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Kölner PhilharmonieProgramm für die Spielzeit 2026/27 vorgestellt

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Ein Mann lächelt in die Kamera.

Star-Pianist Igor Levit kommt im Oktober 2027 nach Köln. (Archivbild)

Erstmals verantwortet die neue Intendantin Ewa Bogusz-Moore die Konzertplanung. Mit dabei: Prominente Gastauftritte, neue Abo-Formate und eine Feier zum 40-jährigen Jubiläum.

„Nachhallende Momente – gestern, heute, morgen!“ Klar, dass man als Zuhörer der Publikumskonferenz zur kommenden Spielzeit von KölnMusik mit Blick auf das Motto vor allem auf das Morgen gespannt war. Ewa Bogusz-Moore, die neue Intendantin der Kölner Philharmonie in der Nachfolge von Louwrens Langevoort, stellte am Donnerstag die erste von ihr verantwortete Spielzeit – 2026/27 – vor, und zwar nicht (nur) vor der üblichen Journalisten-Schar im Foyer, sondern vor vielen Musikfreunden, die sich Eintrittskarten hatten besorgen müssen, auf dem Podium des Konzertsaals. Offene Türen „für alle“ – diese Botschaft sollte offenkundig nachdrücklich vermittelt werden.

Dramaturgisch hatte diese Start-Veranstaltung der frischen Intendanz noch durchaus Luft nach oben – um es einmal so zu formulieren. In der nächsten Spielzeit wird nicht nur die Philharmonie 40 Jahre alt, sondern auch die verdienstvolle „Philharmonie im Veedel“-Reihe mit ihren engagierten Baby-Konzerten („Babys sind das gnadenloseste Publikum“) immerhin 20.

Große Feier anlässlich des Philharmonie-Jubiläums geplant

Allerdings: Diesem Aspekt der philharmonischen Arbeit bei der Programmvorstellung rund ein Drittel des Zeitvolumens zu widmen, sprengt jede vernünftige Proportion. Das Philharmonie-Jubiläum soll übrigens groß gefeiert werden, unter anderem mit einem Konzert am 14. September. Das Gürzenich-Orchester mit Andrés Orozco-Estrada, das WDR Sinfonieorchester unter Jörg Widmann und ein von Paul Krämer geleiteter Projektchor des Netzwerks Kölner Chöre spielen und singen Werke von Mendelssohn, Brahms, Strauss und Widmann.

Eine Frau hält eine Geige in den Händen und lächelt in die Kamera.

Wird ein Solo-Konzert in der Kölner Philharmonie geben: Violinistin Isabelle Faust. (Archivbild)

Bogusz-Moore las ihre beiden längeren Statements vom Laptop ab – mit eklatant verbesserter deutscher Aussprache. Trotzdem wäre ein zur Not auch auf Englisch geführtes Podiumsgespräch mit der Moderatorin besser gewesen. Wichtige Infos – zur Zukunft der Lunch-Konzerte, zu den Festivals „Acht Brücken“ und „Felix!“ – kamen auf dem Podium überhaupt nicht dran, und am Schluss langweilte stattdessen ein Treppenhaus-Orchester aus Hannover mit monoton repetitiven Disco-Klängen.

Junge Klänge und alte Bekannte

Sicher, auch das war ein Statement – im Sinne einer weiteren Öffnung der philharmonischen Agenda. Bogusz-Moore ließ keinen Zweifel daran, dass sie nicht nur das etablierte Philharmonie-Publikum halten, sondern auch ein neues, junges gewinnen will. KölnMusik ist schließlich ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen und muss – in diesen Zeiten erst recht – die Zuwendungen der öffentlichen Hand durch „Kundenzustimmung“ in der Breite legitimieren.

Ein Mann trägt einen schwarzen Smoking und blickt nach links. (Archivbild)

Das Chicago Symphony Orchestra kommt mit seinem künftigen Chefdirigenten Klaus Mäkelä nach Köln. (Archivbild)

Was ihre Agenda anbelangt, so bläst Bogusz-Moore freilich nicht zur Revolution. Schaut man sich die Abo-Formate an, so begegnen einem viele gute, alte Bekannte aus Langevoort-Zeiten. Etliche von ihnen werden indes modifiziert, weiterentwickelt, modernisiert, wenn man so will. Unter der Marke „Come closer“ etwa werden künftig Kammermusik, Lied und Quartetto (also Streichquartett) zusammengefasst. Die umgreifende Idee: Der Konzertsaal soll für Kammerkonzerte so hergerichtet werden, „dass beim Publikum das Gefühl entsteht, der Musik näher zu sein“. Genaueres wurde noch nicht mitgeteilt, man darf gespannt sein.

