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Nachruf auf Rudolph KuperEr machte Köln zu einem Weltzentrum der Wüstenforschung

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Kuper mittig im Kreise von Kollegen der Kölner Wüsten-Forschung

Rudolph Kuper mittig im Kreise von Kollegen der Kölner Wüsten-Forschung

Rudolph Kuper war nicht nur Pionier der Braunkohlenarchäologie, sondern machte die Sahara-Forschung der Uni Köln zu einer der weltweit ersten Adressen. 

Wer in der Ehrenfelder Jennerstraße, knapp unterhalb des Bahndamms, das Gelände mit barackenähnlichen Bauten betritt, ahnt kaum, dass sich hier eines der weltweit bekanntesten Zentren zur Erforschung der Klima- und Kulturgeschichte Afrikas befindet. Initiiert wurde das Barackendorf vor 40 Jahren von Rudolph Kuper. Ab 1984 organisierte der Ur- und Frühgeschichtler der Universität zu Köln von hier aus Dutzende von Wüstenexpeditionen und führte die deutsche Sahara-Forschung zu internationalem Rang.

Wer einmal in der Wüste war, heißt es, der verfällt ihr – oder er fährt nie wieder hin. Das Wüstenfieber packt Kuper 1960, als der Abiturient durch Ägypten trampt. Als Student ist er 1962 mit dem Ethnologen Hans Rhotert auf den Spuren des deutschen Sahara-Forschers Heinrich Barth in Westlibyen unterwegs. „Ich wusste sofort: Hier möchte ich arbeiten.“

Pionier der Archäologie in der rheinischen Tagebauwüste

Darauf musste er 20 Jahre warten. Noch als Student initiiert er 1968 die Kölner Arbeitsgemeinschaft „Aldenhovener Platte“ und ist verantwortlich für das flächenmäßig größte archäologische Grabungsfeld in Europa – die rheinische Tagebauwüste. Die Wissenschaftler ergraben das frühe Neolithikum, vor allem Fundplätze der Bandkeramischen und der Rössener Kultur, bevor sie unter den Baggern landet. Kuper: „Es war die einmalige Chance, eine ganze Landschaft im permanenten Suchschnitt zu ergraben.“ Für seine Pionierleistung erhält er 1993 den ersten Archäologiepreis der Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier.

Was ihn auszeichnet: Er erkennt Chancen und ergreift Initiative. 1978 konzipiert er für die Josef-Haubrich-Kunsthalle die Ausstellung „Sahara – 10.000 Jahre zwischen Weide und Wüste“ – ein Publikumsrenner. 1984 ruft er die „Forschungsstelle Afrika“ am Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität zu Köln ins Leben, 1995 dann im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft den interdisziplinären Sonderforschungsbereich „ACACIA“ zur Erforschung der Kultur- und Klimageschichte Nordafrikas.

Leidenschaftlicher Wüstenforscher

Kuper wirbt um Fördergelder und Sponsoren, organisiert die auch bürokratisch aufwendige Wüsten-Logistik, nimmt auch Wissenschaftsjournalisten mit in die Sahara. Mit einer Flotte von Geländefahrzeugen reisen Archäologen, Geografen, Biologen, Linguisten, und Ethnologen in die menschenleeren Regionen Ägyptens, des Sudans, Tschads, Libyens und Namibias. Dort belegen sie: Die größte Heißwüste der Welt ist vor 10.000 Jahren eine weite Feuchtsavanne mit Seen und Flüssen. Hier weiden Tiere, wächst Wildgetreide, leben Nomaden, deren Steinwerkzeuge, Wegmarkierungen oder Felsbilder die Forscher dokumentieren. Als das Klima wieder trockenheiß wird, wandern die Klimaflüchtlinge an den Nil und werden, so Kuper, „zum Motor der frühen ägyptischen Hochkultur“.

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI), die Universität zu Köln und Kollegen weltweit würdigen den jetzt mit 89 Jahren gestorbenen Träger des Bundesverdienstkreuzes als leidenschaftlichen Forscher, engagierten Netzwerker und Warner vor der Verwüstung der Wüsten durch Rohstoffabbau und Tourismus: Kuper verknüpfte früh Archäologie und Naturwissenschaften, entwickelte großflächige Grabungsmethoden im Braunkohlentagebau und einen fach- und länderübergreifenden Ansatz zur Erkundung des Kultur- und Landschaftswandels. „Sein Engagement und seine Herzlichkeit haben bei allen, die ihn kennenlernen und mit ihm arbeiten durften, einen bleibenden Eindruck hinterlassen“, schreibt das Kölner Heinrich-Barth-Institut.

Vielleicht wird sein Wirken nirgendwo schöner sichtbar als in dem Kölner Grabungshaus in der Oase Dakhla, das er als landesüblichen Lehmziegelbau errichten ließ – als Treffpunkt für Forscher und Studenten, als Ort des Austauschs und des Aufbruchs. „Archäologen müssen mehr Zeit im Gelände verbringen als hinter dem Schreibtisch“ – die gelebte Überzeugung eines leidenschaftlichen Wüstenforschers.