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Kontroverse um KindermodeOtto stoppt „Hijab-Kleid“ für Mädchen nach Kritik

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Rückansicht einer jungen asiatischen muslimischen Mutter, die ihrer Tochter hilft, vor dem Spiegel eine muslimische Kleidung zu tragen.

Ein Gebetskleid mit angenähtem Hijab für Mädchen war vorübergehend auf dem Online-Marktplatz von Otto erhältlich. (Symbolbild)

Nach Kritik im Netz verschwindet ein Gebetskleid mit angenähtem Hijab für Mädchen aus dem Sortiment des großen Versandhändlers.

Der Hamburger Online-Versandhändler Otto hat ein Gebetskleid für kleine Mädchen aus dem Sortiment genommen. Das Kleid war Teil des Marktplatz-Angebots und kombinierte ein langes Gewand mit einem angenähten Kopftuch (Hijab). Laut „t-online“ richtete sich das Produkt an fünf- bis achtjährige Mädchen und wurde als „perfekte Kombination aus Anmut und Komfort“ beschrieben.

Otto überprüft religiöse Artikel im Sortiment nach Kritik an Kinderkleid

Das Angebot rief in sozialen Netzwerken teils deutliche Kritik hervor. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer äußerten Bedenken hinsichtlich religiöser Erziehung und Kinderschutz. Otto reagierte auf die Vorwürfe und erklärte gegenüber „t-online“: „Wir haben dessen ungeachtet auf unserem Marktplatz die betreffenden Artikel vorübergehend deaktiviert, um intern zu klären, wie wir künftig mit religiösen Symbolen jedweder Art bei Produkten mit Bezug zu Kindern umgehen werden.“

Auch aus der Politik kam Kritik. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich äußerte sich auf X: „An diesem Angebot vom Otto-Versand ist alles falsch. Wir leben in einer freien, offenen Gesellschaft, in der Kinder nicht unter ein Kopftuch gezwängt werden. Otto sollte das Angebot zurückziehen.“

Kritik aus Politik und Netz

In einem weiteren Beitrag auf X verwies „FAZ“-Journalist Philip Plickert darauf, dass Kinder-Hijabs nicht nur bei Otto erhältlich gewesen seien. Auch Amazon biete entsprechende Artikel für Kleinkinder an – darunter „Hijabs für ganz kleine Mädchen“ sowie „islamische Gebetskleider für Neugeborene“, so Plickert. Otto solle sich „schämen“.

Auch die jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf äußerte sich kritisch zu dem Angebot. Auf X schrieb sie in Bezug auf das Gebetskleid für Kinder: „Otto? Nein, danke!“ und verlinkte dabei direkt auf die Produktseite des Versandhändlers. Nach Klick auf diesen erscheint jedoch mittlerweile eine Fehlermeldung: „Deinen gewünschten Artikel können wir leider nicht mehr liefern.“

Otto teilte „t-online“ mit, dass man den Vorfall zum Anlass nehme, die Prozesse und Kriterien für Marktplatz-Artikel zu überdenken. Ob das Gebetskleid dauerhaft aus dem Sortiment verschwindet oder zu einem späteren Zeitpunkt erneut angeboten wird, ist derzeit unklar. 

Auch andere Artikel im Sortiment mit religiösem Bezug – etwa Kinder-Hijabs, Burkinis und Gebetsteppiche – stehen nach Angaben des Unternehmens nun zur internen Überprüfung. (jag)