehin der generationenübergreifende Konsens-Hit – und zündet sich einfach noch mal eine an. „Ihr könnt mich nicht nicht lieben!“, ruft Apache in „Coco Chanel“ aus, und in dieser doppelten Verneinung liegt das ganze Geheimnis seines Erfolgs.
Zum Finale, die Band hat er schon in den Feierabend geschickt, rappt Apache 207 noch einmal den Hit, der ihm vor sechs Jahren den Durchbruch bescherte. „Apache bleibt gleich“, verspricht er im Refrain von „Roller“, ein Versprechen, so unmöglich wie ein zweimal einschlagender Komet. Aber ihm glaubt man diesen Zaubertrick: maximal geerdet über den Wolken zu schweben.

