Kim PetrasErste Transfrau an der Spitze der US-Charts ist auch die erste Kölnerin

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Kim Petras, in Köln geborene Sängerin

Köln – Die Billboard Hot 100 Charts haben in dieser Woche eine neue Nummer Eins: „Unholy“, die gemeinsame Single von Sam Smith und Kim Petras hat Steve Lacys charmantes Funk-Stück „Bad Habit“ vom Thron gestoßen. Und damit Geschichte geschrieben. Denn Sam Smith ist die erste nicht-binäre Person und Kim Petras die erste Trans-Person an der Spitze der US-Charts.

Smith ist zwar Chart-Erfolge gewöhnt, seit 2014 führte er/sie acht Mal die Charts im heimischen Großbritannien an, in den USA reichte es bislang jedoch nur zum 2. Platz, 2014 mit der Single „Stay With Me“. 2015 sang Smith den Titelsong des James-Bond-Films „Spectre“, 2017 outete er/sie sich als nicht-binär. In den Hitparaden war es um Smith zuletzt eher ruhig geworden.

Die deutsche Sängerin und Songschreiberin Kim Petras wird bereits seit geraumer Zeit als Geheimtipp gehandelt, in LGBTQ-Kreisen ist sie mit ihrem Hyperpop freilich längst ein Star. Petras wurde 1992 als Junge geboren, begann jedoch bereits im Alter von zwei Jahren bevorzugt Mädchenkleidung zu tragen. Mit fünf Jahren, so hat es sie es in einem Interview mit der „Zeit“ erzählt, sei sie mit einer Schere durch ihr Zimmer gerannt, um sich von dem Geschlechtsmerkmal zu befreien, mit dem sie sich nicht identifizieren konnte.

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Ihre Eltern zeigten von Anfang an Verständnis für die Wünsche ihres Kindes, ihre Umgebung, von konsultierten Ärzten bis zu den Mitschülern, eher nicht. Auf dem Pausenhof wurde Petras gemobbt – und flüchtete sich früh in die Popmusik.

Der Erfolg mit „Unholy“ – in den vergangenen Wochen hatte der Dance-Track bereits die englischen Charts dominiert – bedeutet für sie die Erfüllung eines langgehegten Traums. Und auch für die Menschen aus Köln und Umgebung markiert die neue Nummer-Eins ein historisches Datum: Kim Petras ist in Köln geboren, aufgewachsen ist sie im Hennefer Stadtteil Uckerath. Kein Mensch aus Köln stand je zuvor an der Spitze der Billboard-Charts. 

Auch AnnenMayKantereit waren in den US-Charts

Es ist nicht der erste Hit aus NRW: Kraftwerk aus Düsseldorf erreichten 1975 mit „Autobahn“ Platz 25 (in den Album-Charts sogar Platz 5), Nena aus Hagen schaffte es 1983 mit „99 Luftballons“ sogar bis zur Nummer 2. Zuletzt war das in Köln gegründete Trio AnnenMayKantereit mit einer Coverversion von Susan Vegas „Tom’s Diner“ in die amerikanischen Charts eingestiegen, auf Platz 78.

Als Kind, sagte Petras gegenüber der BBC, hätte sie es gerne gesehen, wenn eine Transfrau oder ein Transmann Nummer Eins geworden wären, aber nicht für möglich gehalten. „Unholy“ ist nun ein echter Überraschungserfolg, ein sexuell aufgeladener Club-Banger, theatralisch, kitschig, schwul. Und viel näher an Kim Petras‘ Verständnis von glänzendem Plastik-Pop, als an Smiths verletzlicher Balladenkunst.

Sam Smith veröffentlichte ersten Teaser auf TikTok 

Schon vergangenen August hatte Smith erste Teaser auf TikTok veröffentlicht. Ein Video, das Smith am Mischpult mitsingend und Petras hinter ihm durchs Studio tanzend zeigt, wurde mehr als 35 Millionen Mal gesehen. Das offizielle Video der Regisseurin Floria Sigismondi – die unter anderem für Clips von David Bowie, Katy Perry, Rihanna und Dua Lipa verantwortlich zeichnet – kommt sehr viel opulenter daher, es zeigt einen betrügerischen Ehemann, dem in einem queeren Cabaret-Club genüsslich der Prozess gemacht wird. Es wurde inzwischen knapp 30 Millionen Mal angeklickt.

In Deutschland erlangte Kim Petras bereits als 13-Jährige Fernsehruhm, als sie zusammen mit ihren Eltern bei „Stern TV“ auftrat und ihre Hormonbehandlung beschrieb. Im darauffolgenden Jahr konnte man sie in der Vox-Reportage „Mann oder Frau?“ sehen. Im November 2018 gab Petras auf ihrem Blog bekannt, geschlechtsangleichend operiert worden zu sein. Damit galt sie als die weltweit jüngste Transsexuelle, die sich dieser Behandlung unterzogen hatte.

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Kurz zuvor hatte sie ihre erste Single „Fade Away“ in Deutschland veröffentlicht. Doch deutsche Musikmanager fanden ihren Stil zu Pop-lastig, woraufhin Petras 2011 nach Los Angeles umzog, zuerst als Songschreiberin erste Erfolge fand und bald auch ihre ersten Singles, EPs und Alben unter eigenem Namen herausbrachte. Mit einem Cover von Kate Bushs „Running Up That Hill“ war sie dieses Jahr schon einmal in die Hot 100 eingestiegen.

Auf „Unholy“ soll bald ihre Solo-Single „If Jesus Was A Rockstar“ folgen, produziert hat die Max Martin, der erfolgreichste Hitmacher aller Zeiten. Die Chancen für die gebürtige Kölnerin, bald erneut die US-Charts anzuführen, stehen also nicht schlecht.

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