Der Astrophysiker Harald Lesch spricht im „Kölner Treff“ über die Hitzewelle. Seine zentrale Aussage: Die Situation ist besorgniserregend. Doch es gibt Hoffnung.
„Kölner Treff“Harald Lesch mit dringlicher Botschaft: „Das darf doch nicht wahr sein“

Astrophysiker Harald Lesch warnt im „Kölner Treff“ vor den Folgen des Klimawandels. Und davor, diesen zu unterschätzen.
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Der Astrophysiker und bekannte Wissenschaftsjournalist Harald Lesch („Terra X“) hat am Freitag ernste Bedenken geäußert. In der WDR-Sendung „Kölner Treff“, moderiert von Susan Link und Micky Beisenherz, sprach er unmissverständlich über die derzeitige Hitzewelle. Er betonte, dass die hohen Temperaturen, die viele genießen, in Wahrheit ein alarmierendes Zeichen seien.
Micky Beisenherz leitete die Unterhaltung mit einer etwas provokanten Feststellung ein: Er merkte an, dass Lesch oft unzufrieden wirke, sobald die öffentliche Meinung von seiner wissenschaftlichen Perspektive abweicht. Beisenherz fragte, wie Lesch auf die allgemeine Begeisterung über „tolles Wetter, herrlich heiß“ reagiere.
„Das ist doch nicht normal, Leute!“
Leschs Reaktion: „Leute, das ist doch nicht normal! Das darf doch nicht wahr sein. Im Mai so eine Hitzewelle über Europa. Stellt euch vor, so eine Hitzewelle im Sommer, wenn es noch heißer ist. Das wird eine Katastrophe.“
Zur Untermauerung seiner Aussage nannte Lesch alarmierende Daten. Das Klima in Europa habe sich in den zurückliegenden 30 bis 35 Jahren komplett gewandelt, wobei die Temperaturextreme zunähmen. Er erwähnte, dass in Portugal kürzlich Temperaturen von über 40 Grad registriert wurden. „Wir liegen in weiten Bereichen über acht Grad über dem Durchschnitt. Bei uns sollten überall die Alarmglocken schellen.“
Gesundheitsrisiko durch starke Temperatursprünge
Daraufhin fragte Beisenherz kritisch nach. Er gab zu bedenken, dass es vor nur zwei Wochen noch außergewöhnlich kalt gewesen sei, und fragte, welche Bedeutung diese Schwankungen hätten.
Lesch erklärte, dass genau hierin die Problematik liege: „Das ist ja das Schlimme. Diese hohen Sprünge in der Temperatur, das ist auch ein hoher Stress für unsere Gesundheit. Es gibt einen hohen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und unserer Gesundheit, der Zunahme der Allergien, der Krankheitserreger.“ Der Wissenschaftler fügte hinzu, dass insbesondere Menschen in der Forst- und Landwirtschaft die veränderte Situation bezeugen könnten.
Die Situation bei der Wasserversorgung sei ebenfalls äußerst kritisch. „Beim Thema Wasser haben wir eine wahnsinnige Verschlechterung über längere Zeit“, führte Lesch aus. Fehlender Regen habe dazu geführt, dass zahlreiche Seen in Bayern nur noch ein Drittel ihres üblichen Pegels aufwiesen. „Das sind natürlich alles keine guten Nachrichten. Das heißt für uns, wir brauchen Wasserrückhaltemaßnahmen. Wenn das Wasser kommt, dürfen wir es nicht wegströmen lassen, sondern müssen es halten.“
„Wann fängt Söder an, einen Regentanz aufzuführen?“
Mit einem ironischen Unterton spitzte Beisenherz die Situation zu und fragte: „Wann fängt der bayerische Ministerpräsident an, einen Regentanz aufzuführen?“
Lesch antwortete prompt: „Zuzutrauen ist ihm alles.“ Nach kurzem Gelächter im Publikum fuhr er mit ernster Miene fort: „Aber wir merken es in ganz Deutschland an allen Ecken und Enden.“
Ein weiteres Thema war die bedeutende Vereinbarung von Paris. Im Rahmen des Klimaabkommens von 2015 verpflichteten sich nahezu alle Nationen, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu beschränken. Laut Lesch sei dieses Vorhaben mittlerweile praktisch aufgegeben worden. „Da haben sich alle von verabschiedet, das ist erledigt.“
Die Erwärmung in Deutschland betrage schon beinahe 2,5 Grad, und Europa gehöre zu den sich global am schnellsten aufheizenden Regionen. „Da gibt es dramatische Warnzeichen.“
Positive Entwicklung bei erneuerbaren Energien
Dennoch überbrachte Lesch auch eine unerwartet positive Nachricht. Deutschland stehe im Bereich der erneuerbaren Energien deutlich besser da, „als es augenscheinlich laut Berichterstattung so der Fall ist“. Er führte Bayern als Beispiel an, wo der Anteil erneuerbarer Quellen am Stromnetz bereits über 75 Prozent betrage. Er stellte die Frage: „Warum macht die Regierung in Bayern nicht damit Werbung?“
Dies kommentierte Beisenherz lachend mit der Frage: „Dann ist Söder eigentlich ein Grüner?“
Nach Leschs Einschätzung gibt es einen positiven weltweiten Trend: „Auf der ganzen Welt und auch bei uns haben die Erneuerbaren einen unglaublichen Schwung genommen.“ Politische Entscheidungen seien zunehmend weniger relevant, da der Markt die Richtung vorgebe. Die Herstellung von Fotovoltaik und Batterien sei wesentlich kostengünstiger als Alternativen. Hinzu kämen die stark gestiegenen Preise für fossile Brennstoffe wie Öl und Gas. „Das müsste uns klarmachen: Wir sollten den Strom selbst machen.“
Plädoyer für die Wärmepumpe
Anschließend richtete Lesch einen direkten Appell an das Fernsehpublikum: „Die Wärmepumpe ist das allerbeste, was die Physik zu bieten hat. Aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme zu machen, das ist exakt das, was eine Wärmepumpe ist. Sie ist nicht ideologisch, sie ist rein technisch und hat mit keinem Parteiprogramm etwas zu tun. Und wenn Sie sich überlegen, was Sie für eine Heizung nehmen wollen, dann wissen Sie Bescheid.“
Über den von Politikern oft verwendeten Begriff „Technologieoffenheit“ könne Lesch nur lachen. Er bezeichnete das Wort als Eingeständnis des Scheiterns: „‚Technologieoffenheit‘ ist Blödsinn und nichts anderes als ein Ausdruck für technologische Ahnungslosigkeit. Es ist immer ein Hinweis auf die Frage: Können wir nicht alles so lassen, wie es ist?“
Als Physikprofessor zog er folgendes Resümee: „Die Natur ist kein Parteimitglied. Alles, was in der Natur passiert, kann durch die Wissenschaft gut verstanden werden und wir können es auch technisch nutzen. Das ist so gut verstanden, dass wir in Koalitionsvereinbarungen nicht so tun können, als könnte man sich darüber hinwegsetzen.“ (red)
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