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Rekordpreis für Frida KahloDer Tod ist ein still lächelnder Bettgenosse

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Das Selbstporträt "El sueño (La cama)", übersetzt: Der Traum (Das Bett), der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo wird von zwei Mitarbeitern von Sotheby's gehalten.

„Der Traum (Das Bett)“ der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo erzielte einen Rekordpreis beim Auktionshaus Sotheby's. 

Das Frida-Kahlo-Gemälde „Der Traum“ wurde für die Rekordsumme von 54,6 Millionen Dollar versteigert. Bald kommt es nach Bonn. 

Wer sich in die Kölner Frida-Kahlo-Erlebniswelt begibt, findet sich bald im Bett der mexikanischen Künstlerin wieder. Aber keine Sorge, es ist kein Lotter-, sondern Kahlos Krankenbett, auf dem wir, die VR-Brille auf der Nase, durch eine aus Motiven ihrer berühmten Gemälde animierte Kulissenwelt fliegen. Man könnte dieses Erlebnis als Kitsch verdammen, würde es nicht dem Werk der Künstlerin so nahekommen.

Auf ihrem Gemälde „Der Traum (Das Bett)“ schwebt Kahlo selbst als traumverlorene Schläferin in ihrem Bett durch einen bewölkten Himmel, begleitet vom leibhaftigen Tod, der sich auf dem Baldachin über ihr ausgestreckt hat; seinen Kopf ruht er auf zwei übereinander gestapelten Kissen aus. Trotz der Dynamitstangen, die um seine Beine gebunden sind und einen surrealen Kontrast zum Blumengebinde vor seiner Brust bilden, scheint der Tod nicht als Albdruck auf der Malerin zu lasten. Sie schläft selig unter ihm, umrankt von Blättern, eher beschützt als bedroht.

Frida Kahlo begann im Krankenbett zu malen

Seit Donnerstagabend New Yorker Ortszeit ist Kahlos 1940 entstandener „Traum“ offiziell das teuerste Werk, das jemals von einer Künstlerin geschaffen wurde – beim Auktionshaus Sotheby’s fand es für 54,7 Millionen US-Dollar (etwa 48 Millionen Euro) einen Abnehmer. Geschlechtsbereinigt rangiert Kahlo damit zwar unter ferner liefen (in dieser Woche wurde ebenfalls bei Sotheby’s ein Gemälde Gustav Klimts für 236,4 Millionen Dollar versteigert), aber wer will, kann diese Preisentwicklung gerne als Beitrag des Kunstmarkts zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen sehen.

Für Sotheby’s ist die Rekordmeldung eine willkommene gute Nachricht nach vielen schlechten in diesem Jahr – beinahe konnte man auf den Gedanken kommen, das weltweit führende Auktionshaus mit einem Jahresumsatz von zuletzt immer noch sechs Milliarden Euro, wäre so kränklich, wie es Frida Kahlo beinahe ihr ganzes Leben gewesen war. Als Sechsjährige litt sie an Kinderlähmung, als 18-Jährige trug sie nach einem schweren Verkehrsunfall mehrere Monate ein Gipskorsett – und begann im Krankenbett zu malen.

„Ich habe Schmerz in Schönheit verwandelt“, schrieb Kahlo in ihr Tagebuch, und diese Form der Alchemie machte sie weit über ihr Heimatland Mexiko hinaus berühmt. Sie verband Stilelemente der aus Europa importierten surrealistischen Malerei mit Motiven der mexikanischen Volkskunst – der Rekord-Traum ist dafür eines der schönsten Beispiele. Tod und Sterblichkeit sind bei Kahlo keine Feinde des Lebens, sondern stete Begleiter, Mitglieder der Menschheitsfamilie – und manchmal sogar ein still lächelnder Bettgenosse.

Über den Käufer des Bildes schwieg sich das Auktionshaus aus. Aber er oder sie wird die Verpflichtungen des Vorbesitzers übernehmen müssen, der zusagte, den „Traum“ in den nächsten Jahren für mehrere Ausstellungen an Museen auszuleihen. In der Bonner Bundeskunsthalle wird es ab Dezember 2026 in der Gruppenschau „Lateinamerikanische Künstlerinnen“ zu sehen sein.