So wird der „Tatort“ aus StuttgartSind Autofahrer allesamt potenzielle Mörder?

Nicholas Reinke in „Der Mörder in mir“
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Stuttgart – Es ist wie aus einem Albtraum: Beim Autofahren kurz unachtsam gewesen und Ben Dellien (Nicholas Reinke) fährt auf dem nächtlichen Heimweg einen Radfahrer über den Haufen. Es kommt schlimmer: In seiner Eile und Idiotie fährt Dellien einfach davon. Am nächsten Tag wacht er bei seiner Familie auf: zwei Kinder, die Ehefrau mit dem dritten Kind schwanger, und aus dem Radio erfährt er, dass der Radfahrer tot ist.
Die Reue nagt am Täter – wäre er doch nur ausgestiegen und hätte dem Radfahrer geholfen, er wäre noch am Leben. Doch er kann es nicht mehr ungeschehen machen, sagt er sich, und sich selbst zu belasten, holt das Opfer auch nicht mehr zu den Lebenden zurück. Er will den Unfall vertuschen. Oder soll er gestehen?
Die Kommissare heizen im Dienstwagen zum Tatort
Die ganze Umgebung ist unnatürlich aufmerksam und zerrt an Delliens Paranoia. Auf der Arbeit merkt man ihm seine Unkonzentriertheit an, und das kurz bevor seine Kanzlei ihn zum Partner machen will. Und dann ist da noch Laura Rensing (Tatiana Nekrasov), eine Carwash-Mitarbeiterin, die Delliens Auto am Tag nach seiner Fahrerflucht säubert und dabei ein verhängnisvolles Beweismittel im Kofferraum findet. Weiß sie etwas? Kann er sie zum Schweigen bringen? Es steht viel auf dem Spiel: Familie, Karriere, soziales Ansehen.
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Direkt im Anschluss an jede Sendung am Sonntagabend folgt dann unsere „Tatort“-Kritik.
Die Kommissare Lannert und Bootz sind ihm mit ihren Ermittlungen aber auf den Fersen, nicht zuletzt dank des cleveren Rechtsmediziners Dr. Daniel Vogt – dem ist der Fall als Radfahrer vielleicht auch wichtiger als dem Ermittlerduo, das demonstrativ durch die Straßen heizt und am Tatort mit einer Vollbremsung zum Stehen kommt. Immer wieder sammelt das Team die Brotkrumen auf, die Dellien unfreiwillig hinterlassen hat und die er nur unter großen Risiken beseitigen kann. Die ständige Furcht, doch noch etwas zu übersehen oder mit seinen Handlungen wieder auf sich selbst zu weisen, und das wachsende Gefühl von Schuld nagen spürbar am Täter.
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Wer auf Humor hofft, wird in „Der Mörder in mir“ nicht fündig. Ebenso wie in der regnerischen Nacht des Mordes ist die Stimmung der Folge herbstlich. Die filmische Inszenierung ist durchdacht, die Kamera zieht enge Kreise um den Täter. Der Plot ist nicht das Glanzstück, der Weg zur Auflösung hält keine Überraschungen bereit, das tut der Spannung aber keinen Abbruch. Da stecken mehr Thriller und Drama drin als Krimi. Die schauspielerische Leistung von Nicholas Reinke (Ben Dellien) und Tatiana Nekrasov (Laura Rensing) überzeugen durchgehend. Am Ende gibt’s auch eine Moral von der Geschicht‘, die mit dem Holzhammer vermittelt wird. Man kennt die Lektion, aber sie zu hören ist trotzdem wichtig.



