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Vor 50 JahrenErinnern Sie sich noch an die 11 erfolgreichsten Alben des Jahres 1976?

8 min
Die Beatles posieren.

Die Beatles hatten sich 1970 getrennt – doch sechs Jahre später war ihre Musik alles andere als Geschichte. 1976 verkaufte das einstige Quartett noch immer Millionen von Platten und bewies, dass der Mythos der Fab Four auch ohne neue Songs weiterlebte. (Archivbild)

Standen diese Scheiben früher auch bei Ihnen im Plattenschrank? Von ABBA bis Pink Floyd: Wir blicken zurück auf die Topseller von 1976.

In den deutschen Wohnzimmern der 1970er-Jahre drehte sich der Plattenspieler vor allem um Erinnerungen. 1976 war ein ungewöhnliches Musikjahr: Die großen Album-Erfolge bestanden vor allem aus Hit-Sammlungen und Best-of-Platten statt aus neuen Studioalben. Die Fans wollten die Lieblingssongs ihrer Zeit scheinbar gesammelt im Regal stehen haben.

Gleichzeitig zeigte das Jahr die ganze Vielfalt der Musiklandschaft – zwischen Schlager, Pop, Rock, den neuen Klängen der Disco-Ära und sogar einem ostfriesischen Blödelbarden, der Seite an Seite mit einem beliebten Fernsehmoderator in den Albumcharts auftauchte. Wir blicken zurück auf elf der kommerziell erfolgreichsten Alben dieses außergewöhnlichen Musikjahres.

Roger Whittaker – „The Best Of Roger Whittaker“

Wer in den 1970er-Jahren pfiff, meinte meistens ihn. Mit samtweicher Stimme und seinem berühmten Pfeifen sang sich der britische Barde direkt in die Herzen deutscher Wohnzimmer. Obwohl dies bereits seine gefühlt x-te Best-of-Platte war, stürmte sie mühelos die Charts – und das ausschließlich mit englischen Titeln.

Neben damals aktuellen Hits wie „The Last Farewell“ versteckten sich darauf auch verkannte Perlen wie das wunderschöne „I Don't Believe in If Anymore“. Die Scheibe verkaufte sich derart millionenfach, dass sie bis heute ein absoluter Klassiker jeder Flohmarkt-Grabbelkiste ist: In gefühlt jeder zweiten steckt mindestens ein perfekt erhaltenes Exemplar. Ein Album für die ganz ruhigen Stunden auf dem Sofa.


Sailor – „Trouble“

Matrosen-Romantik trifft auf echte Ohrwurm-Garanten: Als eines von nur zwei echten Studioalben in dieser Liste sticht das Werk völlig heraus. Angetrieben von den beiden Dauerbrennern „A Glass of Champagne“ und „Girls, Girls, Girls“ wurde die Scheibe zum festen Inventar vieler Partys.

Weil sie ihren komplexen Studiosound auch live auf die Bühne bringen wollten, erfand Bandkopf Georg Kajanus kurzerhand ein eigenes Instrument: Das „Nickelodeon“, eine imposante Eigenbau-Konstruktion aus zwei zusammengeschraubten Klavieren und verbauten Synthesizern. Ein wunderbar eigenwilliges Stück Popgeschichte mit gewaltigem Mitsing-Faktor.


Otto – „Otto (das vierte Programm)“

Wenn Otto Waalkes in den 1970er-Jahren die Bühne betrat, blieb in Deutschland kaum ein Auge trocken. Mit seinem vierten Album landete der ostfriesische Komiker einen seiner größten Erfolge. Abgemischt vom renommierten Toningenieur Walter Quintus und mit einem von Otto selbst gestalteten Cover versehen, vereinte die Platte schräge Sketche wie „Sportstudio“ oder „Der menschliche Körper“ mit bissigen Song-Parodien.

Ob die Michael-Holm-Parodie „Dänen lügen nicht“, Elvis-Presley-Anspielungen oder der interaktive „Clapsong“ – kaum etwas war vor Ottos Humor sicher. Das Album entwickelte sich zu einem Dauerbrenner und zählt bis heute zu den bekanntesten deutschen Comedy-Platten der 1970er-Jahre.


Pink Floyd – „Wish You Were Here“

Ein Album über Verlust, Entfremdung und die Schattenseiten des Ruhms: „Wish You Were Here“ von Pink Floyd entstand 1975 in einer schwierigen Phase der Band. Nach dem gigantischen Erfolg von „The Dark Side of the Moon“ kämpften die Musiker mit dem Druck des Erfolgs – und mit der Erinnerung an ihren ehemaligen Frontmann Syd Barrett, der die Gruppe wenige Jahre zuvor verlassen hatte.

