In der kleinen italienischen Region Molise hat sich ein Erdrutsch reaktiviert, Dutzende Menschen wurden evakuiert.
In SüditalienUnwetter löst wohl größten Erdrutsch Europas aus
An der süditalienischen Adriaküste sorgt ein Erdrutsch für erhebliche Unruhe bei den lokalen Behörden. In der Gemeinde Petacciato, gelegen in der kleinen Region Molise, wurden bereits rund 50 Menschen als Vorsichtsmaßnahme evakuiert. Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, betonte, dass der Erdrutsch sich aktiv bewege und keineswegs zum Stillstand gekommen sei.
Ciciliano beschrieb die Lage als komplex und warnte, dass sie sich über mehrere Wochen, möglicherweise sogar Monate hinziehen könnte. Der betroffene Hang gilt in der Region schon seit langer Zeit als instabil, und Erdbewegungen wurden dort wiederholt verzeichnet. Nach heftigen Unwettern habe sich der Erdrutsch nun jedoch erneut „reaktiviert", wenn auch in langsamen Bewegungen. Er erstreckt sich über eine Länge von etwa vier Kilometern.
Erdrutsch in Süditalien: Autobahn und Bahnstrecke gesperrt
Neben der unmittelbaren Gefahr für die Bevölkerung sind auch wichtige Verkehrsverbindungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Abschnitt der Autobahn A14, die den Norden Italiens mit dem äußersten Südosten des Landes verbindet, ist laut dem Fernsehsender Rai auf beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Darüber hinaus ruht auch der Bahnverkehr in der betroffenen Region.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht nach Angaben ihres Büros in engem und kontinuierlichem Kontakt mit den zuständigen lokalen Behörden. In einer offiziellen Mitteilung aus ihrem Amtssitz wurde festgestellt, dass Italien durch die Unterbrechung der Verkehrsverbindungen „faktisch in zwei Teile geteilt“ sei. Konkrete Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verbindungen könnten jedoch erst nach eingehenden technischen Prüfungen eingeleitet werden.
Bei einem Erdrutsch verlagern sich Gesteins-, Erd- oder Schuttmassen an einem Hang unter dem Einfluss der Schwerkraft nach unten. Dabei können große Mengen Boden, Fels und Vegetation in Bewegung geraten und erhebliche Schäden anrichten. Ausgelöst werden Erdrutsche häufig durch starke Regenfälle oder Schneeschmelze, welche den Boden durchweichen und seine Stabilität verringern.
Aber auch Erdbeben, menschliche Eingriffe wie Bauarbeiten oder Abholzung sowie natürliche Erosion können dazu beitragen, dass ein Hang ins Rutschen gerät. Besonders gefährdet sind Regionen mit steilen Hängen, lockerem oder tonhaltigem Boden sowie einer Vorgeschichte geologischer Instabilität.(red)
