Die Suche nach einem Käufer läuft bereits seit einiger Zeit. Auch die Mieter sind hoch unzufrieden. Das ist keine gute Werbung.
Rattenplage und dreckiges WasserDieses New Yorker Wahrzeichen ist ein Ladenhüter

Ein Blick auf die Skyline in New York.
Copyright: IMAGO/Anadolu Agency
Es ist ein Blickfang in der New Yorker Skyline und gehört zu den Wahrzeichen der geschäftigen US-Metropole. Dennoch gestaltet sich die Suche nach einem Käufer für das Chrysler Building schwierig. Auch wenn es sich um ein Glanzstück der Art-Déco-Architektur handelt und der Wolkenkratzer alljährlich zahlreiche Touristen anzieht, gibt es keine große Resonanz auf das Angebot, das Gebäude zu übernehmen. Seine vorherigen Eigentümer, zu denen die österreichische Signa-Gruppe von René Benko gehörte, waren enteignet worden.
Das Chrysler Building hat eine bewegte Geschichte. Der Wolkenkratzer im Stadtteil Manhattan wurde kurz vor der Weltwirtschaftskrise von 1929 in gerade einmal zwei Jahren Bauzeit errichtet. Die ersten Mieter zogen im April 1930 in den 318 Meter hohen Bau ein, der bis zur Fertigstellung des Empire State Building im folgenden Jahr kurzzeitig das höchste Gebäude der Welt war.
Kaum Interessenten für das Chrysler Building
Seine charakteristische Dachkrone aus mehreren Bögen aus rostfreiem Stahl und die nadelförmige Spitze obendrauf sind weltbekannt. Seine Architektur erinnert an die zeitgenössischen Kühlerhauben der Chrysler-Autos und die Begeisterung für technischen Fortschritt und Modernität in der damaligen Zeit. Und auch wenn seine Aussichtsplattform bereits 1945 geschlossen wurde, ist das Chrysler Gebäude bis heute ein Touristenmagnet.

Das Chrysler Building in New York steht zum Verkauf.
Copyright: IMAGO/NurPhoto
Auf den 117.000 Quadratmetern des Hochhauses haben unter anderem renommierte Anwaltskanzleien ihre Büroräume. Auch eine große Künstleragentur und Coworking-Anbieter gehören zu den Mietern auf den insgesamt 77 Etagen. Medien berichten allerdings, dass die Adresse 405 Lexington Avenue nicht mehr so begehrt ist wie einst.
Mieter im Chrysler Building sind unzufrieden
Mieter im Chrysler Building beschweren sich demnach über altmodische oder beengte Büroräume mit zu kleinen Fenstern, abblätternde Farbe an den Wänden und nicht funktionierende Aufzüge. Sogar über unsauberes Wasser aus den Wasserspendern und Mäuse- oder Rattenbefall wird den Berichten zufolge geklagt.
Keine gute Werbung, um Käufer für das Gebäude zu finden. Die Suche läuft schon eine Weile. Das Chrysler Building sei zwar „wunderschön“, habe aber „viele technische Probleme“, sagt Ruth Colp-Haber von der auf Geschäftsimmobilien spezialisierten Maklerfirma Wharton Property: „Nötig wären viele Renovierungsarbeiten und viel Geld.“
Marktumfeld für angestrebten Verkauf ist schwierig
Im September 2024 hatte ein New Yorker Gericht die bisherigen Eigentümer wegen Zahlungsrückständen in Höhe von mehr als 20 Millionen Dollar enteignet. Als das Konsortium aus dem US-Immobilienunternehmen RFR und der österreichischen Signa-Gruppe das Chrysler Building 2019 für 151 Millionen Dollar (knapp 130 Millionen Euro) gekauft hatte, hatte es versprochen, 250 Millionen Dollar in Renovierungsarbeiten zu stecken, sich aber nicht daran gehalten. Überdies meldete Signa 2023 Insolvenz an.
Das Marktumfeld für den nun angestrebten Verkauf ist schwierig. Seit der Corona-Pandemie sind viele Unternehmen und Arbeitnehmer verstärkt auf Heimarbeit umgestiegen. Mit der Verkleinerung von Büroflächen lässt sich im teuren New York einiges Geld sparen. Hinzu kommt, dass das Gelände, auf dem das Chrysler Building errichtet wurde, seit 1902 der Cooper Union gehört, einem College für Ingenieurswesen, Architektur und Geisteswissenschaften. Dieses erhält vom Eigentümer des Chrysler Building eine jährliche Pacht. 2018 waren dies noch 20,1 Millionen Dollar, derzeit sind es 32,5 Millionen Dollar (27,9 Millionen Euro) im Jahr.
Zudem müssen sich die zukünftigen Käufer auf langwierige Verfahren bei den notwendigen Renovierungsarbeiten gefasst machen. Denn weil das Chrysler Building seit 1978 zum Kulturerbe der Stadt New York gehört, müssen alle baulichen Veränderungen an der Fassade und im Inneren von der New Yorker Denkmalschutzbehörde bewilligt werden.
Calp-Haber sagt, solange die Besitzverhältnisse nicht geklärt seien, sei beim Chrysler Building alles „eingefroren“. Bei aller Unsicherheit ist mit einer Option allerdings wohl nicht zu rechnen: Es sei „extrem selten“, dass die zuständige Denkmalschutz-Kommission „den Abriss eines historischen Gebäudes genehmigt“, sagt ein Experte, der anonym bleiben will. (afp)