Das fast 26 Minuten lange „Shine On You Crazy Diamond“ zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und wurde zu einer bewegenden Hommage an Barrett. Auch der Titelsong „Wish You Were Here“ entwickelte sich zu einem der bekanntesten Stücke der Bandgeschichte. Die berühmte Anfangssequenz mit einem scheinbar aus dem Radio kommenden Gitarrenriff macht den Song bis heute unverwechselbar.

Doch die Platte blickt nicht nur zurück: Mit „Welcome to the Machine“ und „Have a Cigar“ rechnet Pink Floyd mit der Musikindustrie und ihrem Umgang mit Künstlern ab. Als eines von zwei Studioalben auf dieser Liste zeigt „Wish You Were Here“, wie aus persönlichen Krisen und großen Fragen zeitlose Musik entstehen kann.


Cat Stevens – „Greatest Hits“

„Greatest Hits“ von Cat Stevens bündelte die wichtigsten Songs aus der erfolgreichsten Phase des britischen Singer-Songwriters. Die zwölf Titel entstanden zwischen Ende der 1960er- bis Mitte der 1970er-Jahre und zeigen die Themen, die seine Musik prägten: Beziehungen, Familie, gesellschaftliche Fragen und die Suche nach dem eigenen Weg.

„Father and Son“ erzählt vom Konflikt zwischen den Generationen, während „Wild World“ den Abschied von einer geliebten Person beschreibt. „Peace Train“ wurde zu einem seiner bekanntesten Lieder mit einer Botschaft von Hoffnung und Zusammenhalt.

Das Album erschien kurz vor Cat Stevens’ Rückzug aus dem Musikgeschäft Ende der 1970er-Jahre und wurde zu einem seiner erfolgreichsten Werke. In Deutschland erreichte die Sammlung Platz sechs der Charts und erhielt später Doppel-Platin für mehr als eine Million verkaufte Einheiten.


Wim Thoelke – „Der große Preis: Stars und ihre goldenen Hits, Ausgabe 1976“

Donnerstagabend war Fernsehzeit: „Der Große Preis“ brachte die Musik der beliebten ZDF-Show direkt ins heimische Wohnzimmer. Die Ausgabe 1976 versammelte keine reine Auswahl aktueller Jahreshits, sondern eine Mischung aus großen Schlagern der vergangenen Jahre und bekannten Publikumslieblingen.

„Der große Preis: Stars und ihre goldenen Hits, Ausgabe 1976“: Platten-Cover mit Schlagerstars.

Von 1974 bis 1992 gehörte „Der Große Preis“ mit Wim Thoelke zu den festen Größen im ZDF-Programm. Die Musik-Sampler zur Show brachten den Klang der Unterhaltungssendungen jener Jahre direkt ins Wohnzimmer. (Archivbild)

Von Mireille Mathieu über Jürgen Marcus und Udo Jürgens bis zu Wum & Wendelin spiegelte die Zusammenstellung die musikalische Welt der Unterhaltungsshows jener Zeit wider. Ein weiterer Bestandteil des Konzepts: Ein Teil der Erlöse aus den Veröffentlichungen kam der „Aktion Sorgenkind“ zugute, die mit der Sendung verbunden war.

Ein kleines Zeitdokument steckt auch im Cover: Die Herren der Schlagerwelt präsentieren sich mit der für die frühen 1970er typischen Haarpracht – lange Mähnen, die sich optisch kaum von den Frisuren der Damen unterscheiden.


Santana – „Santana's Greatest Hits“

Schon das Cover von „Santana’s Greatest Hits“ erzählt eine eigene Geschichte: Eine weiße Taube sitzt auf dem Kopf einer dunkelhäutigen Person, während sie auf der Rückseite frei in den Himmel fliegt. Das Motiv wirkt wie ein stilles Symbol für Frieden, Freiheit und Verbundenheit – Themen, die gut zur spirituellen Ausrichtung von Carlos Santanas Musik in den frühen 1970er-Jahren passen. Die Compilation von 1974 fasste damit nicht nur Songs zusammen, sondern auch ein bestimmtes Lebensgefühl jener Zeit.

Mit „Black Magic Woman“, „Oye Como Va“, „Evil Ways“ und „Samba Pa Ti“ versammelt das Album Santanas prägende Stücke jener Jahre. Letzteres bekam in Deutschland ein überraschendes zweites Leben – die sanfte Gitarrenmelodie wurde später für eine Cambozola-Werbung genutzt und landete vom Rockkosmos direkt im Kühlregal.

Der unvergessene „Nice Price“-Sticker machte die Sammlung darüber hinaus ein paar Jahre später zum Klassiker für den schmalen Geldbeutel. Weltweit verkaufte sich „Santana’s Greatest Hits“ rund sieben Millionen Mal, in Deutschland erhielt das Album Platin und blieb mehr als 170 Wochen in den Charts.


