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Leserbriefe zur Grundsteuererklärung:Hoher Aufwand gerechtfertigt?

Lesezeit 4 Minuten
Auf einem geöffneten Laptop-Bildschirm ist eine Seite der „Elster“-Steuerplattform geöffnet, die Informationen über die Grundsteuerreform enthält.

Informationen zur Grundsteuerreform im Steuerportal „Elster“

Die Abgabefrist für die Grundsteuererklärung endet bald. Leser fragen, wie sinnvoll die gewählte Art der Datenerhebung ist. 

FDP gegen Strafen für Säumige – Abgabefrist für Grundsteuer endet in wenigen Tagen – Hälfte der Erklärungen noch offen (24.1.)

Grundsteuererklärung: Üben säumige Bürger „stillen Protest“?

Wenn fast 60 Prozent der Bürger ihre Grundsteuererklärung selbst beim Verlängerungstermin noch nicht abgegeben haben, sollte die Bundesregierung wahrnehmen, dass dies ein stiller Protest ist. Da wird Bürokratie auf Bürger umgelegt, die anscheinend nicht vereinnahmt werden wollen und das auch zeigen. Anstatt auf dem – ich entschuldige mich vorab – komplizierten „Schwachsinn“ zu bestehen, wäre es großartig von der Regierung, wenn sie ihren Fehler einsieht und die Erklärungsabgabe nicht mehr verlangt. Klaus Bornemann Euskirchen

Grundsteuer: Keine Einigung auf einheitliches Rechenmodell 

Es wäre so schön und für Millionen Bundesbürger hilfreich: Das Finanzamt greift selbst auf die ohnehin vorhandenen Grundbuchdaten und Bodenrichtwerte zurück und schickt sie nicht erst der gestressten Bevölkerung zu, bei der die Mehrzahl überfordert ist, Zähler und Nenner in etliche Formulare einzutragen und Bruchteile zu wenigen Quadratmetern bei Miteigentum von Zuwegen zu berechnen. Allein die Übertragung der Daten vom Finanzamt in die Briefe an die Steuerpflichtigen, dann von denen wieder in die elektronischen Steuerpapiere birgt eine Vielzahl von Fehlerquellen. Die Abfrage von Baujahr und Wohnfläche hätte in den allermeisten Fällen gereicht.

Drei Jahre hatten Länder und Bund Zeit, ein einheitliches Erhebungsmodell zu kreieren. Herausgekommen sind sechs verschiedene Ansätze und die Forderung der Politik, den Eltern und dem Opa – bei Bedarf auch in anderen Bundesländern – bei der elektronischen Erhebung zu helfen. Man arbeitet sich doch gern in die unterschiedlichsten Modelle ein! Und besorgt Abrufcodes, die wochenlang mit der Post unterwegs sind.

Nun auf einmal sind die Finanzminister überrascht, dass kurz vor Schluss erst die Hälfte abgegeben haben und davon die Hälfte als fehlerhaft aussortiert wird. Ob da Drohungen mit Versäumniszuschlägen und Zwangsgeldern hilfreich sind und Abhilfe schaffen? Das Berechnungsmodell ist föderal vor die Wand gefahren! Einfache Steuermodelle gibt es in anderen Bereichen auch nicht – was aber kein Trost ist. Franz Springer Köln

„Ich hätte nie gedacht, dass eine Software so gemein sein kann“

Seit mindestens 15 Jahren erledigen wir unsere Steuerangelegenheiten online über das „Elster“-Portal. Mehr oder weniger ohne Probleme. Nach dem zweiten Sonntagnachmittag in Folge muss ich leider feststellen, dass wir für den Grundsteuerantrag per Elster einfach zu blöd sind! Ich hätte nie gedacht, dass eine Software so gemein sein kann.

Wir haben nun die paar Zettel über den NRW-PDF-Antrag innerhalb von 30 Minuten ausgefüllt. Fehlermeldungen: Keine! Geht doch! Morgen geht der Kram zur Post, damit die im Finanzamt auch etwas zu tun haben. Viel Spaß damit. Meine kompletten Grundsteuerdaten haben die ja eh schon lange! Uli Bungarz Lohmar

Grundsteuererklärung: Schnittstellen zu anderen Behörden fehlen

Das Drama um die Grundsteuer ist eine wunderbare Fallstudie dazu, was in Deutschland beim E-Government und der Digitalisierung falsch läuft. Elster bietet ein seltsames Anmeldeverfahren mit Zertifikatsdatei, den E-Perso, den man fast nirgendwo sonst nutzen kann, und ein Verfahren der Firma Secunet, die gut davon lebt, ihre proprietären Lösungen überall in der öffentlichen Verwaltung zu platzieren. Offene Branchenstandards wie etwa „Fido2“ werden hingegen nicht unterstützt.

Bei der Erfassung stößt man dann auf eine Anwendung, die kaum durch den Prozess führt, in der wortreiche Erklärungen in Juristendeutsch untergebracht sind, bei der die Rede von Zeilennummern ist, die es wohl nur in der Papierversion der Formulare gibt. Trotzdem ist es laut Artikel möglich, unvollständige Erklärungen abzugeben. Wie kann das sein?

Besonders gravierend ist jedoch, dass man sich entschieden hat, keine Schnittstellen zu den führenden Behördensystemen zu entwickeln. Nicht nur führt das dazu, dass man die ohnehin mitgelieferten oder bei anderen Behörden anzufragenden Daten händisch übertragen muss, es wird vor allem ein weiteres Datensilo geschaffen, das fast zwangsläufig schon zum Start der Grundsteuer 2025 einen Datenstand haben wird, der Inkonsistenzen zu den führenden Systemen der anderen Behörden aufweist. Das wird sich über die Jahre immer weiter verschlimmern.

Es ist also schon heute klar, dass die für Bürger und Behörden extrem aufwendige Neuberechnung der Grundsteuer in zunehmendem Maße nichts mehr mit der Realität zu tun haben wird. Das ist für mich der eigentliche Skandal. Richard Stevens Köln

Grundsteuererklärung: Kompliziert und unsinnig

Das Ausfüllen der Grundsteuererklärung ist kein Problem – wenn man bereit ist, die Zunftsprache der Finanzbehörden zu lernen, sich einschlägige Erklärvideos anzuschauen und eine Nachbarschafselbsthilfegruppe zu gründen, um schlussendlich die Daten zuzuliefern, die dem Finanzamt offenbar ohnehin schon vorliegen. Michael Karhausen Köln

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