Interview Geschäftsführer der Buga Mittelrheintal„Das Ufer wird ein Publikumsmagnet“

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Die Ufer am Mittelrhein sollen ein Publikumsmagnet werden.

  1. Die Bundesgartenschau kommt 2029 ins Mittelrheintal.
  2. Aber schon in diesem Jahr soll entschieden werden, ob die umstrittene Rheinbrücke gebaut wird oder es einen Tunnel bei St. Goar geben soll.
  3. Sven Stimac, Geschäftsführer der Bundesgartenschau 2029 im Interview.

Koblenz – Gartenschauen haben in Bingen und Koblenz Enormes bewirkt. Nicht nur die Rheinanlagen wurden viel attraktiver. Was will die Buga 2029 dauerhaft bewirken?Sven Stimac: Die Impulse für Koblenz im Norden und Bingen im Süden des Mittelrheintals wollen wir in das gesamte Tal tragen. Uns geht es darum, die Städte und Gemeinden wieder näher ans Wasser zu bringen. Dabei geht es insbesondere um die Aufwertung der Uferanlagen. Wir werden Gemeinden wie Bacharach in ihren Bemühungen unterstützen, ihre  Rheinanlagen attraktiver zu gestalten und enger an ihre historischen Zentren anzubinden. Das Ufer wird ein Publikumsmagnet und die B9 barrierefreier, etwa durch Tempolimits oder mehr Überquerungshilfen. In Lahnstein soll der Rheinradweg durch eine neue Lahnbrücke geschlossen werden.

Es entsteht ein Park und ein großes Wohngebiet. Für Lahnstein ein wichtiges Naherholungsgebiet. Die große Herausforderung und der formulierte Auftrag ist es, das Rheintal als Ganzes miteinander zu verbinden und darzustellen.

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Sven Stimac ist Geschäftsführer der Bundesgartenschau 2029.

Zwischen Rhein und den Zentren liegen Bahn und die B9. Die werden Sie nicht verschwinden lassen können.

Im Gegenteil, die Buga-Gäste sollen ja mit der Bahn ins Tal kommen. Wir hoffen, mit der Bahn ein entsprechendes Ticket anbieten zu können. Aber wir wollen auch  unsere Bahnhöfe aufwerten. Fahrrad, e-bike sind ein ganz großes Thema.

„Man muss in der oberen Liga mitspielen wollen“

Die Herausforderung ist auch eine demographische. Es gibt Lehrstand und Abwanderung. Für Buga-Besucher ist das Angebot vieler Talstädtchen wohl eher enttäuschend.

Darum machen wir ja die Buga. Wir wollen durch die Ertüchtigung der Infrastrukturen die Menschen hier motivieren, ein qualitativ hochwertiges, zeitgemäßes und gastfreundliches Angebot zu machen. Mittelmäßiges wird sich nicht halten, man muss in der oberen Liga mitspielen wollen. Also brauchen wir hier eine mentale Veränderung. Es gibt fantastische Air B & B-Konzepte, die für das Tal interessant sind, moderne, qualitätvolle Angebote, die nicht personalintensiv sind.  Auch auf den Burgen braucht es eine hochwertige Hotellerie. Eine Buga lockt die Gäste. Für die Unternehmen ist das eine Chance zur Veränderung. 

Auf der Loreley soll ein 700 Betten-Hotel gebaut werden. Die Begründung: Man müsse den Buga-Gästen etwas anbieten. Eine Wiesenlandschaft wird betoniert. Ist das im Sinne einer ökologisch nachhaltigen Buga-Planung?

Eine Baugenehmigung für das Hotel gibt es ja noch nicht. Wie die tatsächliche Bebauung aussehen wird, entscheiden die Gemeinden. Da sind wir als Buga nur eine begleitende Veranstaltung.  Auf der Loreley wurde ein Landschaftspark erneuert. Wir als Buga wollen diesen Park mit weiterem Grün verstärken.

Die Buga-Gesellschaft soll angeblich den Planungswettbewerb für das Hotel durchführen. Ist das richtig?

Nein. Ich bin zwar erst seit einigen Wochen dabei, aber das habe ich noch nie gehört. Eine Hotelanlage und die infrastrukturellen Folgen, die sie für das Plateau hat, etwa die Verkehrsanbindung ans Tal, das geht über unseren Auftrag hinaus. Aber landschaftsplanerische Maßnahmen auf dem Plateau werden wir unterstützend begleiten.  

Die Loreley ist eine der international bekanntesten Touristenziele in Deutschland. Darf man da zulassen, dass eine kleine Gemeinde Grund und Boden an Investoren verkauft und damit das Landschaftsbild zerstört? Gehört die Loreley nicht allen?

Die Buga versteht sich als ein Instrument und Sprachrohr, auch die Interessen der überregionalen Öffentlichkeit hörbar zu machen.  Aber die Entscheidungshoheit liegt nicht bei uns. Deshalb möchte ich auf die Frage, ob und warum dort oben eine Hotelanlage entsteht, gar nicht eingehen, zumal ich die Planungen dafür und das Umfeld nicht kenne.     

Innenminister wünscht sich umstrittene Rheinbrücke

Die Landesregierung, insbesondere SPD-Innenminister Lewentz, unterstützt die touristische Ertüchtigung der Loreley. Er wünscht sich auch die umstrittene Rheinbrücke bei St. Goar möglichst schon zur Buga 2029. Wie verhalten Sie sich dazu?

Eine Buga wird durchgeführt, um Kräfte zu bündeln, durch die Projekte möglich werden, deren Umsetzung sonst viel länger dauern würde. Im Tal besteht der dringende Wunsch, die Brücken-Frage endlich zu klären. Sollte die Brücke nun einige Jahre früher kommen, wäre damit ein Teil unserer Zielsetzung erfüllt, nämlich die Menschen zusammenzubringen. Ich wäre glücklich, dazu beitragen zu können. In Venlo hat die Floriade 2012 es ermöglicht, die Autobahnverbindung zwischen A73 in den Niederlanden und A 61 in Deutschland endlich zu bauen. Bis dahin fuhr der Verkehr durch Venlo. Heute sind da alle glücklich, dass das ein Ende hat. Die Buga ist ein Katalysator für solche Infrastrukturmaßnahmen.

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Also befürworten Sie die Brückenlösung für St. Goar?

Es ist der Wunsch aus dem Tal. Und es ist doch ein unhaltbarer Zustand, dass Sie hier nach 20 Uhr oder 21 Uhr nicht mehr über den Fluss kommen. Das muss sich ändern, damit sich die beiden Rheinseiten stärker annähern können.

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