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Kölner Autorin von LucadouSo tickt die Generation TikTok

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Julia von Lucadou 

Köln – Der 15 Jahre alten Mette steht die Welt offen: Die hochbegabte Schülerin besucht ein Elite-Internat in Bad Godesberg. Ihre Eltern sind vielleicht ein wenig anstrengend-besorgt, aber wer kommt schon in diesem Alter gut mit Erwachsenen klar?

Doch Mette ist wütend. Sie will nicht mehr funktionieren. Sie will das Spiel der Erwachsenen nicht mehr spielen und unterwirft sich stattdessen den Regeln eines viel brutaleren Regimes: Sie sehnt sich nach Anerkennung in den sozialen Medien. Bekommt ein TikTok-Video viele Likes, ist es ein guter Tag.

Warum legt sich Anna auf die Gleise am Kölner Hansaring?

Und so ist zu Beginn auch nicht klar, ob sie sich wirklich das Leben nehmen wollte, als sie sich am Kölner Hansaring auf die Gleise legte, oder ob es ihr nur darum geht, mehr Follower zu gewinnen.

Mit genau diesem Video ruft sie Jo auf den Plan. Der ist zehn Jahre älter und der Halbbruder ihrer Mitschülerin Mia. Jo ist ebenfalls hochbegabt, hat aber die Uni geschmissen, haust nun in seinem Zimmer und steigert sich in seinen Hass und seine Verschwörungserzählungen hinein.

Poster-Girl der Querdenker-Szene

In Mette, die bei allem Frust und aller Wut immer auch einen schlauen Humor durchblitzen lässt, hat er sein perfektes Poster-Girl, seine Anti-Greta, gefunden. Er baut sie zum jugendlichen Star der Querdenker-Szene auf. Und obwohl sie so vieles versteht, sieht sie nicht, wozu ihr vermeintlicher Mentor sie missbraucht.

Julia von Lucadou legt mit ihrem zweiten Roman „Tick Tack“ einen klugen Kommentar zur schönen, neuen digitalen Welt und ihren Fallstricken vor. Lange vor Ausbruch der Corona-Pandemie hatte sie begonnen, in der Szene der Verschwörungserzähler zu recherchieren.

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Dann holten sie die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre ein und ihr Roman wurde zu einer Art Live-Kommentar einer Entwicklung, vor der die Mehrheitsgesellschaft oft nur mit einer Mischung aus Staunen und Gruseln steht. Das Tempo der Erzählung ist hoch, fast atemlos und passt sich perfekt dem Pulsschlag des Internets an. Die Sprache einer Jugendlichen trifft von Lucadou, selbst Jahrgang 1982, erstaunlich genau, aufgesetzt klingt sie dennoch nie.

Wer verstehen will, wie Radikalisierung im Internet geschehen kann, sollte diesen Roman lesen.

Julia von Lucadou stellt ihren Roman „Tick Tack“ an diesem Montag, 16.5., 19.30 Uhr, im Gespräch mit Anne Burgmer im Literaturhaus Köln vor.