Familien-Abos

Unter „Familien“ sind künftig das „Sonntags um vier“ – und ein neues „Familien“-Abo zusammengefasst. Durch die fünf „Sonntags um vier“-Kurzkonzerte für alle Generationen – unter anderem mit der Kammerakademie Potsdam, dem Ensemble Resonanz und Concerto Köln – führt die Radiomoderatorin Charlotte Oelschlegel, und die vier Konzerte des Familien-Abos werden inszeniert – Bachs Weihnachtsoratorium etwa wird da zum Historiendrama.

Gaststars

Wie stets ist die Philharmonie in der kommenden Saison der Ort illustrer Gastauftritte: Das Chicago Symphony Orchestra kommt mit seinem künftigen Chefdirigenten Klaus Mäkelä; erneute Begegnungen gibt es mit den Wiener Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Royal Concertgebouw Orchestra. Das Publikum darf sich auf Dirigenten wie Simon Rattle, Yannick Nézet-Séguin und Lorenzo Viotti sowie Sinfonien von Mahler, Tschaikowsky, Beethoven und Messiaen freuen. Unter den Solisten, die nach Köln zurückkehren, sind Isabelle Faust, Bomsori und Patricia Kopatchinskaja. Solorecitals spielen Pianisten wie Eric Lu, Alice Sara Ott und Jan Lisiecki. Schließlich kommt Igor Levit im Rahmen seines NRW-Zyklus mit den Beethoven’schen Klaviersonaten im Jubiläumsjahr 2027 am 19. Oktober auch nach Köln.

Acht Brücken reduziert

Die ersehnten Infos wurden von KölnMusik dann noch nachgereicht, fanden sich zum Teil auch in der Papierform der Veranstaltung: Aus „Acht Brücken – Musik für Köln“ wird „Acht Brücken – Musik in Köln“ mit Konzerten ausschließlich in der Philharmonie und Künstlern überwiegend aus der Kölner Szene. Weil der städtische Zuschuss entfällt, stehen hier die Zeichen deutlich auf Abspeckung. Das Spektrum der aktuellen Musik soll sich allerdings hin zu kölschen Tönen und Global Music erweitern.

Originalklang

Das Originalklangfestival „Felix“ wird nicht fortgesetzt, der Originalklang vielmehr Gegenstand eines (auf die komplette Saison verteilten) Wahlabos: Das Publikum kann sich aus zehn Konzerten mit Ensembles, die sich dem Klang auf historischen Instrumenten widmen, fünf aussuchen. Da sind echte Highlights zu erwarten: etwa Mahlers neunte Sinfonie mit dem Mahler Academy Orchestra unter Philipp von Steinaecker, Salieris Oper „Falstaff“ mit B’Rock unter René Jacobs oder Alessandro Stradellas Oratorium „San Giovanni Battista“ mit dem polnischen Star-Counter Jakub Józef Orlinski.

Neues Tanzfestival

Bogusz-Moore kündigte allerdings noch ein neues Festival an: „In Motion“ beschäftigt sich vom 28. bis 31. Oktober 2026 mit Musik und Tanz. Hochkarätige Formationen werden ihre Programme choreografisch aufbereiten, einige der Konzerte – unter anderem mit der Cappella Mediterranea, den zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker und Le Concert de la Loge – beide Kunstformen auf der philharmonischen Bühne verbinden.

Probebesuche

Schließlich „PhilharmonieLunch“. Daraus wird „PhilharmonieProbe“: Um gesundheitsgefährdendes Eintrittschaos für die Besucher künftig zu verhindern, müssen Interessenten für 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro) vorab einen festen Platz buchen. Der Vorverkauf beginnt jeweils vier Wochen vor dem Probentermin. Die Gebühr soll für soziale Einrichtungen oder Gruppen einen kostenfreien Zugang zu „PhilharmonieProbe“ ermöglichen.