The Beatles – „1967-1970“

Das blaue Doppelalbum „1967-1970“ versammelt die wichtigsten Stücke der späteren Beatles-Jahre. Die 1973 erschienene Sammlung umfasst die Phase, in der sich die Band nach den frühen Beat-Erfolgen stärker experimentellen Klängen und aufwendigeren Studioaufnahmen widmete.

Mit „Strawberry Fields Forever“, „Penny Lane“, „Hey Jude“, „While My Guitar Gently Weeps“ und „Let It Be“ enthält das Album zahlreiche bekannte Titel aus der letzten gemeinsamen Schaffensphase der Beatles. Zusammen mit dem roten Doppelalbum „1962-1966“ gehörte das „Blue Album“ in den 1970er-Jahren zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen auf dem gesamten deutschen Musikmarkt.

Die Chartdominanz der beiden Sammlungen war außergewöhnlich: Von 1973 bis 1978 blieben „1962-1966“ und „1967-1970“ ohne Unterbrechung in den Albumcharts. Eine solche Kombination aus zwei gleichzeitig veröffentlichten Best-of-Alben, die über Jahre hinweg die Verkaufslisten prägten und 1974 sowie 1975 sogar die ersten beiden Plätze der Jahrescharts belegten, gab es in dieser Form nicht noch einmal.


Simon & Garfunkel – „Simon And Garfunkel's Greatest Hits“

Der Abschied eines der erfolgreichsten Duos seiner Zeit: Nach der Trennung von Simon & Garfunkel bündelte diese Sammlung die wichtigsten Stationen ihrer gemeinsamen Karriere. Sie erinnert an die Jahre, in denen Paul Simons Kompositionen und der zweistimmige Gesang des Duos einen festen Platz in der Musiklandschaft fanden.

Mit „The Sound of Silence“, „Mrs. Robinson“, „Scarborough Fair/Canticle“ und „Bridge over Troubled Water“ vereint die Platte die prägenden Stücke ihrer gemeinsamen Laufbahn. Zwischen Folk, Pop und aufwendigeren Studioarrangements zeigt die Sammlung die Entwicklung von den frühen Akustiksongs bis zum letzten großen Album des Duos.

Auch als Rückblick auf die gemeinsame Karriere wurde die Sammlung zu einem außergewöhnlichen Erfolg: In Deutschland blieb sie mehr als 240 Wochen in den Albumcharts – fast viereinhalb Jahre – und konnte damit bei der Langlebigkeit sogar mit den großen Beatles-Sammlungen der 1970er-Jahre mithalten.


The Beatles – „1962-1966“

Das rote Doppelalbum „1962-1966“ versammelt die wichtigsten Stücke der frühen Beatles-Jahre. Die 1973 erschienene Sammlung reicht von den ersten Erfolgen der Beatlemania bis zu der Phase, in der die Band ihre Musik zunehmend weiterentwickelte. Mit „Love Me Do“, „She Loves You“, „I Want to Hold Your Hand“, „Yesterday“ und „In My Life“ enthält das Album einige der bekanntesten Titel aus der ersten Hälfte der Beatles-Karriere.

Bemerkenswert: Bevor das rote und blaue Doppelalbum 1973 erschien, gab es in den USA keine offizielle große Best-of-Sammlung der Beatles. Nachdem Anfang der 1970er-Jahre nicht autorisierte Zusammenstellungen mit den größten Hits der Band erfolgreich verkauft worden waren, entschieden sich Apple Records und Capitol Records für eine eigene offizielle Rückschau.


ABBA – „The Best Of“

An ABBA führte 1976 kaum ein Weg vorbei: „The Best of ABBA“ war in Deutschland und den Niederlanden das meistverkaufte Album des Jahres. Die heute weitgehend von späteren, umfangreicheren Hit-Sammlungen wie „Gold“ verdrängte Zusammenstellung erschien in einer Phase, in der die schwedische Gruppe mit ihren Songs die Charts dominierte. 

Der Erfolg des Albums ist dabei besonders bemerkenswert, obwohl nicht alle großen ABBA-Hits des Jahres auf der Zusammenstellung vertreten waren. Mit „Mamma Mia“, „Fernando“, „Dancing Queen“ und „Money, Money, Money“ standen 1976 gleich vier Singles der Gruppe auf Platz eins der deutschen Charts – auf „The Best of ABBA“ findet sich von diesen Nummer-eins-Hits allerdings nur „Mamma Mia“. 

Auch international entwickelte sich die Compilation zu einem Ausnahmeerfolg: In Australien herrschte Mitte der 1970er-Jahre eine regelrechte ABBA-Manie. „The Best of ABBA“ zählt dort zu den meistverkauften Alben aller Zeiten und wurde mit 22-fachem Platin ausgezeichnet. In Neuseeland erhielt das Album 24-fachen Platinstatus.