Der Haussperling ist auch in Köln nur noch ein seltener Gast.
Satirischer WochenrückblickKein Spatz am Wallrafplatz


Spatzen, auch Haussperlinge genannt, baden mit ihre Jungtieren in einer Vogeltränke.
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Was macht eigentlich der Spatz vom Wallrafplatz? Schlecht steht’s um ihn. Sagt der Naturschutzbund. In der Innenstadt ward er schon lange nicht mehr gesichtet, obwohl das legendäre Café Reichard am Dom mit seiner großen Außenterrasse eigentlich ein idealer Lebensraum wäre.
Bei der „Stunde der Gartenvögel“, wie die jährliche Zählung des Nabu heißt, gehört der Haussperling zwar immer noch zu den am weitesten verbreiteten Arten, aber in diesem Jahr wurden neun Prozent weniger Spatzen gemeldet. Aus meinem Kleingarten sind sie schon lange verschwunden. Angesichts der Papageienschwärme, der Krähen und Elstern, die unsere Siedlung vom Frühjahr bis zum Spätherbst als Fünf-Sterne-Restaurant betrachten, fürchte ich, dass es mit den Rotkehlchen auch bald vorbei sein könnte, obwohl wir versuchen, ihnen Unterschlupf zu bieten.
Höhner wärmen auf, Spatzen sterben aus
Zum Glück war der Wallrafplatz-Spatz ja nur eine gefiederte Marionette des WDR und wurde von der Maus und ihrer Sendung nach nur sieben Dienstjahren 1978 in den Ruhestand geschickt. Nach 36 Folgen endete die Sendereihe, weil die Dreharbeiten auf dem Wallrafplatz nicht mehr möglich waren: Zu groß waren die Massen von Schaulustigen, die angelockt wurden, sobald die Marionette an ihrer Platane auftauchte. So haben die Massen den Spatz verdrängt. Das könnten wir doch mal mit den Papageien versuchen.
Von einer derartigen Massenbegeisterung ist Köln zwei Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und Trumpistan meilenweit entfernt. Ehrlich gesagt ist auch mein Interesse an dem aufgeblähten Turnier ungefähr so groß wie an einem lauwarmen Mineralwasser ohne Prickel. In dem großen Innenstadt-Kaufhaus meiner Wahl werden Deutschland-Trikots jetzt schon mit 25 Prozent Rabatt verkauft.
Und wenn ich dann noch lese, dass nach Manuel Neuer sogar die Höhner reaktiviert werden müssen, um mit einem Aufguss ihres Hits „Steh auf, mach laut“ aus dem Jahr 2014, als wir in Brasilien den Titel holten, unter Beteiligung eines Karnevals- und Partymusikers namens Big Tim zum WM-Sommerhit hochsterilisieren zu müssen, um es mit Loddar Matthäus zu sagen, da mach‘ ich doch lieber selbst den Nagelsmann und zimmere ein paar neue Zwitscher-Stübchen für die Rotkehlchen in meinen Kleingarten. Die können wenigstens singen. Sind halt keine Höhner.