Kay Voges und das Team von Schauspiel Köln und Tanz Köln stellen ihr Programm für die erste Spielzeit am Offenbachplatz vor.
Schauspiel Köln„Vielleicht müssen wir auch mal für die AfD Theater machen“

Mitglieder von Schauspiel Köln und Tanz Köln bei der Pressekonferenz zur Spielzeit 2026/27 im Schauspielhaus am Offenbachplatz.
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Beinahe unerträglich heiß war es am Donnerstagmittag im Erfrischungsraum des Schauspielhauses am Offenbachplatz. „Jetzt wissen Sie, warum er so heißt. Sie brauchen hinterher eine Erfrischung“, scherzte ein gut gelaunter Kay Voges bei der Vorstellung des Programms von Schauspiel und Tanz in der ersten Spielzeit an alter Wirkungsstätte. Die Klimaanlage war noch nicht eingeschaltet, aber ansonsten zeigte sich der Intendant begeistert von seinem neuen Arbeitsplatz. Erste Tonproben gab es schon, und er versprach: „Das Schauspielhaus klingt großartig.“ Und auch beim Licht kam er ins Schwärmen: „Die Bühne kann leuchten.“
Es ist also alles bereitet für die Rückkehr, die Vorfreude ist groß, auch wenn Chefdramaturg Alexander Kerlin bekannte, das Team verlasse Mülheim mit einem weinenden Auge. Bekannt war bereits, dass das Schauspiel nach einem großen Eröffnungswochenende am 19. und 20. September am 25. mit der Komödie „In bester Lage“ von Kristof Magnusson und Gunnar Klack die neue Spielzeit eröffnen wird. Mit Humor, leicht und liebevoll, aber ohne unkritisch zu sein, wolle man starten, so der Intendant. In diesem Jahr soll weiter am Manifest des Schauspiels mit 96 Thesen gearbeitet werden. Nummer 62 gibt die Richtung vor: „Das Schauspiel Köln ist ein Zufluchtsort, ein Kraftwerk und eine Party für alle.“
Das Schauspielhaus klingt großartig, und die Bühne kann leuchten
Das Team hat sich erneut viel vorgenommen. 18 Ur- und Erstaufführungen wird es geben, viele davon wurden für das Haus geschrieben. Vier werden erstmals in deutscher Sprache zu sehen sein. Thematisch widmen sich die Künstlerinnen und Künstlern verschiedenen Blöcken. Einer geht von der nicht zufällig nummerierten 88. These „Nie wieder!“ aus. „Wir wollen eine gesellschaftliche Debatte anstoßen über den neuen Nationalismus, den neuen Faschismus. Wie können wir darüber reden, wie erkennen wir die neuen Spielarten, die verdeckten Rhetoriken und die rechtspopulistischen Taktiken?“, so Chefdramaturg Kerlin. Den Mythen der Deutschen werden sich deshalb Kay Voges und Viola Köster in „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ (8. 5. 27) widmen. „Mich hat es sehr interessiert, was die AfD als kulturpolitisches Konzept so vorschlägt, wie stellt sich die AfD Theater, wie ein Schauspiel vor?“, so Voges . Sie wünsche sich ja vor allem die Romantiker, die Klassiker wieder auf den Spielplänen. „Und dann habe ich gedacht, vielleicht müssen wir auch mal für die AfD Theater machen.“ Und so wird das Schauspiel die Klassiker auf die Frage hin untersuchen: Was ist Deutsch?
Olga Bachs „Eine Sache der Auslegung“ (31.1.27) über ein nach rechts kippendes Justizsystem wird ebenso wie Alexander Kerlins „Moneyland“ (26.9.26), das von den neuen Allianzen zwischen Tech-Kapitalismus und autoritärer Politik erzählt, den neuen Faschismus analysieren. Am 27.9.26 feiert „Tag und Nacht“ von Roland Schimmelpfennig über zwei ungleiche Brüder Uraufführung. Ein weiterer Themenblock widmet sich der These „Kunst ist Widerstand“. „Wenn wir eine Verbesserung der Welt haben wollen, dann müssen wir an Widerstand denken“, so Voges. Es soll um weibliche Wut, die Geschichte männlicher Herrschaften und die Zukunft oder die Utopie von Geschlechterverhältnissen gehen. Passend dazu wird Lies Pauwels „Antigone“ in einer Übersetzung von Roland Schimmelpfennig (29.1.27) inszenieren. Die Dramatikerin Alice Birch hat mit „Romans“ (März 27) ein 150 Jahre umspannendes Epos über die Abgründe menschlicher Herrschaft in der Neuzeit geschrieben.
Auch die Zusammenarbeit mit Journalistinnen und Journalisten wird fortgesetzt
Eröffnen wird das Tanz-Programm die Choreografin Sharon Eyal mit ihrer jüngsten Arbeit „Delay the Sadness“ vom 23. bis 25.10. Marlene Monteiro Freitas war die Favoritin der Ausschreibung für die Neugründung einer eigenen Tanzkompanie für Köln. Diese kommt ja leider nicht zustande, aber die kapverdische Künstlerin und Choreografin ist mit zwei Arbeiten zu Gast. Mit „Mal – Embriaguez Divina“ (4., 5.11.26) widmet sie sich der Ambivalenz des Bösen. Als Koproduktion von P.OR.K mit Tanz Köln und der Volksbühne Berlin entsteht Freitas’ Choreografie „Blimund“, in der sie eine Volkserzählung ihrer Heimat mit Mythen aus aller Welt verwebt.
„Britney X“, das queer-feministische Festival, kommt zurück nach Köln und wird am 14. und 15.5.27 in Kooperation mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus stattfinden. „Hedo“ soll künftig aus dem Erfrischungsraum den besten Club Kölns machen, wie Kay Voges verspricht. Jeden zweiten Donnerstag im Monat bringt die c/o pop Konzerte, Performances und Clubkultur ins Schauspiel Köln. Bei „Studio on the Rocks“ übernehmen sieben Schauspielstudierende aus Leipzig den Erfrischungsraum und gestalten ihr eigenes Late-Night-Programm.
Auch die enge Zusammenarbeit mit Journalistinnen und Journalisten wird fortgesetzt, etwa in der Produktion „Der Tag, als ich Cum/EX verstand“ von Traudl Bünger und Calle Fuhr (4.6.27). Die Talkreihe „Hinter den Schlagzeilen“ lädt Redakteurinnen und Redakteure des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein, um über aktuelle Themen tiefer ins Gespräch zu kommen. (1. Ausgabe am 19.9.26).
