Ein Film, der die Kinowelt bei seiner Premiere tief erschütterte, ist am Wochenende im Free-TV zu sehen. ARTE zeigt ihn am Sonntagmittag, 8. November, um 13.50 Uhr. Für schwache Nerven ist das Programm allerdings nichts.
Es handelt sich um einen US-Klassiker aus dem Jahr 1958. Nackte Brutalität und psychologischer Sadismus widerten das damalige Publikum so sehr an, dass der Film an den Kinokassen gnadenlos floppte. Das Genie hinter den düsteren Bildern erkannten Kritiker erst Jahre später. Heute gilt der Western als Kult-Klassiker des Genres, und selbst der große Regisseur Jean-Luc Godard lobte ihn überschwänglich.
Im Mittelpunkt steht ein geläuterter, gutbürgerlicher Ex-Bandit, gespielt von Gary Cooper. Eigentlich will er für sein Dorf nur eine neue Lehrerin anwerben. Mit der Idylle ist es jedoch nach einem brutalen Zugüberfall vorbei: Gemeinsam mit einer unschuldigen Barsängerin strandet er in der Einöde und läuft dort ausgerechnet seiner alten Bande in die Arme. Eine Wendung, die dem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegzieht.
„Der Mann aus dem Westen“: Sadismus und Terror statt Romantik
Für die Geiseln beginnt ein sadistisches Psychospiel, das schließlich in nackten Terror ausartet. Anführer der Bande ist der psychopathische Stiefvater des Helden. Will dieser das Leben seiner Begleiter schützen, muss er seine mühsam unterdrückte, mörderische Seite wiederbeleben.

Gary Cooper, Julie London und Arthur O’Connell geraten in „Der Mann aus dem Westen“ (1958) in einen Strudel aus Gewalt und Verrat. Für den geläuterten Ex-Banditen Link Jones wird die Begegnung mit seiner früheren Bande zum Albtraum. (Archivbild)
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Die männlichen Hauptrollen in „Der Mann aus dem Westen“ sind mit absoluten Mega-Legenden besetzt, doch die Show stiehlt ihnen eine Frau: Julie London liefert hier die Performance ihres Lebens ab. Sie spielt die Barsängerin Billie Ellis, die in der abgelegenen Hütte zur ultimativen Zielscheibe der degenerierten Verbrecherbande wird. In einer unbarmherzigen, fast unerträglichen Szene zwingen die Lieblinge des Teufels sie, sich unter vorgehaltener Waffe auszuziehen.
Julie London: Die Jazzsängerin in der Rolle ihres Lebens
Nackte Angst, Demütigung und unbändigen Überlebenswillen bringt London so markerschütternd auf die Leinwand, dass es dem Zuschauer eiskalt den Rücken herunterläuft. Die schauspielerische Meisterleistung verlangte der Künstlerin alles ab und bewies ihre enorme emotionale Tiefe.

Zwischen all der Gewalt gibt es auch leise Momente: Billie (Julie London) legt ihren Kopf auf die Hand von Link Jones (Gary Cooper). Eine seltene Geste der Nähe in einem ansonsten düsteren und schonungslosen Western. (Archivbild)
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Bekannt war Julie London damals eigentlich in einer völlig anderen Rolle, nämlich als laszive Königin des Nachtclub-Jazz. Den absoluten Durchbruch in ihrer grandiosen Musikkarriere hatte sie nur drei Jahre vor den Dreharbeiten gefeiert, mit ihrer rauchig-sanften Jahrhundert-Stimme und dem Welthit „Cry Me a River“.
Millionen lagen der betörenden Jazz-Sängerin zu Füßen. Dazu trugen nicht zuletzt ihre ebenso eleganten wie sinnlichen Plattencover bei, die damals auch wegen ihrer Freizügigkeit für Aufsehen sorgten.
Auf ihren musikalischen Erfolgen ruhte sie sich jedoch nicht aus, sondern bewies in diesem Meilenstein der Filmgeschichte Mut zur Kompromisslosigkeit.
Wer ungeschöntes Kult-Kino statt weichgespülter Hollywood-Kost sehen möchte, kann am Sonntag um 13.50 Uhr bei ARTE einschalten. Wer den Termin verpasst, findet den Film noch bis zum 24. November zum Streamen in der ARTE-Mediathek. (jag)

