Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Schweizer trauern – landesweit werden Veranstaltungen abgesagt.
Feuerinferno in Crans-MontanaErmittlungen in alle Richtungen – viele Veranstaltungen in der Schweiz abgesagt

Menschen bringen Blumen und Briefe in die Nähe der abgeriegelten Bar Le Constellation in Crans-Montana in den Schweizer Alpen.
Copyright: Antonio Calanni/AP/dpa
Die Schweiz steht unter Schock: Der verheerende Brand in der Bar „Le Constellation“ im Skiort Crans-Montana bewegt das ganze Land. Heute Morgen wurden die Flaggen im Bundeshaus in Bern für eine Dauer von fünf Tagen auf halbmast gesetzt. Dies hatte Bundespräsident Guy Parmelin, der bereits am Neujahrstag den Unglücksort besucht hatte, angekündigt.
In der ganzen Schweiz wurden inzwischen Veranstaltungen, Konzerte und Neujahrsempfänge abgesagt. Auch die für Sonntag in Zürich geplanten „Sports Awards 2025“ werden nicht stattfinden. Wie das Schweizer Fernsehen SRG mitteilte, werden die traditionellen Sportlerwahlen „aus Respekt und Solidarität mit den Opfern“ verschoben.
Brand in Crans-Montana: Behörden gehen von 40 Todesopfern aus
Bislang gehen die Behörden im Kanton Wallis von 40 Todesopfern und rund 115 Verletzten aus, viele davon mit schweren und schwersten Brandverletzungen. 80 davon befinden sich am Freitagmorgen weiterhin in einem kritischen Zustand. Weil die Krankenhäuser im Kanton Wallis und die beiden Schweizer Spezialkliniken für die Behandlung von Brandopfern in Lausanne und Zürich voll sind, wurden und werden die Verletzten teilweise in Kliniken im Ausland überführt, etwa nach Stuttgart, Mailand, Lyon und Paris.
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Auch die polnischen Krankenhäuser seien bereit, 14 verletzte Personen aufzunehmen, teilte Ministerpräsident Donald Tusk am Freitag mit. Unterdessen gibt es offenbar weiter keine Hinweise auf mögliche deutsche Opfer. Die deutsche Botschaft stehe mit den Schweizer Behörden „in engem Kontakt“, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Freitag zu möglichen deutschen Betroffenen mit. Für deutsche Staatsangehörige stehe während des regionalen Feiertags am Freitag der Bereitschaftsdienst der Botschaft Bern zur Verfügung.
Feuerinferno in Crans-Montana: Papst Leo XIV. kondoliert
Auch Papst Leo XIV. trauert um die Opfer der Brandkatastrophe in der Silvesternacht im Schweizer Skiort Crans-Montana. Er bekunde den Angehörigen sein Mitgefühl, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Telegramm an Jean-Marie Lovey, den Bischof von Sitten, der Kantonshauptstadt des Wallis. Das Kirchenoberhaupt hoffe auf Trost aller von diesem Drama betroffenen Menschen.
Wie der „Walliser Bote“ berichtete, ist inzwischen auch das sogenannte DVI-Team der Schweizer Polizei in Crans-Montana im Einsatz. DVI steht für „Disaster Victim Identification“ und besteht aus Kriminaltechnikern, Gerichtsmedizinern und Zahnärzten. Das Team soll die Identität von Opfern schwerer Unfälle aufklären.

Ein Feuerwehrmann beobachtet die abgeriegelte Bar Le Constellation, in der ein verheerendes Feuer während der Silvesterfeierlichkeiten in Crans-Montana in den Schweizer Alpen Tote und Verletzte forderte.
Copyright: Antonio Calanni/AP/dpa
Während die Ermittler weiter nach der Ursache für das verheerende Feuer suchen, werfen Aufnahmen in sozialen Medien Fragen auf. Die nicht verifizierten Videoaufnahmen und Fotos sollen zeigen, wie Menschen in der Silvesternacht in dem betroffenen Lokal Champagnerflaschen in ihren Händen halten, in denen Wunderkerzen stecken. Funken sprühen Richtung der dem Anschein nach mit Paneelen besetzten Decke und scheinen diese in Brand zu setzen.
„Wie in jedem Fall wird in jede Richtung ermittelt“, sagte ein Schweizer Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Aufnahmen den Ermittlern bekannt seien, könne er nicht bestätigen, doch er gehe davon aus, sagte er am Freitagmorgen.
Handys, die am Unglücksort sichergestellt wurden, würden ausgewertet, hatte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, am Donnerstagabend in einer Pressekonferenz mitgeteilt.
Ermittler gehen nicht von einem Anschlag aus
Auch Augenzeugen berichteten über Sprühkerzen. Der 19-jährige Nathan, der sich nach eigenen Angaben rechtzeitig aus der Bar retten konnte, erzählte der Schweizer Zeitung „Blick“: „Eine Frau saß auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.“ Sie habe die Sprühkerzen so hoch geschwenkt, dass sie die Decke berührt hätten. Diese habe plötzlich Feuer gefangen, zitierte die Zeitung den jungen Schweizer.
Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben von einem Unglück und nicht von einem Anschlag aus. Die Identifizierung der Toten könne noch Tage dauern, sagte der Polizeisprecher der dpa. Die Behörden haben sich bislang nicht deutlich zur Ursache des Feuers geäußert. Die Kantonsregierung des Wallis schrieb in einer Mitteilung von einem „Flashover“ in der Bar – ein Brandphänomen, das eine Brandschutzsachverständige in der ARD mit einer Feuerwalze verglich.
Die meisten Schwerletzten sind zwischen 16 und 26 Jahren. Die Feuerkatastrophe gilt als einer der schlimmsten Unfälle in der Geschichte der Schweiz. (mit dpa, AFP)

